Kirchheims Basketballer als Mannschaft mit den zwei Gesichtern – Schneider gegen Gotha fit
Was denn nun?

Drei Spiele in neun Tagen – Die Knights erwartet eine harte Woche, die Antworten verspricht. Play-offs oder Abstiegskampf? So recht weiß das noch niemand. Eine Mannschaft auf der Suche nach sich selbst.

Kirchheim. Er hat‘s schon vorher geahnt. „Nenn‘ mir eine Mannschaft, die auf den Aufstieg verzichtet und danach ein einfaches Jahr erlebt hat? Ich kenne keine“, sagt Kirchheims Coach Frenkie Ignjato­vic. Einfach war in der Tat kein Spiel bisher, sieht man vom Sieg in Chemnitz vor zwei Wochen einmal ab, wo die Kirchheimer zum ersten und auch einzigen Mal in dieser noch jungen Saison überzeugten. Der Rest war wildes Spektakel, viel Kampf und Krampf und nicht zuletzt auch jede Menge Glück, ohne das die Ritter wohl etliche Dellen mehr in der Rüstung hätten.

Also alles wie erwartet? Zumindest der jüngste Auftritt am vergangenen Samstag in Cuxhaven dürfte in Kirchheim so manchen nachdenklich gestimmt haben. Weniger die Höhe der Niederlage ist es, die Besorgnis erregt, vielmehr die Leichtfertigkeit mit der man ein Spiel schon in der Anfangsphase aus den Händen gab. Ignjatovic spricht von kollektivem Versagen und meint damit in erster Linie wohl zwei seiner Gesetzten: Cedric Brooks und Cooper Land. Beide verkörpern in dieser Saison wie sonst niemand die rasante Berg- und Talfahrt des letztjährigen Vizemeisters, der ungeahnte Leistungsschwankungen und Schwächen in der Defensive offenbart. Land kämpft noch mit dem eigenen Selbstvertrauen und einer gebrochenen Nase, Brooks war schon immer ein Artist zwischen Genie und Wahnsinn. Die einfache Rechnung: Entweder vorne läuft‘s oder man geht mit Mann und Maus unter. Das Positive daran: Die Bilanz stimmt. Drei Siege, Tabellenplatz vier – was also soll all‘ die Kritik?

Morgen nun kommt mit dem hoch gehandelten Aufsteiger aus Gotha das genaue Gegenstück unter die Teck. Jede Menge Pech, nur ein Sieg aus fünf Spielen und das mit einem Kader, der neben der BG Karlsruhe der teuerste der ganzen Liga sein soll. Zugegeben: Die Rockets waren mehrfach nah dran. Die verlorenen Spiele gegen Leipzig, Paderborn und zuletzt daheim gegen Düsseldorf hätten mit ein bisschen Fortune auch anders laufen können. Dennoch treten die Thüringer selbst zu Hause in der „blauen Hölle“ als Minimalisten auf. Knapp 75 Punkte im Schnitt, seltener trafen nur vier Teams bisher den Korb. Für den finanzstarken Tabellen-Dreizehnten Grund genug, laut über weitere Verstärkung nachzudenken, schließlich sind es ehrgeizige Ziele, die man in der Residenzstadt verfolgt. Man will in die Play-offs und mittelfristig sogar in die erste Liga. Gothas Coach Marko Simic spürt zwar den Druck, gibt sich nach fünf Spieltagen aber noch locker: „Die Favoritenrolle haben uns andere angedichtet“, wehrt er ab. „Für mich ist wichtig, dass wir attraktiven Basketball spielen und die Mannschaft nach wie vor intakt ist.“

Dass der Erfolg bisher ausblieb, schreibt Simic allein dem Verletzungspech zu. Chase Griffin, der vergangenes Jahr noch mit Gießen in der BBL am Ball war, hat vor seiner Knieverletzung erst ein Saisonspiel absolviert und soll morgen in Kirchheim erstmals wieder auflaufen. Auf den Ausfall des Ex-Chemnitzers Joleik Schaffrath hat man bereits reagiert und mit 2,13-Meter-Mann Robbie Jackson einen klassischen Center verpflichtet. Auch der Rest kann sich sehen lassen: Forward Torvoris Baker kam aus Würzburg und legte in den bisherigen Spielen im Schnitt 7,2 Rebounds und 11,8 Punkte vor, auf den Positionen zwei und drei spielt mit Jan Lipke zudem einer der besten Deutschen in der Pro A. Nicht zu vergessen: Ahmad Smith. Der letztjährige Spielmacher der Knights hat zwar nicht lückenlos an seine bärenstarke Saison angeknüpft, ist mit durchschnittlich sechs Assists pro Spiel aber schon wieder zweitbester Passgeber der Liga. Auch er ist nicht fit, bestritt die letzten Spiele zunächst mit einer Innenbandverletzung, dann mit einer schmerzhaften Knieprellung. Hinter seinem Einsatz morgen steht noch ein Fragezeichen. Wenn es irgendwie geht, wird er sich den Auftritt an seiner früheren Arbeitsstätte aber kaum nehmen lassen. Auf das Wiedersehen mit ihm freut man sich in Kirchheim besonders – egal wie es läuft.

Freude auch bei Frenkie Ignjatovic, wenngleich aus ganz anderem Grund: Dominik Schneider steht nach langer Verletzungspause vor seiner Rückkehr in die Mannschaft. Der Forward, der kommende Woche seinen 27. Geburtstag feiert, hat zuletzt beschwerdefrei trainiert und soll künftig die Härte unterm Korb einbringen, die sein Trainer bisher vermisst. Aggressivität in der Defensive – bisher das größte Manko auf Kirchheimer Seite. Die schnellen Guards Chris Alexander und Cedric Brooks sind beide nicht die Wadlbeißer, die es bräuchte, um einen athletischen Spielmacher wie Ahmad Smith an die Kette zu legen. Über die nötige Zerstörungskraft im Aufbauspiel des Gegners scheint allein Sebastian Adeberg zu verfügen. Nichts Neues zwar, aber dennoch bemerkenswert, schließlich trainiert der Badener neben seinem Hauptberuf als Mediziner nur einmal in der Woche mit der Mannschaft. „Hätten wir mehr von seinem Schlag, könnte ich ruhiger schlafen“, bekennt der Trainer.

Stattdessen muss der in den kommenden zwei Wochen auf Center Jonathan Maier verzichten, der an einer Entzündung im Zeh laboriert. Dem Verletzungsrisiko gilt Ignjatovics größte Sorge, denn personell ist im Kader keinerlei Luft. Noch sind erst fünf Spieltage vorbei und alles ist drin. „Die Mannschaft wird sich weiterentwickeln“, ist der Coach überzeugt. „Solange alle fit bleiben.“

Nach dem Sonntag geht die Pro A zum zweiten Mal in eine englische Woche: Am folgenden Freitag kommt Jena in die Sporthalle Stadtmitte, zwei Tage später geht die Reise zum Tabellen-Schlusslicht nach Essen. Danach wird man wohl schlauer sein.