Fünf Wochen Sommerpause liegen hinter der Mountainbikerin Kira Böhm (Cube Factory), für den frisch gebackenen Deutschen Meister Luca Schwarzbauer (Canyon CLLCTV) sogar noch eine Woche mehr: Am Wochenende startet der Weltcup-Zirkus mit den Rennen im französischen Les Gets in seinen letzten, aber intensiven Wettkampfblock der Saison.
Bereit für die Höhe
„Nach der Deutschen Meisterschaft in Wombach war ich komplett leer“, gesteht Schwarzbauer, der deswegen auf eine Teilnahme bei der Europameisterschaft in Portugal verzichtete. Kira Böhm nahm diese noch mit, ehe auch sie Erholung suchte. Doch beide Vollblutprofis ließen nicht ihre geschundenen Beine am Strand von Rimini im Meer baumeln, sondern begannen nach einer kurzen Ruhepause mit einem erneuten Aufbautraining für die kommenden Aufgaben. Denn gerade die nächsten Rennen warten mit einer besonderen Herausforderung auf die Athletinnen und Athleten: sie alle finden in Regionen über 1.000 Meter Höhe statt, wo die Luft schon merklich dünner wird, vor allem für Ausdauerathleten, die sich rund eineinhalb Stunden über Stock, Stein und einige Höhenmeter quälen müssen.
Auftakt ist an diesem Wochenende der Weltcup in Hochsavoien, also den französischen Alpen westlich des Schweizer Rhonetals im ehemaligen WM-Austragungsort Les Gets auf rund 1.000 Metern über dem Meer. Zwei Wochen später wird 65 Kilometer weiter östlich, auf 1.500 Metern Seehöhe die Weltmeisterschaft im Schweizer Skiort Crans-Montana ausgetragen. Sie ist damit Teil des diesjährigen Konzepts, fast alle Mountainbike-Disziplinen binnen zwei Wochen im Schweizer Kanton Wallis auszutragen. Den Abschluss der europäischen Weltcup-Saison bildet dann eine Woche später (19 bis 21. September) der traditionsreiche Weltcup auf der Lenzerheide in Graubünden, ehe der Weltcup-Tross für die letzten beiden Rennen der Saison an amerikanische Ostküste, nach Lake Placid (USA) und Mont Saint Anne (Kanada) wechselt.
Motto: Kraft sammeln
Kein Wunder also, dass Böhm und Schwarzbauer den August nutzten, um Kraft zu sammeln und zu versuchen, das Leistungslevel weiter nach oben zu schrauben. Ein Ansatz dafür ist auch das Höhentraining – zum einen, um sich schon früh an die Rennen in der dünnen Luft zu gewöhnen, aber auch, um gezielt unter Sauerstoffmangel zu leben, um die Hämoglobinproduktion im Körper auf natürliche Weise anzuheben.
Beide verfolgten dabei unterschiedliche Konzepte: Während Kira Böhm viel Zeit in den Alpenorten Livigno und St. Moritz verbrachte, um dort gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten zu trainieren, zog Luca Schwarzbauer die schwäbische Heimat vor, spulte sein Trainingsprogramm auf der Alb ab und schlief nachts in einem sogenannten Höhenzelt, bei dem der natürliche Sauerstoff durch ungefährlichen Stickstoff verdrängt wird, sodass auch dort zumindest über Nacht eine geringere Sauerstoffkonzentration herrscht. Erst, als die Nächte in dem weitestgehend dichten Zelt zu warm wurden, suchte auch Schwarzbauer für ein paar Tage die Kühle der Höhe im österreichischen Kühtai auf rund 2.000 Meter Höhe: „Ich wollte nicht so weit reisen, und auch dort habe ich gute Trainingsmöglichkeiten“, sagte der 28-Jährige, der erstmals in seinem Sportlerleben ein Höhentrainingslager absolvierte – und entsprechend gespannt ist, wie sich der nächtliche Sauerstoffentzug auf seine Leistungsfähigkeit in den kommenden Wochen auswirkt.
Auch zum Ende des Höhentrainings haben die beiden Teckbiker unterschiedliche Konzepte verfolgt: während Böhm erst am Mittwoch aus St. Moritz direkt nach Les Gets anreiste, wählte Schwarzbauer die Variante, sich ein paar Tage Ruhe vor dem Weltcup zu gönnen.
Strecke unverändert
Die Strecke in Les Gets hat sich kaum zu den Vorjahren geändert, auch die Ziele der beiden Protagonisten blieben die gleichen: während Kira Böhm im Shorttrack am Freitagabend (Start: 18 Uhr) einen guten Startplatz für das Rennen über die olympische Distanz am Sonntag (13) erreichen will, um endlich ihr Saisonziel, unter die Top 15 der Welt zu kommen, sind die Ziele von Schwarzbauer ein wenig höher: In den Vorjahren erreichte er im Shorttrack die Plätze drei und vier, im Cross-Country Platz sieben.