Die Fußballabteilung hat im neuen Jahr mehr Baustellen als ihr lieb ist
Teamwork tut not beim VfL

Der Fußball ruht. Winterpause bei Profis und Amateuren. Beim VfL Kirchheim herrscht hinter den Kulissen jedoch hektische Betriebsamkeit. Nach drei Trainerwechseln in der Vorrunde von Stefan Haußmann zu Ralf Rueff (1. Mannschaft), Björn Kluger zu Jens Roth (U 23) und Aleksandar Kalic zu Uwe Fechter (A-Jugend) plant die Fußballabteilung den nächsten großen Umbruch: Anstelle eines Jugendleiters soll sich künftig ein Sechs-Mann-Team um den Nachwuchs kümmern.

Kirchheim. Die Talentförderung liegt dem VfL besonders am Herzen. In Anbetracht der maroden Kassenlage ist das Ausbilden und Heranführen eigener Jugendspieler an den Kader der ersten Mannschaft die wichtigste Aufgabe und deshalb das erklärte Ziel der Abteilungsleitung. Nach dem Abgang von Jugendleiter Aleksandar Kalic zum TV Echterdingen planen die Verantwortlichen, die Jugendarbeit auf mehrere Schultern zu verteilen. „Vier Leute werden sich mit der administrativen Arbeit befassen, zwei mit der sportlichen. Einer von ihnen wird das Sagen haben“, erläutert Abteilungsleiter Fabian Preuß. Namen möchte er noch nicht nennen. Nur so viel: Fünf Kirchheimer werden diesem Gremium angehören, ein Mitarbeiter stößt von auswärts dazu. Preuß: „Wir haben mit den Leuten gesprochen, möchten aber das Konzept noch einmal durchgehen, bevor wir das Team bis Ende Januar der Öffentlichkeit vorstellen.“

Die Umorganisation scheint dringend notwendig, denn seit der Neuausrichtung der Abteilung bei der Hauptversammlung hat sich in kurzer Zeit im Personalwesen schon wieder viel verändert. Neben den genannten Trainern blieben auch die beiden Teammanager Benito Drechsler und Alexander Capano sowie D2-Trainer Alex Hecht auf der Strecke. Weitere Abgänge zeichnen sich ab. So steht Klugers Nachfolger Jens Roth als Trainer der U 23 in der Bezirksliga offenbar vor dem Absprung. Das jedenfalls hat er Freunden anvertraut.

Abnehmend wie die Zahl der Mitarbeiter ist auch die der A-Jugendspieler. 43 standen im Sommer auf dem Papier, von denen durchschnittlich 30 regelmäßig im Training standen. Zuletzt waren es kaum mehr als 20. Die Reihen dürften sich weiter lichten. So fallen in der Rückrunde drei auswärtige Spieler weg, die bisher eine Fahrgemeinschaft mit Trainer Kalic (wohnt in Rommelshausen) bildeten. Sie haben nun keine Möglichkeit mehr, nach Kirchheim zu kommen.

Der Spielermangel führt dazu, dass die U 23 und die A 2 auf der Kippe stehen. „Diese Mannschaften sind unsere Sorgenkinder. Wir denken angestrengt darüber nach, wie wir sie stabilisieren können“, sagt Preuß. Um die Runde zu Ende spielen zu können, sollen mehr noch als bisher A-Jugendliche in der Bezirksliga, Spieler der U 17 und U 16 bei der A 2 aushelfen. Unter der hohen Fluktuation – allein die A-Jugend hat mit Uwe Fechter bereits den vierten Trainer innerhalb von eineinhalb Jahren – leiden Kommunikation, Organisation und Zusammenhalt innerhalb der Abteilung.

Diese Defizite wiederum führten im Laufe der Vorrunde zu einer Anhäufung von Pleiten, Pech und Pannen. „Der VfL ist keine Familie mehr“, bedauert Norbert Krumm, sportlicher Leiter bei den Frauen und Vereinsmitarbeiter beim VfL seit 1966. Krumm wollte dem VfL zwei 17-jährige Talente aus Bosnien-Herzegowina vermitteln, beides Auswahlspieler ihres Landes. Sie verbrachten eine Woche in Kirchheim und trainierten zweimal mit. Janusz Szuta, DFB-Stützpunkttrainer für den Nachwuchs, war begeistert: „Sie haben Qualität und wären für uns wie ein Weihnachtsgeschenk gewesen.“ Zumal sie dem VfL keine Kosten verursacht hätten, wie Krumm versichert.Doch die Geschichte scheint im Sande zu verlaufen. Vergeblich warteten die Jungs auf ein klärendes Gespräch mit der Abteilungsleitung und fuhren enttäuscht nach Hause. Ob sie jemals wiederkommen, ist fraglich. Dazu Fabian Preuß: „Es sind vier Mann vom VfL mit der Sache betraut. Die Abteilungsleitung hat sich bewusst aus der Sache herausgehalten. Erst, wenn ein ganzes Paket geschnürt ist, greifen wir ein.“

Ein anderes Manko sind die vielen Geldstrafen für den VfL. Allein 1 100 Euro hat sich die Jugend eingehandelt. Ursachen waren unter anderem Rote Karten oder fehlende Spielerpässe. So hat ein B-Jugendlicher unbefugt in einer Woche dreimal für zwei verschiedene Vereine gespielt, was vom WFV mit einer Geldstrafe von 260 Euro geahndet wurde. Der Bezirksligamannschaft wurden drei Punkte abgezogen, weil ein Jugendspieler in Faurndau zwei Tage vor seinem 18. Geburtstag in der U 23 eingesetzt wurde, was nicht erlaubt ist. Dabei hätte der abstiegsbedrohte VfL die Punkte dringend gebraucht.

300 Euro kostete ein anderer Fall. Vor einem Freundschaftsspiel der U16 an der Jesinger Allee weigerten sich die Stuttgarter Kickers, einen vorschriftsmäßigen Spielberichtsbogen auszufüllen. Wohl, weil zwei Jungs nicht spielberechtigt waren. Kein Spielberichtsbogen, kein Spiel. Der Schiedsrichter sagte die Partie ab und fuhr wieder weg. Die beiden Trainer einigten sich, trotzdem zu spielen – ein Fauxpas mit Folgen. Ein Anruf führte den Verband auf die Spur. Der Schiri kam zurück und überzeugte sich persönlich von der Verfehlung. Wie sich später herausstellte, hatte ausgerechnet ein dem Verein nahe stehender Kirchheimer den VfL angeschwärzt.

Selbst die erste Mannschaft blieb von Missgeschicken nicht verschont. Zum Auswärtsspiel in Bietigheim packte der Betreuer zwei farbverwandte Trikotsätze in den Koffer, einen Blau-Weiß, den anderen Weiß-Blau. Die Gastgeber – sie haben immer die erste Wahl – wollten unbedingt in Blau spielen. Zweimal Blau war für den Schiri jedoch einmal zu viel. Ein U23-Spieler musste sich mit gelben Trikots von Kirchheim aus auf den Weg machen, bevor die Verbandsliga-Partie in Bietigheim mit einstündiger Verspätung angepfiffen werden konnte.

Lässt sich dieser Vorfall notfalls noch mit einem Lächeln abtun, so schädigen Episoden der geschilderten Art das Image des Vereins. „Solche Sachen müssen vermieden werden. Deshalb brauchen wir ein Team, das funktioniert“, sagt Fabian Preuß. Das zu installieren und dauerhaft in die richtigen Bahnen zu lenken ist für ihn und seinen Doppelpartner Frank Sedlmayer an der Spitze der Abteilung die besondere Herausforderung im neuen (Fußball-)Jahr.