Basketball
Toni Dorn: Der große Blonde mit der Wassertonne

Der Center der Knights passt nicht nur wegen seiner Maße in keine Schublade. Unterm Korb könnte der 21-Jährige ein Riese werden.

Mit 2,13 Metern Körpergröße und 117 Kilo ist Toni Dorn unterm Korb eine imposante Erscheinung. Seit Jahresbeginn zeigt auch seine Leistungskurve steil nach oben. Foto: Nina Sander

Er ist wohl einer der wenigen in seinem Sport, die keine Playstation besitzen. Ein Spätberufener, der erst mit 14 Jahren Basketball für sich entdeckt und als Nordlicht im schwäbischen Ulm ein Stück Sportgeschichte mitgeschrieben hat: Toni Dorn hat einiges schon erlebt mit seinen 21 Jahren. In seiner zweiten Saison in Kirchheim scheint der 2,13 Meter große Center der Knights den nächsten Karriereschritt ins Auge zu fassen. 

Im Sommer 2023 galt er als die vielleicht spannendste Personalie im neuen Team von Igor Perovic. Mit der Erfahrung von fünf BBL-Spielen unter Ulms Meistercoach Anton Gavel waren große Hoffnungen an den blonden Hünen aus dem holsteinischen Elmshorn geknüpft. Der Start verlief dann so, wie er für einen Spieler seines Alters nicht ungewöhnlich ist: mit Leistungsschwankungen. Dorn spielte eine starke Hinrunde, war Youngster des Monats in der Pro A, gegen Ende der Saison und in den anschließenden Play-offs aber plötzlich kein Faktor mehr im Team der Kirchheimer. Im Januar 2025 hat sich das schlagartig geändert. Mehr als 20 Minuten pro Spiel hat er seit Januar auf dem Spielfeld gestanden, seine Punktebilanz in den ersten sechs Spielen des Jahres: durchweg zweistellig.  Die 16 Zähler und 15 Rebounds Anfang Februar gegen Koblenz waren sein bisheriger Bestwert im Knights-Jersey. 

Ich passe nicht so recht ins Raster.

Toni Dorn über sich selbst

Die veränderte Statik im Kirchheimer Gefüge spielt Dorn in die Karten. Nach dem Abschied von Liga-Topscorer Mike Flowers hat er mit Braden Norris einen echten Playmaker an seiner Seite. „Erfolg als Center ist immer auch eine Frage, wer einen wie in Szene setzt,“ sagt Toni Dorn über seinen 1,83 Meter kleinen Arbeitskollegen, mit dem er sich nicht nur die Wohnung, sondern auch die beste Zweier-Quote in der Mannschaft teilt. Der Größte und der Kleinste im Team – beide gelten als ruhige, introvertierte Typen. Zwei, die sich auch privat ganz gut ergänzen.

Selbstoptimierung ist Dorns Antwort auf die Frage, womit er sich in seiner Freizeit am meisten beschäftigt. Psychologie, Meditation, Atemübungen, Ernährung – das volle Programm. Auch die riesige Wassertonne auf seinem Balkon, in die er bei Minusgraden taucht, ist Teil davon. Was ihm durch den Kopf geht, schreibt er nieder. An jedem Ort, zu jeder Zeit. Ein kleines Notizbuch ist deshalb sein ständiger Begleiter. Gedanken, die man ablegt, bleiben, aber sie belasten nicht mehr. „Ich passe nicht so recht ins Raster,“ sagt Dorn über sich selbst. Wenn er soziale Kontakte pflegt, dann wurzeln sie tief und sind von Dauer. „Basketball hat viel mit Vertrauen zu tun,“ sagt er. Und zu Vertrauen gehören Menschen, denen man es schenkt. Sein wichtigster Förderer aus Jugendtagen in Elmshorn oder Chris Ensminger, sein langjähriger Mentor in Ulm.

Wo andere in erster Linie Konkurrenz wittern, sucht Dorn den Mehrwert. Seit Yasin Kolo in Kirchheim ist, sagt Dorn, „läuft vieles super.“ Dabei ist der 32-jährige Neuzugang mit deutschem Pass auf der Fünf einer, der Spielanteile für sich reklamiert. Dorn aber sagt: „Von seiner Erfahrung kann ich eine Menge lernen. Zudem ist er ein sehr angenehmer Mensch.“ 

Angenehm ist auch das, was er als sein Umfeld in Kirchheim beschreibt. Angenehm, aber eben keine Perspektive für einen, der weiterkommen will. Nach dieser Saison wird Schluss sein unter der Teck. Er könnte sich vorstellen, in die USA ans College zu wechseln, sein bereits begonnenes Psychologie-Studium zu vertiefen und nebenbei Geld als Spieler zu verdienen. Seit Sportler in der NCAA als Arbeitnehmer gelten, ist neben den Verdienstmöglichkeiten auch das sportliche Niveau gestiegen. Sein Ziel bis dahin: mit den Knights die Play-offs erreichen und das eigene Skillset verbessern. Seine größte Stärke ist seine physische Präsenz, die vielleicht größte Schwäche: seine Foulanfälligkeit, die für ausgebuffte Gegner oft wie eine Einladung wirkt. 3,3 Fouls leistet er sich im Schnitt. Mehr Pfiffe kassiert sonst keiner im Team. Dann gibt es noch den Toni Dorn, den nicht jeder kennt. So trocken wie die Wiesen in Elmshorn, seit dort nach der Sturmflut vor mehr als sechzig Jahren ein Sperrwerk errichtet wurde, ist sein nordischer Humor. Sein Distanzwurf sei das, woran er am härtesten arbeite, verrät er. Einen von zwei Versuchen hat er in dieser Saison verwandelt – eine 50-prozentige Quote. Sein Dreier sei eigentlich seine Geheimwaffe. „Doch noch ist die Zeit dafür nicht reif.“