Fußball: Morgen steigt in Kirchheim das WFV-Pokalfinale zwischen Heidenheim und Gmünd
Um Pokalehre und Fernsehgelder

Württemberg sucht die Fußballstars, und das in Kirchheim: Morgen Abend (Anpfiff 19 Uhr) ist das Stadion an der Jesinger Allee Austragungsort des Endspiels um den WFV-Pokal zwischen Drittligist FC Heidenheim und Oberligavertreter Normannia Gmünd. Dem Sieger winkt neben dem Einzug in den DFB-Pokal eine hübsche Stange Geld. Darauf spekuliert auch Ausrichter VfL Kirchheim.

Kirchheim. David gegen Goliath, Oberliga gegen dritte Liga, Amateure gegen Profis – Synonyme für das morgige Match gibt‘s viele. Offiziell lautet der Terminus der auf 19 Uhr angesetzten Entscheidungspartie um den württembergischen Verbandspokal 1. FC Heidenheim 1846 gegen 1. FC Normannia Gmünd.

Die Rollen vor dem ostwürttembergischen Prestigeduell sind klar verteilt. „Heidenheim ist haushoher Favorit“, sagt Gmünds Sprecher Claus-Jörg Krischke, der für seine Normannen das altbewährte Underdog-Motto entdeckt. „Wir haben keine Chance“, so der Funktionär, „also nutzen wir sie.“ Die Hoffnung auf einen Gmünder Pokalcoup wird durch den eigenen 4:1-Sieg im Oberligaheimspiel gegen Walldorf am Samstag und den Auftritt der Heidenheimer im Halbfinale vor zwei Wochen in Göppingen genährt. „Wenn die gegen uns so spielen wie gegen Göppingen, können wir uns durchaus etwas ausrechnen“, spielt Krischke auf den glanzlosen 1:0-Erfolg des Drittligisten in der Vorschlussrunde an.

Vieles spricht jedoch dafür, dass sich die Profis von der Ostalb übermorgen am Riemen reißen werden. „Für uns hat der Pokalsieg einen unheimlich hohen sportlichen Stellenwert“, betont FCH-Geschäftsführer Holger Sanwald, „so einen Titel kann dir keiner mehr nehmen.“ Die Heidenheimer bekommen jedoch auch aus anderer Richtung Druck. Da ein Platz unter den Top vier der 3. Liga, der die automatische Qualifikation für die erste Runde des DFB-Pokals bedeutet hätte, nicht mehr erreicht werden kann, muss der aktuelle Tabellenachte das Endspiel in Kirchheim gewinnen, um kommende Saison an die Fleischtröge des DFB-Pokals zu gelangen.

An denen kann sich ein vergleichsweise solide wirtschaftender Club wie der FCH nicht minder satt(fr)essen wie Normannia Gmünd: Stolze 100 000 Euro Fernsehgelder sind bei Erreichen der ersten DFB-Pokalrunde gesichert – da holt man den Pott auf WFV-Ebene doch gleich nochmal so gerne. „Klar ist das Geld, das auch wir gut gebrauchen können“, so Sanwald. Übrigens: Gelingt einem im ersten Spiel des DFB-Pokals eine Sensation, gibt‘s für das Zweitrundenmatch schon 250 000 Euro.

Einen warmen Regen für die Vereinskasse verspricht sich übrigens auch Finalausrichter VfL Kirchheim, der neben sämtlichen Catering-Einnahmen auch zehn Prozent der Eintrittsgelder behalten darf. Angesichts der erwarteten 2 500 Zuschauer – laut Krischke 150 aus Gmünd, laut Sanwald 1 500 aus Heidenheim, der Rest aus Kirchheim und Umgebung – ein willkommenes Zubrot für die Teckstädter, die jedoch auch einen im Vergleich zu Oberligaheimspielen höheren Aufwand betreiben müssen. „Wir öffnen vier Kassen, stellen 15 eigene Ordner und müssen auch bei der Verpflegung anders kalkulieren“, sagt Geschäftsführer Walter Rau, der eine organisatorische Sorge immerhin schon los ist: Der ramponierte Rasen ist in einem vergleichsweise guten Zustand. „Er ist schön zugewachsen und gemäht.“

Ein Umstand, der nicht zuletzt den 23. Mann auf dem Platz freuen wird – der Finalschiedsrichter gilt bereits im Vorfeld als prominentester Akteur: Knut Kircher, Pfeifenmann der FIFA aus Rottenburg, wird die Partie am Mittwochabend mit seinen Assistenten Volker Wezel (Tübingen) und Jan-Hendrik Salver (Stuttgart) über die Bühne bringen – ein erfahrenes Trio, das seinen Höhepunkt bei der Leitung des DFB-Pokalfinals 2008 zwischen Borussia Dortmund und Bayern München erlebte.

Brisanz erfährt das morgige Pokalduell nicht nur durch den Umstand der geografischen Nachbarschaft. Die Finalrivalen verbindet mehr, als die 40 Kilometer Entfernung trennen. So stieg Heidenheim ausgerechnet unter dem heutigen Normannia-Coach Helmut Dietterle vor sieben Jahren aus der Verbands- in die Oberliga auf, darüber hinaus wechselten in der Vergangenheit unzählige Spieler zwischen beiden Clubs hin und her. „Da steckt durchaus mehr Brisanz drin, als gegen einen anderen Gegner“, sagt Heidenheims Holger Sanwald, der an Pokalvergleiche mit Oberligavertretern nicht allzugerne zurückdenkt: In den vergangenen beiden Jahren scheiterte der FCH jeweils mit 0:1 im Halbfinale an einem Fünftligisten, 2010 an Illertissen, 2009 an Großaspach.

Nichtsdestotrotz schätzt Gmünds Claus-Jörg Krischke die Chancen auf einen Normannia-Erfolg nüchtern ein. „Es bedarf einer Sensation, um zu gewinnen.“