Tassy – so nennt ihn sein Boss Adam Schaechterle, Director of Tennis an der Pepperdine University. Oder „Tass“, wenn es noch schneller gehen muss. Schnell ging auch die Trainer-Karriere des 33-Jährigen aus Kirchheim, der jetzt zum Headcoach des Frauen-Programms an der renommierten Universität in Malibu in Kalifornien, nur 45 Autominuten von Downtown Los Angeles entfernt, ernannt wurde. An derselben Uni übrigens, wo ja auch der Kirchheimer Lasse Pörtner spielt und studiert.
So richtig überraschend war die Ernennung allerdings nicht. Schließlich hatten ihn die „Waves“, wie die Sportteams der Uni dort genannt werden, schon am 20. Dezember 2024 zum Interims-Headcoach des Frauen-Programms gemacht, nachdem er seit 2020 Assistant Coach bei den Männern war (der Teckbote berichtete) und sich in dieser Zeit einen exzellenten Ruf als Trainer, Talententwickler und Talentscout erarbeitet hatte. Obwohl er mit sechs Uni-Neulingen spielen musste, holte er die Meisterschaft der „West Coast Conference“, gewann 15 Spiele und erreichte die zweite Runde der Meisterschaft der amerikanischen Collegesport-Organisation NCAA.
Trotzdem zeigte sich Tassilo jetzt einigermaßen überwältigt: „Für mich ist es ein absoluter Traum, mit 33 Jahren als junger Coach die Leitung des Frauen-Teams zu übernehmen, das so viel Tradition in der Tennis-Szene hat.“
Vor fünf Jahren hatte das noch so geklungen: „Natürlich ist es ein Ziel von mir, Headcoach an einer Power-5-Universität zu werden.“ Pepperdine zählt derzeit zu den Top-25 im weiblichen College-Tennis, aber Tassilo sieht das als Durchgangszahl: „Wir wollen den positiven Trend fortsetzen und weiter nach vorne kommen.“ Die Spielerinnen dafür scheint er zu haben: „Unser Team ist sehr jung, bringt aber enormes Talent mit. Alle gehören zu den Besten ihres Jahrgangs.“ Das ist aber nur eine Seite der Medaille: „Für mich steht die individuelle Entwicklung der Spielerinnen im Vordergrund. Mit dem Anspruch, sie über vier Jahre hinweg gezielt und nachhaltig zu fördern.“
Gegen Profi-Karriere entschieden
Der Sohn von Karl Eberhard und Bärbel Schmid hatte sich ja früh, nach einem kurzen Versuch, gegen eine Profi-Karriere entschieden und alles auf die Karte College gesetzt. Eine perfekte Entscheidung. „Tassilo ist sehr selbstständig und extrovertiert“, weiß Mutter Bärbel, und offensichtlich passt sein Profil perfekt auf die US-College-Szene. Das weiß auch Adam Schaechterle, der von Anfang an zu seinen Förderern gehörte: „Ich bin begeistert und freue mich für Tass, dass er dieses neue Kapitel aufschlagen kann, und ich weiß, dass er eine neue Tennis-Kultur erschaffen wird.“
Und Bryan Shelton, Vater von Ben Shelton, der Nummer acht der ATP-Weltrangliste und früher Headcoach an der University of Florida, an der Tassilo seinen Business-Master gemacht hat, setzt noch eins drauf: „Ich denke, Tass ist einer der begabtesten Coaches, die wir im College-Tennis haben – und er arbeitet dazu extrem hart.“
Und wie geht es nun weiter? Tassilo Schmid hat seine Heimat wohl gefunden. Auf die Frage, ob er den Rest seines Lebens in den USA verbringen will, sagt er: „Genau das ist der Plan.“ Auch, weil es so eine Position, wie er sie hat, in Deutschland gar nicht gibt.
Man hört seine Begeisterung und sein Engagement heraus, wenn er über seine Aufgabe sagt: „Es gibt kaum etwas Schöneres, als mitzuerleben, wie sich eine Athletin über vier Jahre sowohl sportlich also auch persönlich weiterentwickelt und am Ende zusätzlich noch ihren Studienabschluss in der Tasche hat.“

