Nachgefragt
Sportkreis Esslingen: Das Desinteresse wirft Fragen auf

Nachdem nur acht von 383 Vereinen am Sportkreistag teilgenommen haben, sucht SK-Präsidentin Margot Kemmler Antworten und Möglichkeiten zum Gegensteuern. 

Sportkreispräsidentin Margot Kemmler (Mitte) umrahmt von den Präsidiumsmitgliedern (v.l.) Hartmut Binder, Jessica Walter, Rüdige
Sportkreispräsidentin Margot Kemmler (Mitte) umrahmt von den Präsidiumsmitgliedern (v.l.) Hartmut Binder, Jessica Walter, Rüdiger Wollenberg und Markus Kovacs. Foto: Bernd Walter

Kurz, formal und ohne größere Diskussionen – dass der Sportkreistag in Bernhausen trotzdem für Gesprächsstoff sorgt, lag an der erschreckenden Resonanz: Gerade einmal acht der 383 im Kreis Esslingen organisierten Vereine nahmen an der Veranstaltung teil. Wir wollten von Sportkreispräsidentin Margot Kemmler wissen, woran die historisch schwache Beteiligung lag und wie es gelingen kann, die Vereine künftig wieder stärker einzubinden.

Frau Kemmler, beim Sportkreistag waren nur acht von 383 Vereinen vertreten. Wie erklären Sie sich diese historisch schwache Beteiligung?

Magot Kemmler: Es gibt zahlreiche Erklärungen, die ich durch Nachfragen von der Mehrzahl der Vereine erhalten habe. Zu viele Veranstaltungen im März, der Urlaubszeitraum oder eine nicht weitergeleitete Einladung führten dazu, dass viele Vereine nicht vertreten waren. Einzelne Vereinsvertreter gaben an, dass sie an diesem Abend selbst Training hatten. Auch weitere Faktoren wurden genannt: terminliche Überschneidungen mit anderen Verpflichtungen, oder die Einladung erreichte die Verantwortlichen nicht zeitnah. Aus ländlichen Regionen wurde als zusätzliche Hürde der lange Anfahrtsweg genannt, während aus urbanen Bereichen die Nähe zu Stuttgart betont wird: Viele Vereine holen sich die gewünschten Informationen direkt vor Ort beim Württembergischen Sportbund ab.

Sehen Sie in dieser Entwicklung ein strukturelles Problem in der Kommunikation und Bindung zwischen Sportkreis und Vereinen?

Kemmler: Ich sehe die schlechte Beteiligung nicht unbedingt als strukturelles Problem innerhalb des Sportkreises an, sondern eher als ein Defizit in der Kommunikation, die richtigen Ansprechpartner in den einzelnen Vereinen zu finden. Unter anderem ist es auch ein Problem, das uns durch die Datenschutz-Grundverordnung beschert wurde. Wir können die Vereinsvorsitzenden nicht mehr persönlich anschreiben, da uns nur die Adressen der Geschäftsstellen bekannt sind.

Welche konkreten Folgen hat eine so geringe Teilnahme für die Legitimation und Entscheidungsfähigkeit des Sportkreises?

Kurze Antwort: Keine. Unser Sportkreistag in Bernhausen verzeichnete zwar eine geringe Beteiligung, dennoch konnten wir die wichtigsten vakanten Ehrenämter neu besetzen. Zudem haben sich bereits Anmeldungen für weitere Ehrenämter zum nächsten Sportkreistag im Jahr 2028 ergeben.

Müssen Sie sich als Sportkreis insgesamt die Frage nach der eigenen Daseinsberechtigung stellen, wenn ein Großteil der Vereine offenbar kein Interesse zeigt?

Nein, diese Frage müssen wir uns so nicht stellen. Es besteht ein deutlicher Unterschied: Der Sportkreistag in diesem Jahr war weniger gut besucht, während in unseren anderen Aufgabenbereichen – wie zum Beispiel Sportabzeichen, Ehrungen oder im Bereich Zuschüsse – eine rege Nachfrage seitens der Vereine im Kreis besteht.

Welche Maßnahmen planen Sie, um die Vereine künftig wieder stärker einzubinden und die Teilhabe am Sportkreistag zu erhöhen?

In der Diskussion steht, in den Jahren zwischen den Sportkreistagen jährlich eine große Veranstaltung, „Der Sportkreis stellt sich vor“, für alle Vereine zu etablieren. Dabei sollen Vorführungen und Impulsreferate im Mittelpunkt stehen, abgerundet durch einen regen Meinungsaustausch bei einem Imbiss. Eine weitere Überlegung besteht darin, einen Sportkreis-Preis auszuloben, der an diesem Abend dann verliehen wird. Das sind natürlich nur zwei Beispiele, aber dieses Thema wird primär an unserer konstituierenden Sitzung behandelt werden.

Goldene Ehrennadel für TGN-Vorsitzenden

Hartmut Binder ist im Rahmen des Sportkreistags mit der Goldenen Ehrennadel des WLSB ausgezeichnet worden. WLSB-Präsident Andreas Felchle verwies in seiner Laudatio auf eine Vielzahl von Ehrenämtern und das unermüdliche Engagement des 1. Vorsitzenden der TG Nürtingen.

Die Gremien des Sportkreises sind in Bernhausen neu gewählt worden. Präsidentin: Margot Kemmler; Vizepräsident Vereine und Vertreter Vollversammlung: Hartmut Binder; Vizepräsident Verbände: Markus Belser; Vizepräsident Finanzen: Markus Kovacs; Sportkreisjugendleiter: Rüdiger Wollenberg. Zuschüsse, Schule, Kita und Verein: Jessica Walter; Öffentlichkeitsarbeit: Bernd Walter; Vertreterin der Sportkreisjugend: Heike Heinrich; Kassenprüfer: Thomas Negwer und Ulrich Krieger. pm