DFB-Pokal-Halbfinale
SC Freiburg statt VfB Stuttgart: Warum zwei Teck-Kicker klar Partei ergreifen

Raphael Dörfer und Swen Kaufmann leben seit 20 Jahren als „Exil-Badener“ in der Teckregion und drücken am Donnerstag „ihrem“ SC Freiburg im Pokal-Halbfinale gegen Stuttgart die Daumen.

Zwei Badener im Brühl: Raphael Dörfer (links) und Swen Kaufmann kicken in der AH des TSV Holzmaden, wo sie als Fans des SC Freib
Zwei Badener im Brühl: Raphael Dörfer (links) und Swen Kaufmann kicken in der AH des TSV Holzmaden, wo sie als Fans des SC Freiburg naturgemäß in der Minderheit sind. Foto: Markus Brändli

Wenn Raphael Dörfer und Swen Kaufmann gemeinsam auf dem Trainingsplatz stehen, geht es normalerweise um die Ü32 des TSV Holzmaden. Vor dem DFB-Pokal-Halbfinale zwischen dem SC Freiburg und dem VfB Stuttgart ist aber schnell klar: Neutralität ist für die beiden 50-Jährigen keine Option. „Also, wir sind schon parteiisch“, sagt Raphael Dörfer und lacht.

Das kommt nicht von ungefähr. Dörfer, gebürtig aus Rust, und Kaufmann aus Freiburg sind tief im Badischen verwurzelt. Beide leben seit 2007 in der Teckregion, der eine in Bissingen, der andere in Hepsisau. Kennengelernt haben sie sich erst hier, beim Fußball in Holzmaden. Die Pointe: Früher standen sie sich schon einmal gegenüber – als aktive Spieler in Baden, ohne es damals zu wissen.

Frotzeleien unter Freunden

Heute verbindet sie nicht nur die gemeinsame Vergangenheit, sondern auch die Liebe zum SC Freiburg. Und die sorgt im schwäbischen Umfeld regelmäßig für kleine Reibereien, die aber immer freundschaftlich gemeint sind. „Gefrotzelt wird immer, auch wegen des Dialekts“, erzählt Raphael Dörfer, was Kaufmann ein Grinsen abringt: „Den hab ich schon stark verlernt.“ Auf dem Platz der Holzmader Ü32, aktuell Dritter der Kreisliga A, geht es ohnehin bunt gemischt zu in Sachen Fan-Support: Anhänger des VfB, der Bayern, des BVB und sogar von Sporting Lissabon mischen sich unter die beiden Freiburger.

Die Vorfreude auf das Halbfinale ist dennoch groß, auch wenn beide Realisten bleiben. „Ich hab ehrlich gesagt kein gutes Gefühl“, gibt Swen Kaufmann zu, „Stuttgart ist gerade richtig gut.“ Raphael Dörfer sieht es ähnlich: „Der VfB ist zu gefestigt.“

Trotzdem überwiegt die Begeisterung. „Die Vorfreude ist da. Und wenn wir ausscheiden, wäre es auch kein Drama“, sagt Dörfer. Eine Haltung, die viel über den SC Freiburg erzählt. „Wir wissen, wo wir herkommen“, erklärt Kaufmann. „Bei uns ist das anders als bei manchen VfB-Fans, die gleich schimpfen, wenn es nicht für die Champions League reicht.“

Der Freiburger Weg – Ausbildung statt Größenwahn – präge nach Einschätzung der beiden Exil-Badener auch die Anhänger. „Das leben die seit 20 Jahren, das überträgt sich auf die Fans.“ Auch Dörfer, der als Polizist früher regelmäßig bei SC-Heimspielen im Einsatz war und sich an völlig entspannte Stunden erinnert, sieht darin das Erfolgsgeheimnis: „Es hat sich nichts geändert. Talente finden, ausbilden, sich treu bleiben.“ Oder, wie Kaufmann es formuliert: „Am Ende sind es die Menschen. Es ist alles sehr familiär, da gibt’s nichts zu meckern.“ Dass der SC Freiburg dabei bundesweit Sympathien genießt, überrascht die beiden nicht. „Ich hab noch nie jemanden getroffen, der Christian Streich oder den SC nicht mag“, sagt Dörfer. Kaufmann bringt es mit einem Wortspiel auf den Punkt: „Wir sind eben ein symbadischer Verein.“

Am Donnerstag gehen die Wege der beiden kurz auseinander: Kaufmann wird im Stadion in Stuttgart sein, Dörfer schaut entweder mit den AH-Kollegen oder zu Hause mit seinem Sohn, der es mit keinem der beiden Halbfinalisten hält. „Der ist eher Haaland-Fan“, lacht der Papa.

Und danach? Sollte Freiburg tatsächlich ins Finale einziehen, könnte es schnell gehen. „Ein Kumpel schaut dann sofort nach Karten“, weiß Kaufmann. „Wenn ich die Chance habe, bin ich in Berlin dabei.“ Dörfer bleibt gelassen: „Wenn sich was ergibt, ja, aber ich kümmere mich nicht aktiv.“

Gelbe Socken sollen helfen

Beim Tipp sind sich beide immerhin einig – zumindest im Ziel. Swen Kaufmann setzt auf Spektakel innerhalb der regulären 90 Minuten: „3:2 für Freiburg.“ Raphael Dörfer ist zurückhaltender. ​​​​​„Ich hoffe auf Elfmeterschießen und Sieg für Freiburg“, sagt er, der dafür auch modisch alles in die Waagschale werfen wird: „Wir ziehen gelbe Socken an“, sagt er augenzwinkernd.

50 Fans in „Freiburger Botschaft zu Stuttgart“

Organisierte Fanclubs des SC Freiburg sind im Ländle zwar selten, aber es gibt sie – zumindest einen: Die 2016 gegründete „Freiburger Botschaft zu Stuttgart“ trifft sich regelmäßig im Sportcafe Carambolage in der Stuttgart City, um gemeinsam die SC-Spiele im TV zu verfolgen. Fahrten zu Auswärtsspielen oder ins Europa-Park-Stadion stehen ebenfalls auf dem Programm.
Aus der Teckregion stammt allerdings keines der rund 50 Mitglieder. „Die kommen primär aus der Region Stuttgart/Fellbach und mittlerweile tatsächlich auch aus anderen Städten, aber mit Stuttgart-Background“, wie ein Sprecher des Fanclubs mitteilt. pet