Kirchheim. Es war ein Wetter, bei dem man sprichwörtlich keinen Hund vor die Tür jagen würde. Einer tat es doch, und so verdienten sich ein reichlich kurzbeiniger Vierpföter samt Herrchen beim Erreichen des Burgportals einen Sonderapplaus des Publikums. Den erhielt auch Jutta Krehl, die dafür allerdings erst gar nicht auf die Strecke zu gehen brauchte. Die Leiterin des Lauftreffs reichte nach zehn Jahren den Stab an ihren Nachfolger Alexander Rehm weiter. Für sie und weitere langjährige Helfer im Organisationsteam gab es zur 30. Auflage des Kirchheimer Silvesterlaufs vor dem Start einen Strauß Rosen von Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker. Die griff danach wie immer mit ruhiger Hand zum Revolver, um die unruhige Meute Punkt 15 Uhr mit dem Glockenschlag der Rathausuhr von der Leine zu lassen. 462 Starter, das war angesichts des miserablen Wetters die eigentliche Überraschung zum Jahresausklang. Deutlich mehr als im Vorjahr und nur 76 Teilnehmer unter der Rekordmarke von 2006.
Rasch Boden gutmachen, um als einer der Ersten am Einstieg zum berüchtigten „Ho-Chi-Minh-Pfad“ zu sein. Die goldene Tecklauf-Regel fiel diesmal besonders ins Gewicht. Im wahrsten Sinne, denn auch geübte und mit superleichtem Schuhwerk ausgestatte Läufer hatten ihren Materialvorteil schnell eingebüßt. Am Ende des Asphaltbandes überm Guckenrain wartete tiefer Morast, der die Füße mit jedem Schritt schwerer werden ließ. Zwei Schritte vor, einen zurück – erfahrene Teckläufer kennen das. Erst recht, wenn kurz vor dem Ziel mit Eis und Schneematsch die letzte schwere Prüfung wartet.
Hochgekommen sind sie am Ende alle, und ein kleines Grüppchen war besonders stolz: Alexander, Lukas, Carola, Chantal, Lara, Jakob und Lena – die sieben waren nicht nur die mit Abstand Jüngsten im Feld, sondern in ihren orangefarbenen T-Shirts auch ein willkommener Farbtupfer im tristen Dezembergrau. „Fit für die Zukunft“, so das Motto der Fünft- und Sechstklässler der Hauptschule Lenningen, die sich seit Wochen mit ihrer Lehrerin auf diesen Tag vorbereitet hatten. Dass sie im Premierenjahr auf die volle Distanz noch nicht durften, schmälerte das Erfolgserlebnis in keiner Weise. Schließlich hatten zwei der Zehn-und Elfjährigen vom Start auf dem Guckenrain den schwierigsten Streckenteil absolviert.
Mit trockener Kleidung und heißen Getränken versorgt, stand für einen Teil der Läufer nach Erreichen der Teck der direkte Heimweg auf dem Programm. Die Mehrheit ließ sich den Lohn der Mühe jedoch nicht nehmen. Eskortiert von Fackelläufern des Lauftreffs ging es wie immer die letzten Meter hinab zum Rathaus, wo unter den Arkaden Tee, Glühwein und Gebäck auf die Rückkehrer warteten. Spätestens dort waren alle Qualen vergessen, und die lange Silvesternacht dürfte für manch einen mit einem heißen Bad in der Wanne begonnen haben.
