Einschätzungen zur ProA
Von Heidelberg bis Kirchheim: Wer prägt die Liga?

Die Knights gehören für die Konkurrenz zum Kreis der Favoriten auf die Play-offs.

Mit den Academics aus Heidelberg und ihren Fans ist zu rechnen. Foto: Eibner-Pressefoto/Joerg Hirsch
Mit den Academics aus Heidelberg und ihren Fans ist zu rechnen. Foto: Eibner-Pressefoto/Joerg Hirsch

Wie stark sind die Kirchheim Knights nach ihrer Vizemeisterschaft einzuschätzen? Geht es erneut bis tief in die Play-offs oder sorgt der personelle Umbruch dafür, dass unter der Teck kleinere Brötchen gebacken werden müssen? Glaubt man den Einschätzungen aus der 2. Basketball-Bundesliga Pro A, gehören die Kirchheimer jedenfalls weiterhin zum Kreis der Mannschaften, mit denen im oberen Tabellendrittel zu rechnen ist.

Ein Blick auf die Konkurrenz und die bisherigen Eindrücke aus der Saisonvorbereitung zeichnet ein recht klares Bild: Ganz oben wird vor allem mit Bundesliga-Absteiger Heidelberg gerechnet. Dahinter ist das Feld groß – und mittendrin die Knights: Mehrere Verantwortliche aus der Liga nennen Kirchheim ausdrücklich als Play-off-Kandidaten. Besonders eindeutig fällt das Urteil von Ulms Geschäftsführer Thomas Stoll aus: Neben Heidelberg und Crailsheim traut er vor allem Kirchheim viel zu. Auch in Bayreuth, Köln und Crailsheim hat man den Vizemeister auf dem Zettel.

Heidelberg stark wie nie?

Noch größer ist der Konsens nur bei zwei Mannschaften. Die MLP Academics Heidelberg und die Hakro Merlins Crailsheim gehören praktisch durchweg zum Kreis der Kandidaten für die Runde der besten acht. Heidelberg nimmt dabei eine Sonderrolle ein. Der Bundesliga-Absteiger macht aus seinen Ambitionen selbst keinen Hehl. „Unser Ziel ist der Aufstieg“, hat der sportliche Leiter Alex Vogel formuliert. Dafür wurde ein Kader zusammengestellt, der reichlich Zweitliga- und Play-off-Erfahrung mitbringt. Mit Chuck Harris wechselte zudem einer der Leistungsträger der vergangenen Kirchheimer Saison an den Neckar.

Bayreuths Geschäftsführer Carlo Steiner bezeichnet Heidelberg gar als womöglich stärksten Bundesliga-Absteiger seit vielen Jahren. Auch Stoll sieht die Academics angesichts ihres hohen Etats als Favoriten. Göttingens Geschäftsführer Frank Meinertshagen sieht Heidelberg gemeinsam mit Gießen „auf dem Papier vor den anderen Teams“. Dahinter werden vor allem Crailsheim, Bremerhaven und Köln regelmäßig genannt.

Ambitionierte Göttinger

Auch Göttingen hat klare Ambitionen. „Unser sportliches Ziel ist das Erreichen der Play-offs“, sagt Meinertshagen. Nach schwierigen Jahren wolle der Klub wieder einen Schritt nach vorne machen. Dabei setzt die BG auf ein weitgehend neu zusammengestelltes Team unter dem neuen Trainer Martins Gulbis. Dass Potenzial vorhanden ist, bewiesen die Niedersachsen Ende August mit einem 92:91-Testspielsieg gegen Bundesligist Braunschweig.

Köln wiederum will den nächsten Schritt selbst ausdrücklich gehen. Nachdem die RheinStars in der vergangenen Saison lange um die Play-offs mitgespielt hatten, lautet das Ziel nun, die Runde der besten acht tatsächlich zu erreichen. Die Konkurrenz traut ihnen das zu. Gießens Alexander Fischer hebt insbesondere Trainer Zoran Kukic, die gehaltenen Leistungsträger und die aus seiner Sicht klugen Verstärkungen hervor.

Breit ist hingegen das Feld der Mannschaften, bei denen die Prognosen erheblich schwieriger werden. Karlsruhe erreichte zuletzt die Play-offs, hatte während der Vorbereitung aber mit personellen Problemen zu kämpfen. Anfang September fehlten mit Maurice Pluskota, Isaiah Hart und Jason George gleich mehrere wichtige Spieler im regulären Mannschaftstraining. Trainer Demond Greene sah sein Team dennoch in den Tests als konkurrenzfähig an.

Neustart in Tübingen

Tübingen wagt nach einer enttäuschenden vergangenen Spielzeit praktisch einen Neustart. Neben Kapitän Till Jönke blieb nur wenig Kontinuität im Team. Trainer Félix Bañobre zeigte sich zuletzt dennoch zufrieden mit dem Stand der Vorbereitung und sieht das Grundgerüst seiner Mannschaft stehen. In Bayreuth zählt man die Tigers sogar zum Kreis möglicher Play-off-Teams.

Am anderen Ende der Tabelle richten sich die Blicke zunächst auf die Aufsteiger. Essen und die Orange Academy werden mehrfach als Mannschaften genannt, die sich auf einen schwierigen Kampf um den Klassenerhalt einstellen könnten. Ulms Geschäftsführer Stoll formuliert das Ziel seiner jungen Mannschaft entsprechend schnörkellos: „Spaß haben, Spieler entwickeln und die Klasse halten.“

Auch die ETB Miners aus Essen wissen um die Herausforderung. Nach dem Aufstieg und einer weitreichenden Neuzusammenstellung des Kaders sprechen die Verantwortlichen offen davon, dass sich die Mannschaft noch finden müsse. Trainer Lars Wendt sah zuletzt insbesondere defensiv noch Nachholbedarf.

Ebenfalls zum Kreis der möglichen Abstiegskandidaten werden Paderborn und Nürnberg gezählt, vereinzelt auch Bochum. Eine besondere Ausgangslage haben die Börde Baskets aus Wolmirstedt, die mit vier Minuspunkten in die Saison gehen. Selbst wenn die Mannschaft sportlich stärker einzuschätzen sein sollte, muss sie diesen Rückstand zunächst einmal aufholen.

Liga immer professioneller

Über allem steht der Eindruck einer Liga, deren Niveau weiter gestiegen ist. Crailsheim und Gießen verweisen auf die zunehmende Professionalisierung, Köln sieht den Abstand zur BBL kleiner werden. Göttingens Frank Meinertshagen widerspricht allerdings: „Ich glaube, dass zwischen Pro A und BBL ein riesiger Unterschied ist.“ Ein Grund sei die Regel, wonach in der Pro A stets zwei deutsche Spieler auf dem Feld stehen müssen. Während die Zweitligisten entsprechend stark auf deutsche Akteure angewiesen seien, könnten BBL-Klubs mit sechs starken Ausländern antreten. Dass es im Pokal kaum Überraschungen gebe, sei für ihn ein Indiz dafür. Auch im europäischen Vergleich sieht Meinertshagen trotz des gestiegenen Pro-A-Niveaus noch Luft nach oben.

Einigkeit herrscht dagegen darüber, wie eng es innerhalb der Liga zugehen dürfte. Bayreuth erwartet fünf oder sechs Topteams mit klaren Ambitionen, dahinter ein breites Mittelfeld, in dem ein oder zwei Siege über Platz sechs oder Platz 14 entscheiden könnten.

Für die Knights ist das Anerkennung und Warnung zugleich. Die Konkurrenz rechnet erneut mit ihnen – selbstverständlich ist ein Platz unter den besten acht deshalb noch lange nicht.