Lokalsport
Viel Gesprächsstoff rund ums Premieren-Derby

Das erste Lokalduell in der Fußball-Landesliga zwischen dem VfL Kirchheim und dem TSV Weilheim bot den 500 dem Regen trotzenden Zuschauern jede Menge Gesprächsstoff.

Kirchheim. Dass sich die Kräfteverhältnisse im lokalen Fußball in den vergangenen beiden Jahren in Richtung Weilheim verschoben haben, ist hinlänglich bekannt. Vor allem qualitativ und auch in der Breite ist der Kader des TSVW besser bestückt. „Allein die sieben Reservespieler von denen hätten bei uns beste Chancen auf die erste Elf“, gab sich Kirchheims sportlicher Leiter Norbert Krumm beim Blick auf den Spielberichtsbogen als Underdog – nicht weniger als zwölf Spieler mit VfL-Vergangenheit standen im Weilheimer Kader.

Zwei von ihnen wurden zu Protagonisten des Derby-Erfolges. Emrah Polat und Ferdi Er spielten beide jahrelang in der Oberliga bei den Blauen und führten ihre „Roten“ mit drei Treffern an alter Wirkungsstätte zum Sieg. „Es war heute ein komisches Gefühl zu meinem Heimatverein zurückzukehren und beim Gang in die Katakomben den ungewohnten Weg in die Gästekabine zu nehmen“, sagte Matchwinner Er nach der Partie. „Ich hatte aber nach dem Rückstand keine Zweifel, dass wir noch unsere Tore machen werden.“ Ähnlich sah es sein Teamkollege Polat. „Wir verbinden schöne Zeiten mit dem VfL. Wäre mein Tor nicht so ein schönes gewesen, dann hätte ich sicher nicht gejubelt, aber bei so einem Treffer brach es aus mir heraus“, so der Mittelfeldrenner über seinen Freistoß aus 35 Metern.

Auch Weilheims Trainer Alexander Hübbe war nach dem aufreibenden Spiel froh. „Der eine oder andere Spieler war nach der jüngsten Serie etwas erfolgsverwöhnt. Aber nach dem Punktverlust gegen Schnaitheim haben wir uns heute ohne groß zu glänzen gut erholt gezeigt“, analysierte der A-Lizenz-Trainer. Er monierte lediglich, dass mit dem 0:1 ein weiterer Gegentreffer nach einer Standardsituation fiel. „Daran müssen wir noch arbeiten.“

Sein Trainer-Pendant Erol Sarikoc suchte nach der Partie nach den richtigen Worten: „Es ist schwierig nach einer Derby-Niederlage, aber ich kann meiner Mannschaft keinen Vorwurf machen, sie hatte eine gute Einstellung heute. Qualität setzt sich am Ende meistens durch, Glückwunsch nach Weilheim. Den Zuschauern wurde einiges geboten und wer weiß, wie es läuft, wenn wir nach dem 1:1 direkt das 2:1 durch Fatih Özkahraman erzielt hätten.“

Den Derby-Stress verkrafteten die Verantwortlichen im Hintergrund übrigens gut. Unisono wurde betont, dass die Vereine ein freundschaftliches Verhältnis pflegen. „Wir hoffen, dass der VfL in der Liga bleibt und wünschen alles Gute. Sie haben Geislingen geschlagen und uns geholfen, wir werden alles tun, um die anderen Abstiegskandidaten nieder zu halten“, unterstrich Weilheims Co-Trainer Danell Stumpe.

Auf der wegen des Regens voll besetzten Tribüne ließen sich auch einige bekannte Gesichter aus vergangenen Fußballtagen das Derby nicht entgehen. Kirchheims ehemaliger Kempe Rolf Kirschmann dürfte dabei eher den Weilheimern die Daumen gedrückt haben, er ist der Onkel von TSVW-Innenverteidiger Martin Kirschmann. Die Gelb-Rote Karte seines Neffen kurz vor Schluss dürfte auch für ihn nicht mehr als eine Randnotiz gewesen sein.

Zu einem Familientreffen kam es auch bei den Köbers. Uwe Köber, erfolgreicher Linksverteidiger aus den glorreichen VfL-Oberligajahren in den Achtzigern, begutachtete die Leistung seines Sprösslings Max Köber. Der machte seine Sache auf der gleichen Position wie einst sein Vater sehr gut, rettete unter anderem zweimal in höchster Not, musste aber wegen einer Verletzung vorzeitig das Feld verlassen. Sein Bruder Nick Köber, zum Saisonstart noch im Kader des VfL, war von seinem Studienort Kaiserslautern als Zaungast nach Kirchheim angereist. Ebenso wie die ehemaligen VfL-Kicker Thomas Kärcher, Dietmar Weil und Carmelo Scaffidi.

Die Spitzengruppe der Landesliga ist durch den Heininger Heim-Ausrutscher gegen Waldstetten (0:1) noch enger zusammengerückt. Der Rückstand der Weilheimer (5.) auf den Ersten TSV Essingen beträgt fünf Punkte. „Letzte Woche waren wir noch etwas enttäuscht, heute freuen wir uns umso mehr. Man wird sehen wie die Mannschaft den Erfolg verkraftet und sich bis zur Winterpause vollends verkauft“, so Weilheims Spielleiter Günther Friess, dessen Team bereits am kommenden Freitag den FC Heiningen erwartet.

Vaihingen und Weilimdorf punkteten derweil im Abstiegskampf dreifach, sodass auch der Tabellenkeller enger zusammengerückt ist. Der VfL verlor durch die Niederlage einen Platz, ist aber nach wie vor nur sechs Zähler vom ersten Nichtabstiegsplatz entfernt. „Wir haben uns gegen einen großen Favoriten gut geschlagen, jetzt müssten wir mit einem Sieg in Weilimdorf unten rauskommen. Das wird ein Fingerzeig“, glaubt Kirchheims sportlicher Leiter Norbert Krumm.