Lokalsport
Stimmen aus dem Sport

Reaktionen Die von Bund und Ländern beschlossenen Maßnahmen im Kampf gegen Corona bringen den Sporbetrieb im Land ab kommendem Montag einen Monat lang zum Erliegen. Manche Verbände haben bereits sofortige Sportverbote verhängt. Von Peter Eidemüller, Reimund Elbe, Max Pradler und Max Blon

Fussball

Seit gestern Mittag ruht der Amateurfußball im Land, nachdem der WFV mit sofortiger Wirkung den Spiel- und Trainingsbetrieb eingestellt hatte. Nachholspiele wie die gestrige Bezirksligapartie des VfL Kirchheim gegen Kuchen sind abgesetzt, bis Ende November gilt ein Spielverbot. „Die Entscheidung kann ich nur begrüßen“, sagt Jesingens Abteilungsleiter Peter Martsch, „wir müssen jetzt schnell schauen, dass wir das Virus in den Griff bekommen. Danach können wir an die Wirtschaft denken und dann kommt irgendwann der Sport. Mir ist es lieber, Weihnachten mit der Familie zu verbringen, als im Dezember auf Teufel komm raus an Fußball zu denken.“

Wann man wieder dem Ball wird nachjagen können, darüber herrscht auch beim TV Neidlingen Rätselraten. „Ich denke, vor dem offiziellen Rückrundenstart wird es eher nicht losgehen“, glaubt TVN-Spielertrainer Patrick Kölle. „Das sind dann wieder vier, fünf Monate, nach denen man als Trainer wieder komplett bei null anfängt. Für den kameradschaftlichen Zusammenhalt ist die ganze Situation einfach nur scheiße.“

Handball

„Wir haben im Handball aktuell kein Patentrezept gegen die Krise“, bekennt Bezirksspielleiter Roland Dotschkal aus Owen. Kummer bereite ihm neben der Saisonunterbrechung die Frage, ob im November überhaupt Trainingsbetrieb stattfinden könne. „Es obliegt der jeweiligen Kommune, inwieweit dies möglich ist“, sagt er. Hoffnung mache ihm, dass im Winter keine Hallen-Fußballturniere stattfinden würden, was womöglich mehr Kapazität für andere Sportarten zur Folge hätte.

„Wir stellen für alle Teams bereits auf kontaktloses Training um“, gibt VfL-Abteilungsleiter Uwe Hamann als erste Maßnahme bekannt. An einen schnellen Restart mag der Kirchheimer Handballboss noch nicht glauben. „Wenn alles optimal verläuft, dürfte es mindestens Januar 2021 werden“, glaubt er. „Wir müssen in dieser Situation respektvoll miteinander umgehen“, lautet sein Appell. Vorwürfe, egal in welcher Form, seien fehl am Platz.

Robin Renz erlebt den zweiten Lockdown binnen rund acht Monaten erneut aus Spielerperspektive. „Es ist bedrückend“, bekennt der Akteur von Landesliga-Aufsteiger HSG Owen-Lenningen. „Extrem schade, wenn man die Euphorie des Aufstiegs mitnimmt und nun nicht weiß, wie es weitergeht.“ Er habe in den kommenden Wochen zumindest das Glück, dass er neben Laufeinheiten auch auf einen Keller mit Fitnessgeräten zurückgreifen könne - viele andere Sportler können wegen der ab Montag ebenfalls geschlossenen Fitnessstudios nur in die Röhre schauen.

Volleyball

Klaus Schädle wirkt als Staffelleiter in der Volleyball-Landesliga der Männer, wo die beiden Teams der SG Volley Neckar-Teck aktiv sind. Ganze zwei Spielwochenenden waren den Baggerkünstlern dieser Liga vergönnt, wobei der zweite Spieltag, so Schädle, „bereits von Absagen geprägt war“. Die Saisonunterbrechung wurde vom Volleyball-Landesverband (VLW) gestern verkündet. „Wir nehmen es so, wie es ist“, gibt sich der Funktionär tendenziell gelassen. Als Joker sieht der Staffelleiter die Möglichkeit, noch mehr Doppelspieltage anzusetzen: Dass im Volleyball Teams bis zur Landesliga zwei Partien an einem Tag bestreiten, ist nicht außergewöhnlich.

Ähnlich stressfrei äußert sich Clarissa Preuß, Abteilungsleiterin des TTV Dettingen. „Mit der Saisonunterbrechung wird zumindest eine klare Linie praktiziert“, sagt sie. Doch ganz sorgenfrei stellt sich die Situation für ihren Klub nicht dar. Gerade erst hatte der TTV beispielsweise eine Einsteigergruppe für Erwachsene installiert, damit bis zu 28 Personen ins Training gelockt. „Bleibt zu hoffen, dass die meisten dabei blieben, auch wenn wir gerade nicht mehr zusammen trainieren können“, so Preuß.

Basketball

Gianvito Greco, Vorsitzender des hiesigen Basketballbezirks „schmerzt es sehr, dass der Spiel- und Trainingsbetrieb im Amateursport ruhen muss“. Für seinen Verantwortungsbereich zwischen Alb und Bodensee bedeutet dies, dass 137 Jugendmannschaften aus 24 Ligen sowie 70 Frauen- und Männerteams aus neun Ligen vorläufig nicht mehr regelmäßig trainieren und am Spielbetrieb teilnehmen können. „Und das, obwohl sich die Vereine über den Sommer hinweg akribisch um Hygienekonzepte und entsprechende Angebote für ihre Mitglieder gekümmert hatten“, wie Greco anmerkt. „Eine Fortsetzung des Trainingsbetriebs, wenn auch unter restriktiven Bedingungen, hätten wir dennoch gerne begrüßt. So hätten Vereine noch die Möglichkeit gehabt, insbesondere Kinder und Jugendliche über entsprechende Angebote zu binden.“

Tischtennis

Die Zelluloidball-Jäger nehmen die Situation mit Galgenhumor, wie VfL-Routinier Klaus Hummel frei nach Loriot formuliert: „Ein Leben ohne Tischtennis ist möglich, allerdings weitaus spaßbefreiter.“ Die vorübergehende Aussetzung der Saison kommt laut Hummel zu einem denkbar unglücklichen Zeitpunkt: in der Hochphase der Vorrunde, in der oftmals die Weichen für die restliche Saison gestellt werden. „Zudem kommt die Unsicherheit, ob überhaupt noch mal gespielt wird und wie die Saison dann gewertet werden wird. Denn eine längere Unterbrechung kann kaum kompensiert werden“, glaubt der Kirchheimer Oberligaspieler, der bereits fürchtet, dass Meisterschaften und Ligenverbleibe am grünen Tisch entschieden werden. „Das ist immer die schlechteste Option und wird sicherlich für Ärger sorgen.“

Aus Sicht der Jugend sei die Unterbrechung des Spielbetriebs nachvollziehbar. „Durch die Kooperation mit dem Bezirk Staufen sind zwei Landkreise betroffen, die zum Teil unterschiedliche Ausgangslagen hatten“, sagt Stefan Oßwald vom TSV Jesingen, der als Ressortleiter den Jugend-Mannschaftssport organisiert. Das Trainingsverbot sei dagegen nicht verständlich. Vereine hätten viel Zeit aufgebracht, um mit entsprechenden Konzepten Sicherheit herzustellen. Thomas Jäger, sein Pendant bei den Erwachsenen, bedauert schade, dass Tischtennis ganz eingestellt werden müsse. „Es hat sich ja gezeigt, dass Sport kaum an den steigenden Infektionen beteiligt war. Und gerade Tischtennis eignet sich ohne Doppel gut als kontaktlose Sportart, um sich fit zu halten.“

Ob der Spieltag am Wochenende ausgetragen wird, stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest. Das TTBW-Präsidium tagte am Donnerstagabend. Nachdem andere Sportverbände ihren Spielbetrieb bereits ausgesetzt haben, ist davon allerdings auch im Tischtennis auszugehen.

Turnen

Mit rund 700 Mitgliedern stellen die Turner die größte Abteilung innerhalb des VfL Kirchheim, die Mehrheit Kinder und Jugendliche. Für die geht bereits seit rund vier Wochen nichts mehr, nachdem das Breitensportangebot ausgesetzt worden war. „Wir konnten die Gruppen nicht mehr steuern, der organisatorische Aufwand im Zusammenhang mit den Hygienevorgaben war zu groß“, berichtet VfL-Geschäftsstellenleiterin Michaela Pohl, die vor der nun vierwöchigen Pause einen Mitgliederschwund fürchtet. „Wir merken das durchaus, bereits zu Ende September hatten wir mehr Austritte als sonst.“ Zudem kommt die Ungewissheit über die sportliche Zukunft: Übernächstes Wochenende sollten die Deutschen Meisterschaften stattfinden, Ende November die Jugend-DM - die Definition, ob dies als Profi- oder Amateursport gilt, steht noch aus. „Wir brauchen schnell Klarheit“, fordert Michaela Pohl.

Leichtathletik

„Wir können mit den getroffenen Maßnahmen leben. Die Erfahrungen aus dem Frühjahr helfen dabei“, sagt Martin Moll, Vorsitzender der LG Teck. „Nach den Ferien wollten wir einen Teil des Gesamttrainings in der Halle abhalten. Jetzt geht beides nicht, sodass wir, wie im März und April, Video-Trainingsbotschaften an unsere Athleten übermitteln“, sagt Moll. Allgemeine Ausdauer und Kondition, wichtige Elemente im vierten Quartal, müssten die Athleten in Eigenregie umsetzen.

Sportkegeln

Deutliche Worte findet Richard Hohensteiner, aktiver Sportkegler und Vorsitzender des TV Unterlenningen: „Wegen der Dummheit und Uneinsichtigkeit weniger alles wieder zurück auf Null zu setzen, schmerzt.“ Der TVU hatte seine Kegelanlage mit großem Aufwand so ausgestattet, dass Training und auch ein eingeschränkter Spielbetrieb unter Coronabedingungen möglich waren. „Es bleibt jetzt nur zu hoffen, dass unsere regionalen Behörden den Mumm und die Durchsetzungskraft haben, die Sperre und begleitende Quarantänemaßnahmen so konsequent durchzusetzen, dass die Belastungen für alle Einsichtigen bald wieder gelockert oder zurückgenommen werden können.“

Fitnessstudios

Laut Moritz Hönig, Leiter des VfL-Sportvereinszentrums, zählen Fitnessstudios nachweislich nicht zu den Infektionstreibern. „Daher ist es für uns natürlich sehr bitter, dass wir trotz sehr gut funktionierendem Hygienekonzept, dessen Umsetzung uns viel Zeit und Geld gekostet hat, wieder schließen müssen“, klagt er.

Wenig Verständnis hat der ehemalige Leichtathlet dafür, dass der Profisport weiterlaufen darf, Kinder-, Freizeit- und Amateursport aber rigoros zum Stillstand kommen muss. „Ich hätte mir mit Blick auf die gesundheitsfördernde und gemeinschaftsstiftende Wirkung des Sports etwas mehr Augenmaß anstelle des undifferenzierten Vorgehens gewünscht“, so Hönig.