Saisonstart im Fußball
Saisonprognose: Das erwartet Jesingen, Kirchheim und Weilheim in der Bezirksliga

Am Sonntag beginnt im Bezirksoberhaus die Saison 25/26 – mittendrin, statt nur dabei sind drei Teckvereine, die mit dem Titelrennen allerdings kaum etwas zu tun haben dürften.

Alessio Setzu und der TSV Jesingen (links) wollen erneut bestes Teckteam in der Bezirksliga werden – Daniele Attorre und der VfL (Mitte) sowie Pascal Amepko und der TSV Weilheim (rechts ) haben was dagegen. Fotos: Markus Brändli

TSV Jesingen

Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen: Der TSV Jesingen macht das inzwischen auf beachtlichem Niveau. Seit dem Aufstieg in die Bezirksliga im Sommer 2020 – nach damals zehnjähriger Abstinenz – haben sich die „Gerstenklopfer“ in der Liga festgebissen und etabliert: Platz 17 in der abgebrochenen Corona-Saison, danach die Ränge 12, 11, 11 und zuletzt 10. Der Trend zeigt zwar nur sehr langsam, aber doch stetig nach oben. In der nun sechsten Spielzeit möchte Jesingens Fußball-Vorstand Sven Andler den Abstiegskampf möglichst früh abhaken. Und sollte sich der Aufwärtstrend weiter fortsetzen, könnte erstmals seit dem Aufstieg sogar ein einstelliger Tabellenplatz herausspringen.
Mehr Breite im Kader
Personell hat der TSV im Sommer nochmals gezielt nachgelegt, was nach den schmerzhaften Abgängen von Leistungsträgern wie Ferdi Er und Argjend Shalaj (beide VfL Kirchheim) sowie Adonis Shalaj (FV Neuhausen) allerdings auch dringend nötig war. Mit Toni Carfagna (VfL Kirchheim), Marc Laier (TSV Ötlingen), Leart Zeneli (VfB Oberesslingen/Zell), Mazen Hodroj (FV 09 Nürtingen), Albion Quni (1. Göppinger SV II) und Jan-Lukas Schropp (TSV Bad Boll) kamen gleich sechs Neuzugänge, die sowohl Qualität als auch Kaderbreite mit in die Lehenäcker bringen sollen.
Darüber hinaus rücken mit Dominik Salinovic und Tom Hammelehle zwei ambitionierte Eigengewächse aus der U19 ins Bezirksligateam, denen der Verein den direkten Sprung in den Aktivenfußball zutraut. Die Integration junger Talente ist längst ein Markenzeichen der Jesinger. „In den vergangenen Jahren ist es uns regelmäßig gelungen, zwei bis drei Nachwuchsspieler im Bezirksligateam zu etablieren“, betont Andler.
Verletzte zum Start
In der Vorbereitung musste Cheftrainer Cesare D‘Agostino allerdings immer wieder improvisieren: Einige Leistungsträger wie Timo Mader sowie Lukas und Jonas Preuß waren gegen Ende der Vorbereitung angeschlagen und könnten zum Saisonstart fehlen. Sobald alle wieder an Bord sind, sieht man sich beim TSVJ jedoch bestens gewappnet für die anstehenden Aufgaben.
Kein klarer Titelfavorit
Einen eindeutigen Meisterschaftsanwärter sieht Andler in dieser Saison nicht. „Ich denke, dass der SV Ebersbach und der 1. FC Heiningen vorne mitmischen werden. Natürlich hoffe ich, dass wir am Ende das stärkste Teck-Team der Liga sind, aber auch den VfL Kirchheim und Aufsteiger TSV Weilheim schätze ich stark ein. Die könnten ebenfalls ein Wörtchen mitreden. Das wird spannend.“
Wegweisend für den Verlauf der Saison wird höchstwahrscheinlich auch wieder der Auftakt – und der hat es für die „Gerstenklopfer“ durchaus in sich: Zuerst geht es nach Donzdorf mit Cheftrainer Manuel Doll, anschließend stehen gleich die Duelle gegen ambitionierte Teams wie Oberboihingen, Heiningen und Ebersbach auf dem Programm.

VfL Kirchheim

Die vergangene Saison war für den VfL Kirchheim ein ernüchterndes Kapitel: In der ersten Spielzeit nach dem Landesliga-Abstieg fand sich der Traditionsverein überraschend weit weg von der Spitzengruppe wieder und musste den Blick gegen Ende sogar eher nach unten richten. Statt um den Aufstieg mitzuspielen, wie es viele im Umfeld erhofft hatten, war Abstiegskampf plötzlich Realität. „Das war nicht das, was wir uns vorgestellt hatten“, sagt Torhüter Nico Nagel rückblickend. Doch der jüngste Triumph beim Teckbotenpokal hat im Lager der Kirchheimer wieder spürbar Optimismus entfacht.
Neues Trainerduo, frischer Wind
Nach den Unruhen der vergangenen Monate soll nun Ruhe einkehren – auf und neben dem Platz. Dafür sorgen sollen in erster Linie die beiden neuen Trainer Ferdi Er und Philip Kühnert. Er, 44-jähriger Routinier und Rückkehrer, will dabei nicht nur von außen dirigieren, sondern auch auf dem Platz den Takt vorgeben und frische Ideen einbringen. Gemeinsam mit den weiteren Neuzugängen Argjend Shalaj, Stefano Magno (beide TSV Jesingen), Nico Crisigiovanni (TSV Bad Boll), Daniele Attorre, Luca Keck (beide TSV Notzingen), Benjamin Sabotic (AC Catania Kirchheim) und Viktor Ribeiro (Calcio Leinfelden-Echterdingen) soll er neues Leben auf den Platz bringen.
Schwere Abgänge verkraften
Nötig ist das allemal, denn die Liste der Abgänge ist lang. Kapitän Theo Gut (TSV Bad Boll) und Routinier Tobias Heim (TV Bempflingen) haben den Verein ebenso verlassen wie Patrick Liebl (1. FC Donzdorf), Endrit Duraku (1. FC Frickenhausen), Alan Fejzuli (TSV Oberboihingen), Felix Bosch (TSV Notzingen), Toni Carfagna (TSV Jesingen) und Mohamed Senasni (FV 09 Nürtingen).
Zwischen den Pfosten hingegen herrscht seit Jahren Kontinuität: Der 23-jährige Nico Nagel gehört zu den besten Torhütern der Region: „Die Top fünf sind auf jeden Fall das Ziel. Wenn wir einen guten Lauf erwischen, darf es natürlich auch gerne mehr werden.“ Wichtig sei vor allem, dass sich die Mannschaft nicht – wie in der Vorsaison – selbst im Weg stehe. „Da bin ich optimistisch. Der Umbruch hat schnell eine neue Gruppendynamik gebracht, weil viele der Neuen schon erfahren sind und kaum Eingewöhnungszeit brauchen.“
Liga ohne klaren Favoriten
Einen Topfavoriten hat Nagel trotzdem im Blick: „Heiningen wird stark sein. Aber insgesamt ist die gesamte Liga extrem ausgeglichen. Am Ende werden Kleinigkeiten und Konstanz entscheiden.“ Hoffnung macht da zumindest auf dem Papier schon mal das Auftaktprogramm der Kirchheimer: Mit Plochingen, Berkheim, Donzdorf, Weilheim, Oberboihingen und Faurndau stehen zu Beginn gleich sechs Partien vor der Brust, in denen der VfL klar favorisiert scheint. Anschließend wartet der 1.FC Heiningen. Zeit genug also, um sich punktetechnisch bis dahin in eine vielversprechende Ausgangslage zu bringen.

TSV Weilheim

Zwei Jahre lang war der TSV Weilheim im Fußball-Bezirks Neckar/Fils nur Zaungast – jetzt sind die Limburgstädter endlich wieder zurück im Bezirksoberhaus. Und das mit einer klaren Marschroute: „Wir wollen uns in der Liga auf jeden Fall etablieren. Unser Weg ist langfristig angesetzt“, betont Trainer Salvatore De Rosa, der den TSVW seit seiner Amtsübernahme im Dezember 2022 nicht nur spielerisch, sondern vor allem in Sachen Disziplin und Fitness spürbar vorangebracht hat.
Fit wie kaum ein anderer
Schon in der Kreisliga war der TSV den meisten Gegnern läuferisch und konditionell einen Schritt voraus. Ein Vorteil, den De Rosa und sein Team auch eine Klasse höher ausspielen wollen. „Die Bezirksliga ist von der Körperlichkeit her sehr anspruchsvoll. Deshalb mussten wir noch einmal eine Schippe drauflegen, um sofort mithalten zu können“, unsterstreicht der Coach.
Ein wichtiger Baustein des letztjährigen Erfolgs war nicht zuletzt die Verpflichtung von Pascal Amekpo, der im Mittelfeld unermüdlich die Fäden zieht. Mit dem erfahrenen Neuzugang Mike Tausch erhält er nun zusätzliche Unterstützung und Routine an seiner Seite. Gemeinsam mit Defensivmann Chris Bauer – ebenfalls wie Tausch vom Verbandsligisten TSV Oberensingen gekommen – sollen sie das neue Gerüst der Mannschaft bilden.
Bitter: Stürmerzugang Kim-Luca Quattrone, der eigentlich das bekannte Stürmerproblem lösen sollte, riss sich beim Teckbotenpokal das Kreuzband und wird aller Voraussicht nach die komplette Saison verpassen.
Klassenerhalt hat Priorität
Für Abteilungsleiter Gianni Mantineo steht das Ziel trotzdem fest: „Ein möglichst frühzeitiger Klassenerhalt, damit wir sicher für die neue Saison planen können und nicht wieder zweigleisig für zwei Ligen fahren müssen.“ Neben Favorit 1. FC Heiningen traut er auch den Mitaufsteigern TSV Denkendorf, TSV RSK Esslingen und FV Faurndau Überraschungen zu, „nicht zuletzt wegen deren starker Kaderplanungen“.
Darüber hinaus gilt es, den großen Kader so zu entwickeln, dass jeder seine Rolle findet, auch wenn es Phasen mit weniger Einsatzzeit gibt. Mit der wiedereingeführten zweiten Mannschaft hat der Klub dahingehend nun zumindest eine weitere, wertvolle Option für junge Spieler in der Hinterhand, um in der Kreisliga B Spielpraxis zu sammeln.
Ein weiterer Schwerpunk für Mantineo: weniger Gegentore durch eigene Fehler. „In der Vorbereitung haben wir gesehen, dass wir uns oft selbst in Schwierigkeiten bringen. Eine stabile Defensive ist der Schlüssel zum Erfolg.“
Am Sonntag beginnt für den TSV Weilheim das Abenteuer Bezirksliga ausgerechnet mit einer Partie beim einst langjährigen Landesligakonkurrenten 1.FC Frickenhausen, der – ebenso wie der TSV Weilheim – über kurz oder lang den Weg zurück zu besseren Zeiten und damit auch zu höherklassigem Fußball einschlagen will.