Nach einer intensiven Trainingswoche die aufgrund der Auswärtsreise der Knights am Freitag Richtung Bochum und dem Aufbau des Erstligawettkampfs der Sportschützen in der Turnhalle Stadtmitte nicht ganz rund verlief, machten sich die zehn Spieler am Sonntag mit dem Mannschaftsbus auf Richtung Heilbronn. Bei den Reds stand das vermutlich lauteste Auswärtsspiel bevor.
Und direkt zu Spielbeginn merkte man, was die volle Halle dem Heimteam für Auftrieb gab. Trotz einer guten Verteidigung der Gäste trafen die Reds in den ersten vier Spielminuten vier Dreier. Zwei davon mit Brett. Trotz der starken Trefferquote der Heilbronner – insgesamt 13 verwandelte Dreier bei 25 Versuchen – blieben die Jungs von Coach Marco Wanzke dran. Mit 21:18 aus Sicht der Gastgeber ging es in den zweiten Spielabschnitt. Hier blieb die Partie eng. Wechselnde Defensivtaktiken auf beiden Seiten und neuer Schwung von der Bank änderte am Spielverlauf wenig. Mit Ende der ersten Halbzeit betrug die Differenz nur zwei Punkte: 43:41.
Der dritte Abschnitt war nicht sonderlich ansehbar. Unnötige Ballverluste und sehr körperliches Spiel ließen keinen Spielfluss aufkommen, und so war zur Mitte des vierten Viertels ein weiterer taktischer Wechsel auf Seiten der Kirchheimer Ausgangspunkt eines seltenen Runs im Spiel. Der Rückstand von fünf Punkten wurde gedreht und man ging selbst mit fünf Punkten in Führung.
Während die Heilbronner in dieser Phase mit sich selbst und auch den Schiedsrichtern haderten, konnten die Gäste nicht nur das Spiel drehen, sondern auch die Kontrolle übernehmen und das Tempo vorgeben. Da zu diesem Zeitpunkt die drei größten Spieler der Heilbronner allesamt mit fünf Fouls draußen saßen, schickte Coach Goran Mijic seine besten Dreierwerfer aufs Feld. Vermeidbare Ballverluste waren der einzige Grund, weshalb das lautstarke Publikum noch an ein Wunder glaubte. Gute Defensivarbeit und ein schöner Angriff führten 43 Sekunden vor Ende dennoch zu einer Sieben-Punkte-Führung für Kirchheim. Nach einem schnellen Korbleger der Gastgeber warfen die Kirchheimer grundlos den Ball ins Aus. Topscorer Marques Charlton verwandelte 28 Sekunden vor Schluss einen wilden Dreier. Nach Foul ging Paqarada an die Linie und verwandelte beide Freiwürfe sicher. Zehn Sekunden vor Schluss zog Charlton zum Korb und verwandelte plus fragwürdigem Bonusfreiwurf. Die Führung betrug nur noch einen Punkt.
Wieder foulten die Heilbronner Paqarada. Der erste Freiwurf ging daneben, der zweite saß. Zwei-Punkte-Führung. Die Halle stand, Charlton vollbrachte trotz starker Defense das Basketballwunder: Sein Wurf jenseits der Dreierlinie in letzter Sekunde entriss den Kirchheimern den sicher geglaubten Sieg. Die Reds rannten aufs Spielfeld, die Halle war in Ekstase versetzt. Damit verloren die Kirchheimer das Spiel und auch die Tabellenführung. mw
Spielstenogramm
VfL Kirchheim: Abele (4), N.Failenschmid (18/1), Fansi (0), Haziri (11/3), Jorgusen (0), Lemke (0), Nicklaus (4/1), Paqarada (22/3), Schwanenberg (14/1), Stief (10)

