Tischtennis: TTC Frickenhausen scheitert beim Pokalfinale in Stuttgart im Viertelfinale an Ochsenhausen
Schläger-Posse kostet Nerven und möglichen Sieg

Es war das erwartet enge Spiel, allerdings ohne Happy-End für den TTC Frickenhausen: Beim Tischtennis-Pokalfinale vor 2 900 Zuschauern in der Stuttgarter Porsche-Arena verlor das Team von Trainer Jian Xin Qiu im Viertelfinale gegen den württembergischen Rivalen TTF Ochsenhausen mit 2:3. Alter und neuer Pokalsieger wurde Borussia Düsseldorf.

Stuttgart. „Wir haben uns selbst geschlagen“, legte Frickenhausens Manager Jürgen Veith den Finger in die Wunde – zu Recht. Zwar gewann der aktuell beste Bundesligaspieler Koki Niwa seine beiden Partien, doch weder Yang Wang noch Steffen Mengel konnten den zum Gesamterfolg nötigen dritten Zähler beisteuern. Während beim amtierenden deutschen Meister Mengel gegen den Engländer Liam Pitchford jedoch fehlende Nervenstärke für die Niederlage verantwortlich war, hatte Yang Wang mit ganz anderen Problemen zu kämpfen.

Der Chinese konnte nicht mit seinem gewohnten Schläger spielen, weil der Belag bei der Kontrolle durch die Schiedsrichter mit 4,1 anstatt der erlaubten 4,0 Millimeter zu dick war. Wang riss den Belang herunter, klebte einen neuen auf. Doch auch der kam wegen 0,1 Millimeter zu viel nicht durch die Kontrolle. Da der 19-Jährige kein Ersatzholz dabei hatte, lieh er sich für das erste Match gegen Seung Min Ryu (6:11, 10:12, 4:11), den koreanischen Olympia­sieger von 2004, den Schläger des Düsseldorfers Ricardo Walther. Der Schläger hatte kurze Noppen, Abwehrspezialist Wang machte ungewohnt viele Fehler und verlor glatt.

Große Hektik nun hinter den Kulissen vor seinem nächsten Auftritt. Wang probierte mehrere Schläger seiner Mannschaftskameraden aus und entschied sich schließlich für das Holz seines Teamkameraden Liang Qiu mit einem längeren Noppenbelag. Beim Stande von 2:2 wurde das Spiel gegen Simon Gauzy zum Showdown. Dass es hier trotz Leihschläger fast zum Sieg gereicht hätte – Wang musste sich mit 3:11, 11:8, 4:11, 11:6 und 9:11 geschlagen geben –, spricht für seine Klasse. „Ich habe noch nie erlebt, dass ein Spieler ein entscheidendes Spiel mit zwei fremden Schlägern und zwei verschiedenen Noppen absolviert“, meinte Trainer Qiu fassungslos. „Dass ein Profi sein Ersatzholz vergisst, darf einfach nicht passieren“, kritisierte Manager Veith.

Wäre es nicht besser gewesen, nach dem ersten Malheur in Frickenhausen jemand mit Wangs Ersatzschläger in Richtung Porsche-Arena in Marsch zu setzen? „Klar, das wäre möglich gewesen. Aber wir dachten, wir bekommen das mit dem Schläger noch hin. Er hat ja die ganze Zeit in der Bundesliga damit gespielt und ist nie beanstandet worden. Nachher war die Zeit zu kurz.“

Vor diesem Hintergrund ist es verständlicher, dass die Bälle des Abwehrkünstlers Yang Wang oft zu lang waren und er nicht das ansonsten von ihm gewohnte Feingefühl demonstrierte. Vor allem gegen Ryu wirkte er zudem viel zu zappelig und suchte sein Heil in überhasteten Angriffsschlägen. Sein Gegenüber im entscheidenden fünften Match, der junge Franzose Gauzy, zeigte sich nach seinem Sieg erleichtert: „Ich stand sehr unter Druck, weil ich in dieser Saison schon einige Niederlagen einstecken musste.“

Hoch motiviert präsentierte sich beim Gesamtstand von 1:1 der Engländer Liam Pitchford, der Ende Oktober bei der 2:3-Heimniederlage der TTF Ochsenhausen gegen Fricken­hausen das entscheidende Match gegen Steffen Mengel glatt mit 0:3 verloren hatte. Diesmal war für den deutschen Champion gegen den englischen Meister nichts drin. Im ersten Satz (6:11) lag der weit unter Form spielende Mengel stets zurück, im zweiten führte er nur mit 1:0 und schaffte beim 7:7 den Gleichstand und unterlag 7:11. Im dritten Durchgang konnte er eine 4:3-Führung nicht ausbauen (5:11).

Da nutzte es auch nichts, dass Koki Niwa – mit 15:0 Siegen in der Bundesliga der aktuell beste Spieler – seine beiden Partien für sich entscheiden konnte. Simon Gauzy ließ er zum Auftakt keine Chance (11:9, 11:8, 11:8), sodass der Franzose, immerhin die Nummer 75 in der Welt, mit zunehmender Spieldauer immer öfters ratlos den Kopf schüttelte und gegen den kleinen Japaner keine Mittel fand. Bei einem 1:2-Rückstand musste der Weltranglisten-16. dann gegen Seung Min Ryu an den Tisch. In einem spannenden und hochklassigen Duell gab Koki Niwa den ersten Satz mit 7:11 ab, gewann anschließend aber 11:7, 15:13 und 11:6 und glich damit zum 2:2 aus. „Koki, Koki“ feierten ihn die Frickenhausener Fans, die auf der Tribüne mit ihren vereinsfarbenen Trikots eine grüne Wand bildeten.

Doch die Freude währte nicht lange. Es folgte das 2:3 von Yang Wang und damit das Ende der insgeheim gehegten TTC-Pokalträume.mps/ks