Kirchheim. Reisen auf Kosten Anderer liegen im Trend. Anders als Berufspolitiker brauchen Sportler hingegen kein schlecht gehütetes Geheimnis daraus zu machen. Gestern um 14 Uhr hoben die Knights von Frankfurt in Richtung Marokko ab. Die Reise mit Flug und Vollversorgung geht aufs Haus – genauer gesagt auf das der Königsfamilie. Das royale Patronat fürs einwöchige Basketballturnier an der sonnigen Atlantikküste verschafft dem Tabellenzweiten der Pro A einen Tapetenwechsel für lau. Nicht weil sich die Ritter tags zuvor königlich ins Rampenlicht gespielt hätten, sondern weil sie das einzige deutsche Profiteam sind, das am Wochenende spielfrei hat.
Frenkie Ignjatovic und den Seinen kann es wurscht sein. Luftveränderung tut gut. Wenn sie so dick war wie am Sonntag nach der Niederlage in Ehingen erst recht. Eine Lustreise ist der Trip übers Mittelmeer keinesfalls. Bis auf Besnik Bekteshi, der mit Ludwigsburg am Wochenende ein schweres Programm in der NBBL vor der Brust hat, ist die Mannschaft komplett abgereist. Neben den zwei Gruppenspielen am morgigen Mittwoch und am Donnerstag gegen Gastgeber AS Sale´und Mouloudia Algier steht tägliches Training auf dem Plan. Als Turnierfavoriten gelten die beiden Erstligateams aus Frankreich und Italien, JDA Dijon und Sutor Montegranaro, die in der zweiten Gruppe auf den marokkanischen Vertreter CRA Hoceima treffen. Am Freitag finden die beiden Halbfinalspiele statt. Nach einem Ruhetag geht es dann am Sonntag um den Turniersieg. Nach der Rückkehr zum Wochenbeginn bleiben vier Tage Zeit, sich auf das schwere Spiel in Chemnitz einzustimmen.
Währenddessen wirkt daheim die Enttäuschung über die verpasste Chance beim Aufsteiger in Ehingen nach. Auch Sportchef Michael Schmauder ist am Sonntag nicht entgangen, dass die Mannschaft mitunter pomadig wirkte. „Wir haben nach dem Sieg gegen Crailsheim alles getan, um die Konzentration hoch zu halten“, versichert er. Tröstend ist zweierlei: Trotz der vielleicht schwächsten Saisonleistung bisher, war man am Ende fast noch dran. Und: Alles ist geblieben wie vorher. Zwei Punkte Rückstand auf die Spitze, vier Punkte Polster auf Platz drei – der Heimniederlagen in Weißenfels und Crailsheim sei dank.
Egal wie das Tabellenbild am Ende aussieht, den Knights steht ein ereignisreiches Frühjahr ins Haus. Morgen Abend findet in Owen ein Treffen mit 57 Sponsorenvertretern statt, tags darauf sprechen die Klub-Oberen bei Kirchheims Oberbürgermeisterin vor. Die Zeit des Versteckspiels ist offenbar vorbei. Zwar bleibt der eingetroffene Lizenzantrag für die erste Liga in der Schublade, doch erstmals öffnet man unter der Teck ein vages Zeitfenster. Die Weichenstellung hat bereits begonnen, in fünf bis acht Jahren will man nach oben. Bis dahin soll hart gearbeitet werden. An einem professionellen Management, einer erstligatauglichen Nachwuchsarbeit und nicht zuletzt an den Voraussetzungen für eine adäquate Spielstätte.
„Wir können das Thema nicht länger totschweigen“, sagt Michael Schmauder, bei dem sich in den zurückliegenden Wochen Anfragen von Medienvertretern aus ganz Deutschland häuften, die allesamt wissen wollten, wie es in Kirchheim nun weitergeht. „Wir müssen uns positionieren und eine Perspektive vorgeben“, sagt Schmauder. „Das sind wir auch gegenüber unseren Sponsoren schuldig.“ Im Frühjahr soll deshalb bereits einiges in Bewegung kommen. Schon jetzt rechnen die Knights für die kommende Saison mit einer Etatsteigerung im zweistelligen Bereich.
