Weilheim. Ist der TSV Weilheim in dieser Saison so gut, oder die Liga so schlecht? Wer den TSVW seit dem Aufstieg in die siebthöchste Spielklasse vor drei Jahren beobachtet hat, sucht nach möglichst einfachen Erklärungen für den überraschenden zweiten Platz nach der Hinrunde. Zumal die Limburgstädter in der vergangenen Saison bekanntlich erst via Relegation den Klassenerhalt schafften.
Die Wandlung vom Kellerkind zum Überflieger innerhalb nur eines halben Jahres ist neben der Tatsache, dass die Weilheimer bislang weitestgehend von Verletzungen verschont geblieben sind, vor allem der qualitativen Verbesserung des Kaders vor Saisonbeginn zu verdanken. „Wir können Ausfälle nun besser gleichwertig ersetzen als in den Vorjahren“, freut sich der sportliche Leiter, Günther Friess,
Im Zuge des jüngsten Erfolgs sehen sich die Weilheimer aber erstmals auch mit argwöhnischen Vermutungen über die wahren Gründe ihrer sportlichen Schlagkraft konfrontiert. Ohne einen potenten Geldgeber wie Stahlfabrikant Rudi Lechner aus Dürnau seien hochkarätige Neuzugänge wie Michael Zimmermann oder Michael Schweizer kaum nach Weilheim gekommen, unken Neider. Der neue Trikotsponsor des TSVW hätte zuvor ja jahrelang den FC Eislingen finanziell unterstützt, der seit Lechners Rückzug kaum zufällig in die Bezirksliga abgestiegen sei, heißt es. „Was Rudi Lechners Unterstützung bei uns angeht, machen sich viele falsche Vorstellungen“, wehrt Günther Friess ab, „das sind bei Weitem nicht die Summen wie in Eislingen.“ Im selben Atemzug betont der sportliche Leiter, dass man beim TSVW sponsorentechnisch durchaus breit aufgestellt sei. „Wir setzen lieber auf viele kleine Geldgeber, als auf einen einzigen großen“, so Friess.
Gleichzeitig setzen sie in Weilheim nach wie vor auch auf den eigenen Nachwuchs. „Wir versuchen immer, einen oder zwei Spieler aus der Jugend hochzuziehen“, sagt Friess. Dass für einige der Sprung in die Landesliga zu groß ist, liegt in der Natur der Sache, wie der Abgang des Weilheimer Youngsters Kevin Milosevic zur TG Kirchheim im Winter zeigt. „Wir haben aber noch genügend Weilheimer im Kader“, sagt TSVW-Trainer Alexander Hübbe, der auf eine Durchlässigkeit zwischen Jugend- und Aktivenbereich sowie innerhalb der aktiven Teams großen Wert legt. „Es werden keinem Spieler aus der zweiten Mannschaft Steine in den Weg gelegt. Für die erste kann sich jeder empfehlen“, so Hübbe.
Für die am Sonntag mit dem Spiel gegen den VfR Aalen II beginnende Rückrunde hegen die Verantwortlichen bescheidene Wünsche. „Wenn wir die momentane Position halten können, sollte man sehr zufrieden sein“, so Hübbe, der sein Team bei Weitem nicht als Aufstiegskandidaten sieht. Klammheimliche Träume von einem entscheidenden Relegationsmatch ums letzte Verbandsligaticket gegen den VfL Kirchheim hat unter der Limburg ohnehin niemand. „Manchmal hab‘ ich das Gefühl, dass die Leute in Weilheim schon damit zufrieden sind, dass man nicht wieder so eine Zittersaison wie letztes Jahr hat“, so Hübbe, der sich einfach nur auf die restlichen 16 Spiele freut: „Momentan klemmt‘s nirgends, es muss auch nichts besser werden“, frohlockt er, „wenn die Spieler weiter so gut mittrainieren wie bisher, wird sich automatisch jeder Bereich verbessern.“
