Sportstätten in Kirchheim
Unternehmer sammeln Unterschriften für den Hallenneubau

Über 50 Unternehmer aus Kirchheim und Umgebung machen sich für den Bau einer Halle für den Schul- und Vereinssport stark. Veranstalter und Kulturschaffende fordern die „mittlere Variante“.

Benjamin Boger am Ort einer möglichen neuen Halle: Der Initiator der Unterschriftenaktion präsentiert das Schreiben auf dem Parkplatz des Schlossgymnasiums. Foto: Peter Eidemüller

Dass Kirchheim rein rechnerisch knapp zwei Hallen für den Vereins- und Schulsport fehlen, ist bekannt. Dass sich nun über 50 Unternehmen aus der Region für einen Neubau stark machen, ist neu. Mit einer Unterschriftenaktion wollen die Gewerbetreibenden auf die Notwendigkeit einer weiteren Sportstätte in der Teckstadt hinweisen. „Wir wollen eine Bewegung schaffen, die sich dafür auf breiter Front stark macht“, betont Benjamin Boger, Geschäftsführer der Entsorgungsfirma Areis aus Wolfschlugen und gebürtig aus Kirchheim, der dafür Ende November rund 80 Unternehmen in der Teckregion angemailt hatte und um die Rücksendung einer vorformulierten Erklärung bat.

Statements für den Gemeinderat

„Für jede Kommune ist ein Hallenbau ein Großprojekt, das schwer zu stemmen ist. Aber sollen deshalb unsere Kinder keinen Sport mehr machen können und Vereine keine Trainingsflächen mehr haben?“, heißt es in dem Schreiben, das mittlerweile mehr als 50 Unternehmerinnen und Unternehmer unterzeichnet haben. „Das soll als Denkschrift zur Priorisierung des Hallenneubaus dienen“, sagt Benjamin Boger, der die gesammelten Statements in den nächsten Tagen dem Gemeinderat übermitteln will. Dieser entscheidet in einer Klausurtagung Ende März über besagte Priorisierung von Großprojekten in Kirchheim.

 

Wir wollen eine Bewegung schaffen, die sich dafür auf breiter Front stark macht.

Benjamin Boger Der Initiator der Unterschriftenaktion für den Hallenneubau 

 

Die Argumentation der Unterstützer zielt dabei auch für die Außendarstellung der Stadt. „Vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels muss eine Kommune so attraktiv wie möglich sein“, weiß Benjamin Boger, „eine gute Versorgung im Bereich Schul- und Vereinssport ist da nicht zu unterschätzen.“ Der 42-Jährige aus Zell ist selbst Vater von drei Kindern, die eines Tages die weiterführende Schule in Kirchheim besuchen sollen. „Wir wollen, dass unsere Kinder und Vereine die Möglichkeit haben, in ausreichendem Maße Unterricht und Trainingseinheiten durchzuführen“, sagt Boger stellvertretend für seine Mitstreiter.

Einer davon ist Natale de Rosa, Geschäftsführer der Firma Maisch in Kirchheim. „Die Infrastruktur hier war noch nie so schlimm wie jetzt“, sagt der 37-Jährige, der den Kapazitätsbedarf über den Schul- und Vereinssport hinaus spannt. „Das betrifft ja auch Bereiche wie Kultur und Messen“, sagt er, der hofft, dass seine Unterschrift etwas bewirkt. „Der Gemeinderat soll merken, dass den Unternehmen das Thema am Herzen liegt.“

Ähnlich argumentiert Thorsten Diemer, Zahnarzt aus Kirchheim, der sich neben einer Sporthalle („Mein Sohn konnte beim VfL im Winter mangels Kapazitäten nur draußen trainieren“) eine Alternative für die seiner Meinung nach wenig attraktive Stadthalle wünscht. „Für die muss man sich ja zu Tode schämen“, sagt er, „wir haben in Kirchheim keine Location, in der Firmen Veranstaltungen mit mehr als 80 Leuten ansprechend umsetzen können.“

Eine Möglichkeit, alle Bedarfe zu decken, liegt dabei bekanntlich vor: Nachdem der Parkplatz des Schlossgymnasiums bereits als Standort vom Gemeinderat beschlossen ist, hängen die Kosten eines Hallenneubaus von der Ausstattung ab. Eine klassische Dreifeldhalle für 400 Zuschauer käme auf 15,8 Millionen Euro, eine Dreifeldhalle für 2700 Zuschauer auf 18,7.

Die so genannte „mittlere Variante“ findet nicht nur in der von Benjamin Boger organisierten Unternehmerschaft großen Zuspruch. Auch Veranstalter und Kulturschaffende aus Kirchheim wenden sich mit einer Unterschriftenaktion an den Gemeinderat. „Unsere Veranstaltungen leisten im Sommer einen wesentlichen Beitrag zur Attraktivität der Stadt“, heißt es in dem Schreiben. „Gleiches wollen wir auch mit einer neuen Halle erreichen und durch neue und innovative Veranstaltungskonzepte die Halle auslasten. Wir sind der Meinung, dass die in der Machbarkeitsanalyse angegebenen Daten zur Auslastung einer Halle mit bis zu 2700 Sitzplätzen inhaltlich zutreffend sind und durch unsere Nutzung abgedeckt werden.“

"Wertet Kirchheim auf“

Kein Geheimnis ist auch, dass diese Variante den Kirchheimer Zweitligabasketballern die Zukunft sichern würde. Ab der Saison 2028/29 entspricht die Sporthalle Stadtmitte als bisherige Spielstätte bekanntlich nicht mehr den Anforderungen der 2. Liga, der die Ritter seit 17 Jahren ununterbrochen angehören. „Die Knights sind in ganz Deutschland ein Aushängeschild für Kirchheim“, sagt Maisch-Geschäftsführer Natale de Rosa, der ebenso wie Zahnart Thorsten Diemer und viele andere Unternehmer bereit wäre, sich an der Finanzierung des Differenzbetrags zwischen klassischer Dreifeldhalle und mittlerer Variante zu beteiligen. „Die Bevölkerung weiß offenbar gar nicht, welchen Mehrwert so eine Halle in allen Bereichen hätte“, sagt Diemer, „das würde Kirchheim auf jeden Fall aufwerten und voranbringen.“