Im Schatten der Knights sorgen aktuell die breitensportlichen Aushängeschilder des Kirchheimer Basketballs für eitel Sonnenschein: Während das neu gegründete Frauenteam nach sieben Siegen aus sieben Spielen von der Tabellenspitze der Oberliga grüßt, mischen die Männer die Regionalliga 2 auf. Nach sechs Siegen aus den ersten sieben Spielen ist die Mannschaft von Trainer Marco Wanzke das Maß der Dinge in der nach BBL, ProA, ProB und Regio 1 fünfthöchsten Spielklasse Deutschlands.
„Das sind die Früchte der vergangenen Jahre“, weiß der Erfolgscoach um das Erfolgsrezept, das neben einer eingespielten Starting Five und einem bislang verletzungsfreien Saisonverlauf auch einen gleichermaßen breit wie tief besetzten Kader beinhaltet. Mit bis zu 14 Mann im Training kann Wanzke seine Spielidee perfekt umsetzen. „Man kann hart trainieren und an der Taktik feilen, die Stimmung ist super“, lobt der 32-Jährige sein Team, in dem die Mischung aus erfahrenen Kräften und aufstrebenden Talenten zu stimmen scheint.
Kaum zufällig können Youngster wie Cooper Jorgusen, Moritz Lemke und Len Failenschmid mit ihren jeweils gerade mal 16 Jahren regelmäßig Regionalligaminuten sammeln, ohne dass die Qualität des Kirchheimer Spiels leiden würde. „Das ist zum einen ein Verdienst der Jungs selbst, aber auch der Älteren, die einen so guten Job machen, dass es nicht auffällt, wenn die Jüngeren mal Fehler machen“, erklärt Marco Wanzke.
Erinnerungen an 2016
Nicht nur in dieser Hinsicht unterscheidet sich der aktuelle Höhenflug auch von dem vor neun Jahren: In der Saison 2016/17 war der VfL als Aufsteiger mit zehn Siegen aus zehn Spielen in die Regionalligasaison gestartet. Der Kern der Truppe bestand damals dank finanzieller Unterstützung der Knights allerdings aus Spielern von außerhalb, die Basis im Verein war bis auf einige wenige Eigengewächse – darunter auch Marco Wanzke und der heutige Coach der Regionalligafrauen in Stuttgart, Tim Auerbach, der Bruder von VfL-Frauentrainer Julian ist – nicht vorhanden. Zwar beendete der VfL die Runde damals auf dem respektablen sechsten Platz, allerdings stellten die Knights die Unterstützung zugunsten einer intensiveren Jugendförderung ein. Folge: Das Regionalligateam wurde abgemeldet, der VfL startete 2017/18 gleich zwei Etagen tiefer in der Landesliga. Spielertrainer damals: Marco Wanzke. „Den Spielern hat die Landesliga gutgetan, für die Entwicklung war das genau das Richtige“, weiß er um den Ausgangspunkt des aktuellen Erfolgs.
Samstag kommt Stuttgart
Wo der noch hinführen kann? Sechs Spieltage vor der vierwöchigen Winterpause wagt Marco Wanzke eine Prognose. „Unter den Top drei könnten wir durchaus in die Rückrunde starten“, sagt er wohl wissend, dass es dabei unter anderem gegen starke Teams wie Fellbach, Freiburg und Stuttgart geht. Mit Letzteren bekommen es die Kirchheimer am morgigen Samstag ab 19.30 Uhr in der heimischen Sporthalle Stadtmitte zu tun – die PKF Titans aus Degerloch liegen mit 5:2 Siegen als Tabellendritter in Lauerstellung hinter dem VfL und dem zweitplatzierten SV Tübingen. „Stuttgart ist ein Gegner mit einer ähnlich gut eingespielten Starting Five wie wir“, weiß Marco Wanzke um die Schwere der Aufgabe.
Dass die Teckstädter zu Hause eine Macht sind, sollte dabei als Mutmacher dienen. Saisonübergreifend ist der VfL seit fünf Heimspielen ungeschlagen, die letzte Niederlage in der Festung SHSM datiert vom 15. März, als man mit 67:79 gegen den USC Heidelberg II verlor. Damals wie heute ein Manko: der ausbaufähige Support. „In Sachen Zuschauern bewegen wir uns meist knapp an der Grenze zum dreistelligen Bereich“, sagt Marco Wanzke. Obwohl man damit im Ligavergleich im oberen Drittel liegt, könnte es laut des Trainers gerne mehr sein. „Die Jungs hätten das verdient“, sagt Wanzke der sich an bis zu 300 Zaungäste während des letzten Höhenflugs vor neun Jahren erinnert.
Aufstieg (noch) kein Thema
Und wenn der aktuelle Höhenflug weitergeht? Rein sportlich wähnt Marco Wanzke sein Team durchaus in der Lage, um den Aufstieg in die Regionalliga 1 mitzuspielen und sich eine Etage höher auch zu behaupten. Organisatorisch wäre das schon eine andere Sache. Ist die Lücke zur zweiten Mannschaft, die aktuell in der Bezirksliga um den Klassenerhalt kämpft, momentan eigentlich schon fast zu groß, wäre das Qualitätsgefälle im Falle eines Aufstiegs kaum überbrückbar. Um von der erfolgreichen Nachwuchsarbeit in der Abteilung mit ihren insgesamt 21 Jugendteams nachhaltig zu profitieren, käme die vierthöchste Spielklasse vermutlich zu früh.
Die Nummer drei im VfL
Mit 602 Mitgliedern stellen die Basketballer hinter Fitness und Turnen nicht nur die drittgrößte Abteilung innerhalb des VfL, sondern auch die mit dem größten Zulauf – so groß, dass mangels Hallenkapazitäten und Trainern seit September ein Aufnahmestopp gilt. Interessierte müssen seitdem mit einer Warteliste vorliebnehmen.
21 Jugendmannschaften (18 Jungs, drei Mädchen) gehen in dieser Saison an den Start, darunter fünf Kooperationsteams mit Nürtingen, wo einzelne Mannschaften vor dem Hintergrund fehlender Hallen auch trainieren müssen.
Um die Zusammenarbeit mit dem Profibasketball in Kirchheim zu unterstreichen und die Identifizierung mit den Knights weiter zu stärken, hat die Basketballabteilung vor Saisonbeginn entschieden, ab dieser Saison erstmals alle Teams unter dem Namen „VfL Kirchheim Knights“ im Spielbetrieb zu melden. Das betrifft auch die insgesamt sechs aktiven Mannschaften (vier Männer, zwei Frauen). pet

