Die Geschichte des VfL Kirchheim in der Landesliga ist noch nicht zu Ende erzählt. Neun Punkte aus den 15 Partien der Vorrunde, sieben Zähler aus den ersten drei Matches der Rückrunde – die Tendenz bietet Raum für Fantasie. Per weiterem Punktepaket könnte sich der Aufsteiger idealerweise schon am Wochenende auf den viertletzten Tabellenplatz verbessern. Was durchaus bemerkenswert wäre, verharrte der VfL doch seit neun Spieltagen ununterbrochen auf dem sicheren Abstiegsplatz 15.
Für den VfL wird es an der Stauferstraße eine Jahrespremiere geben, erstmals seit dem Re-Start in die Restrunde bestreitet die Mannschaft eine Landesliga-Partie auf Rasen. „Deshalb haben wir in dieser Woche auch auf Rasen trainiert“, berichtet Felix Lache aus dem Trainerstab. Gegner Germania Bargau, am 5. Spieltag ganz unten gestrandet und seitdem dort gefangen, hat daheim noch nicht gewonnen, dreimal remisiert.
Trotz einer wohl aussichtslosen Lage wird Manuel Doll auch über den Sommer hinaus bei den Bargauern die Übungseinheiten lenken. Der 38-jährige ehemalige VfL-Keeper („die Partie gegen meinen Heimatverein ist für mich natürlich etwas Besonderes“) hat bereits verlängert. „Den Turnaround, den der VfL nach der Winterpause hinlegt, hätten wir uns auch gewünscht“, betont Doll, doch es habe zu viele personelle Engpässe gegeben. Das Match gegen den VfL sei für Bargau ein „Endspiel“.
VfL-Trainer Felix Lache, ebenso gelernter Torwart, hat eine ganz spezielle Erklärung für die aktuelle Kirchheimer Aufholjagd. „Fußball findet zu 80 Prozent im Kopf statt“, sagt er, Erfolgserlebnisse würden entsprechende Kräfte freisetzen. Zum Konzept gehöre zudem das Stärken des Gemeinschaftssinns. „Ob es das gemeinsame Spazieren über den Kirchheimer Markt oder gemeinsames Essen ist“, so der VfL-Coach, es fördere den Zusammenhalt. Dabei hat das Trainertrio Lache/Heim/Colic ein Luxusproblem. Teils über 20 Kicker tummeln sich bei den Übungseinheiten, nicht alle fitten Fußballer gehören folglich dem Kader fürs Spiel an. Vor dem Bargau-Match sieht es etwas anders aus: Felix Böhringer und Patrick Liebl (beide im Urlaub) fehlen, was Platz für Nachrücker schafft. „Wir müssen weiter auf der Welle surfen“, fordert der Coach, meint damit jene Erfolgswelle, die den VfL aus einer vermeintlich aussichtslosen Lage in eine etwas hoffnungsvollere versetzt hat.
Die Risikozone beginnt bereits beim Achten TSV Bad Boll (26 Zähler, am Sonntag gegen den TSV Weilimdorf). Der noch stärker bedrohte SC Geislingen erwartet den Tabellenersten FC Esslingen, eröffnet damit zusammen mit den sich auf der Ostalb duellierenden SV Waldhausen und SSG Ulm heute den Spieltag.

