Albstadt. Große Sprünge in der Tabelle ließ das Oberliga-Reglement am Finaltag nicht zu. Die Voraussetzungen für die Mannschaft aus Kirchheim waren klar: Mit einem guten Wettbewerb war die Vizemeisterschaft aus eigener Kraft zu schaffen. Der Titel hingegen wäre nur durch gewaltige Patzer der TSG Tübingen noch möglich gewesen.
Kirchheim legte mit 44,15 Punkten bestens vor. Lena Flaig erntete mit 11.10 Punkten für ihren Überschlag mit ganzer Schraube die exakt gleiche Wertung wie in der Vorwoche. Auch Stephanie Haible (10.95) präsentierte ihren Yamashita sehr hoch. Ihr folgte Samantha Müller mit einem Schraubensprung (10,30). Anna-Lena Mühleisen konnte mit einem hohen Drehmoment in ihrer ganzen Drehung aufwarten. Dafür gab es 10,95 Punkte. Jessica Preuss’ nahezu fehlerfreier Sprung war 11,25 Punkte wert.
Tübingen konterte mit 45,25 Punkten und baute am Barren den Vorsprung auch dank einer umstrittenen Juryentscheidung um 3,35 Zähler aus. Dabei lief es für die TSG am Paradegerät diesmal nicht wie gewohnt. Zuvor hatten die VfL-Mädchen einen guten Durchgang zu verzeichnen, in dem Joanna Preuss 9,00 Punkte einbrachte. Lena Flaig erhöhte mit mehr Tempo um 0,50 Punkte. Lara Rüping erturnte am Tag vor ihrer Konfirmation 8.80 Punkte für das VfL-Team. Lory Fröchtling (9.10) gelang ihre Übung zwar mit viel Dynamik, allerdings erwischte sie nach ihrem Flugteil den oberen Holm nur mit den Fingerspitzen. Für die Überraschung sorgte Stephanie Haible: Zum zweiten Mal in dieser Saison überbot sie ihre persönliche Bestnote am Stufenbarren und steuerte 10,60 Punkte bei.
Noch immer verärgert darüber, dass ein Sturz, der einen vollen Punkt Abzug zur Folge gehabt hätte, bei TSG-Turnerin Katharina Heffner am Barren nicht geahndet wurde, konterte der VfL am Schwebebalken mit erstaunlicher Sicherheit. Oft genug patzten die Kirchheimerinnen in letzter Zeit an ihrem Problemgerät. Nicht so im Finale. Samantha Müller turnte mit Gelassenheit ihre Übung und wurde für ihre 12,3 Punkte anschließend von der Mannschaft gefeiert. Als nächste schickte Trainerin Michaela Pohl nochmals eine erfahrene Turnerin ans Gerät. Lena Flaig sollte vor allem den Jüngeren die Nervosität nehmen. 11,10 Punkte war den Punktrichtern ihr Vortrag wert. Lory Fröchtling hatte ihre schwierige Übung unter der Woche auf einen Sturz im Training reduziert. Sie war nach ihrer 12.35-Punkte-Wertung überglücklich.
Mittlerweile rechneten sich die Kirchheimer wieder Chancen aus. Die Spannung war greifbar. Die erst elfjährige Joanna Preuss wagte sich an besonders schwierige Elemente und hielt dem Druck stand. Sie erhielt am Ende 12,20 Punkte. Auch ihre Schwester Jessica ließ sich danach nicht aus der Ruhe bringen und konnte, wie ihre Mannschaftskollegin Samantha Müller, ihre Übung ohne Absteiger beenden (12,70). Nach vier Zwölferwertungen am Balken konnten Team und Trainerstab vor dem abschließenden Programm am Boden befreit aufatmen. Inzwischen zeichneten sich zwei spannende Duelle ab. Der SV Hülben und der KSV Hohehneck turnten um Platz drei, während bei Kirchheim und Tübingen das letzte Gerät die Entscheidung um den Titel bringen musste.
Mit fast zwölf Punkten eröffnete Anna-Lena Mühleisen den entscheidenden Durchgang. Die stärkste Bodenturnerin der Oberligasaison, Jessica Preuss, zeigte nach ihr eine fehlerfreie Kür, für die es viel Beifall aus dem Publikum und die Tageshöchstnote von 13,65 Punkten gab. Noch einen Tick ausdrucksstärker als bei ihren vergangenen Auftritten zeigte sich Lory Fröchtling, die 11,95 Punkte einstrich. Davon beflügelt brachte Joanna Preuss ihren Schraubensalto gut in den Stand. Ihren 12,35 Punkten folgten 11,00 Punkte von Samantha Müller, die den Schlusspunkt hinter einen perfekten Bodendurchgang des VfL (49,90) setzte. Das Tübinger Team erreichte nur 48,65 Punkte.
Bereits vor der Siegerehrung war klar, dass der Oberligatitel an die TSG gehen würde, denn Hülben und Hoheneck lagen abgeschlagen fast zehn Punkte hinter den beiden Führenden. Der VfL Kirchheim sicherte sich mit einem überzeugenden Auftritt den Vizetitel und fühlte sich am Ende punktgleich mit Tübingen sogar als Gewinner des Finaltages. Beiden Teams steht es nun offen, sich am Aufstiegskampf zur Regionalliga zu beteiligen.mp
