Dettingen. Der Sekt ist noch nicht kaltgestellt und trotzdem stellt man sich beim TTV Dettingen am Samstagabend auf die große Sause ein. Immerhin winkt den Oberliga-Volleyballerinnen aus der Schlossberggemeinde bei einem 3:0- oder 3:1-Sieg über den Tabellensechsten aus Backnang vorzeitig die Vizemeisterschaft in der fünfthöchsten deutschen Spielklasse. „Wir wollen das in heimischer Halle klarmachen und dann feiern“, sagt Teamsprecherin Kerstin Schröder vor dem Match, das am Samstag um 20 Uhr in der Dettinger Sporthalle beginnt.
Zum größten Erfolg der Vereinsgeschichte fehlen nur noch drei Punkte. Zwei Spieltage vor Saisonende haben die zweitplatzierten TTV-Frauen vier Punkte Vorsprung auf Verfolger MTV Ludwigsburg, dessen Trainerin sich trotzdem kämpferisch gibt. „Die Hoffnung stirbt zuletzt“, sagt Anja Schanz, die allerdings weiß, dass den Barockstädtern wohl nur noch ein Volleyballwunder zum Vizetitel verhelfen kann. Der MTV muss für Platz zwei nicht nur seine beiden letzten Spiele gegen die SG Nürtingen/Wernau und die TSG Backnang jeweils mit 3:0 oder 3:1 gewinnen, um so dank der maximal möglichen sechs Zähler auf 35 Punkte im Endklassement zu kommen. Gleichzeitig dürfte der TTV aus den beiden letzten Partien nur einen Punkt holen oder zweimal 1:3 oder 0:3 verlieren. „Wenn es nicht klappen sollte, geht für uns die Welt nicht unter“, betont Anja Schanz, „wir zahlen selbst, haben keinen Sponsor. Warum sollten wir und da unnötig Druck machen?“
Dass ähnliche Töne auch aus dem Dettinger Lager zu hören sind, macht die Situation im Amateurvolleyball deutlich: Ohne potente Geldgeber ausgestattet, zahlen die meisten Mannschaften die meisten Kosten aus eigener Tasche.
Umso bemerkenswerter, dass Dettinger und Ludwigsburger für den Fall des zweiten Platzes jeweils für die Aufstiegsspiele zur kostenintensiveren Regionalliga gemeldet haben. Bei einem Sieg nach Hin- und Rückspiel gegen den Vizemeister der Oberliga Baden würden in der vierthöchsten Spielklasse deutlich höhere Start- und Schiedsrichtergelder warten, von den Fahrtkosten zu den weiter weg gelegenen Auswärtsspielen ganz zu schweigen. „Wir reden von ungefähr 2 000 Euro Mehraufwand“, rechnet Kerstin Schröder, die jedoch nur allzu gut um die Schwierigkeit der Sponsorensuche weiß. „Kaum jemand ist bereit, in eine Randsportart wie Volleyball zu investieren.“
Auf die Dettingerinnen käme im Fall der Fälle erschwerend ein Trainerproblem zu. Da der langjährige Übungsleiter Wolfgang Babinger nicht die vom Verband für die Regionalliga geforderte B-Lizenz besitzt, müssten die TTV-Frauen von einem externen Coach betreut werden, der wohl nur gegen Bezahlung unter die Teck käme. Und auf eine Übergangsregelung, die Babinger ausnahmsweise den Trainer-Job retten könnte, will in Dettingen niemand setzen – allein der Antrag beim Verband kostet 500 Euro, ein positiver Bescheid wäre damit aber noch nicht gewährleistet.
Allerdings sieht es momentan ohnehin nicht danach aus, als ob der Sieger des Duells zwischen den Oberligavizemeistern aus Württemberg und Baden überhaupt aufsteigen kann. „Die Aussichten sind eher gering“, sagt Regionalspielwart Wolfgang Hörmann. Grund: Da mit dem FV Tübingen eine Mannschaft definitiv aus der dritten Liga in die Regionalliga absteigen wird, ist dort für kommende Saison kein Platz mehr frei. „Nur wenn ein Verein sein Team aus der Regionalliga zurückzieht, könnte ein Oberligavizemeister nachrücken“, so Hörmann, der den teilnehmenden Vereinen die Entscheidung über Termin und Austragung der beiden Aufstiegsspiele selbst überlässt.
Diese müssen laut Statuten allerdings bis spätestens 10. Mai über die Bühne gegangenen sein. Ob ein für die Regionalliga vorgesehenes Team bereits so früh seinen Startverzicht für die im Herbst beginnende Saison bekannt geben würde, ist unwahrscheinlich. So könnte es für die Dettinger im Fall der Vizemeisterschaft gegen den badischen Vertreter zu einem Spiel um die Goldene Ananas kommen, dessen Sieger nicht aufsteigen könnte.
„Wir würden die beiden Spiele trotzdem mitnehmen“, sagt Wolfgang Babinger, „so eine Erfahrung kann nie schaden.“ Allerdings muss der Trainer, der auch TTV-Abteilungsleiter ist, für den Fall der Fälle zweigleisig planen. „Wir halten Ausschau nach neuen Spielerinnen, einem Trainer mit B-Lizenz und klopfen bei potenziellen Sponsoren an“, sagt Babinger.
Auch wenn der zweite Platz am Ende kein Hintertürchen zur Regionalliga öffnen würde, ist die Stimmung im Dettinger Lager vor den letzten beiden Spielen gut. „Dieses Hickhack trübt die Freude bei uns nicht“, betont Kerstin Schröder, „wir wollen einfach nur unseren Spaß haben und gewinnen. Wenn wir am Ende Zweiter werden, ist das ein Wahnsinnserfolg. Schließlich war unser Saisonziel der Klassenerhalt.“
