Kraft-Elf entdeckt in Villingen erst nach 0:2-Rückstand ihren Kampfgeist
VfL verschläft erste Hälfte

Der VfL Kirchheim hat die Chance verpasst, im Kampf um den dritten Tabellenplatz in der Fußball-Oberliga noch ein gewichtiges Wort mitzureden. Nach der 1:3 (0:2)-Niederlage beim FC 08 Villingen rutschen die Teckstädter auf Platz acht zurück.

Villingen. Es ist laut geworden in der Halbzeitpause in der Kirchheimer Kabine. VfL-Trainer Rainer Kraft war nach der schwachen Vorstellung seiner Mannschaft stinksauer: „Bis auf Benjamin Barth hatte ich bei keinem das Gefühl, dass er dieses Spiel unbedingt gewinnen wollte.“ Nach 45 Spielminuten lag der VfL bereits mit 0:2 in Rückstand. Schuld daran war nicht nur die spielerische Überlegenheit der Gastgeber, sondern auch einige grobe Schnitzer im Kirchheimer Spielaufbau. Die Elf von Rainer Kraft hätte schon nach zwei Minuten in Rückstand geraten können, hätte Torwart Benjamin Huber nach einem Freistoß von Jago Maric nicht glänzend reagiert. Beim darauffolgenden Eckball landete das Leder zwar im Tor, doch Villingens Angreifer Florian Rudy nahm bei der Aktion den Arm zur Hilfe und sah dafür von Schiedsrichter Philipp Traeder zu Recht die gelbe Karte.

Die Gäste zeigten sich wenig beeindruckt. Schon einige Minuten später hatte Abdulsamed Akin nach einer Flanke von Mike Baradel die Führung auf dem Fuß, er scheiterte jedoch aus kurzer Distanz an Villingens Keeper Daniel Miletic (6.). Danach hatte der VfL erneut Glück, als ein erneuter Fehlpass im Spielaufbau von den Gastgebern nicht genutzt wurde, denn Nedzad Plavci schoss knapp am Kirchheimer Tor vorbei (13.).

In dieser Phase lag das Villinger Führungstor förmlich in der Luft. Nach einer Unsicherheit in der Kirchheimer Hintermannschaft war es dann passiert: Tobias Weißhaar legte das Leder uneigennützig quer und der mitgelaufene Florian Rudy hatte keine Mühe, die Kugel zum 1:0 über die Linie zu drücken (20.). „Was wir in der ersten Halbzeit geboten haben, war vor allem läuferisch viel zu wenig“, ärgerte sich Kraft. Deshalb war das 2:0 noch vor dem Seitenwechsel die logische Konsequenz. Nach einem Foulspiel von Torwart Benjamin Huber an Florian Rudy zeigte der Schiedsrichter sofort auf den Elfmeterpunkt. „Kann man geben, muss man aber nicht,“ befand Huber nach dem Spiel. Die Chance jedenfalls ließ sich Nedzad Plavci nicht entgehen und verwandelte sicher zum 2:0 (45.).

Der VfL kam danach wie verwandelt aus der Kabine. Jetzt wurde der Gegner von Beginn an zu Fehlern gezwungen – und das mit Erfolg: Nach einem groben Abspielfehler nutzte Uwe Beran die Möglichkeit, bediente Benjamin Barth und dieser erzielte durch die Beine von Torwart Miletic den 2:1-Anschlusstreffer (52.). Nicht nur deshalb erhielt Barth auf der Pressekonferenz vom VfL-Coach ein Sonderlob: „Benjamin zeigte eine großartige Leistung, war fast überall auf dem Platz zu finden.“ In der Folgezeit entwickelte sich ein offener Schlagabtausch und das Spiel schien zu kippen. Zunächst verhinderte Kirchheims Huber erneut mit einer tolle Parade das dritte Villinger Tor (58.), und fast im Gegenzug lief André­ Kriks alleine aufs gegnerische Gehäuse zu, scheiterte aber unglücklich an Schlussmann Miletic (60.).

In der Schlussphase einer sehr unterhaltsamen Begegnung lieferten sich Villingens Florian Rudy und Kirchheims Torhüter Benjamin Huber packende Duelle mit dem glücklicheren Ende für Rudy. Innerhalb von nur vier Minuten scheiterte Villingens Toptorjäger gleich dreimal (68., 70., 72.) am besten Kirchheimer. Im vierten Anlauf klappte es dann endlich: Mit dem 3:1 sorgte der beste Spieler auf dem Platz für die endgültige Entscheidung (77.). In den letzten Minuten hätte der FC sogar den vierten Treffer erzielen können. „Dies wäre aber des Guten zu viel gewesen“, meinte FC-Coach Braun.