Gemeinderat entscheidet heute Abend über Nebenkostenbeteiligung der Sportvereine
Wenn die Dusche plötzlich kostet

Notwendiger Schritt oder völlig falscher Ansatz? Vor dem heutigen Gemeinderatsbeschluss über die Beteiligung der Sportvereine an den Kosten für Heizung, Wasser und Strom in den Kirchheimer Hallen regt sich Widerstand. Eine gerechte Kostenverteilung ist schwierig. Vereinsvertreter sehen den sozialen Frieden in der Vereinslandschaft in Gefahr.

Kirchheim. Die Kommunen haben kein Geld. Dringende Reparatur- und Sanierungsarbeiten werden auf die lange Bank geschoben, Neuanschaffungen vertagt. Von größeren Baumaßnahmen ganz zu schweigen. Anders als in vielen Städten und Gemeinden im Land, wo es schon lange keinerlei Spielraum mehr gibt, ist man in Kirchheim noch in der Lage, zu handeln. Nicht nur, was Investitionen wie den Bau der neuen Raunersporthalle oder einen künftigen Hallenneubau in Nabern betrifft, sondern auch, wenn es darum geht, die Vereine in die Pflicht zu nehmen.

„Die Zeiten sind vorbei, da die Stadt in der Lage ist, alles für den Sportbetrieb Nötige kostenlos zur Verfügung zu stellen“, sagt Kirchheims Rathauschefin Angelika Matt-­Heidecker. Konkret heißt das: Im Haushalt, der heute Abend auf den Segen des Gemeinderats wartet, ist erstmals eine sogenannte Nebenkostenbeteiligung enthalten. Die Vereine sollen für Strom, Heizung und Wasser in den Hallen mitbezahlen. Die Summe, um die es geht: 30 000 Euro oder – anders formuliert – 98 Cent pro Stunde und Hallendrittel. Das sind zehn Prozent der tatsächlich anfallenden Nebenkosten in den Hallen der Stadt. Angesichts eines Etatvolumens von 93 Millionen Euro im kommenden Jahr das, was ein renommierter Bankenvertreter einmal als „Peanuts“ bezeichnete.

Zoomt man aus der Totalen hinein ins wirkliche Leben, zeigt sich jedoch, dass auch „Peanuts“ mächtig krümeln können. Für den VfL als größten sporttreibenden Verein in Kirchheim, risse der Beschluss im kommenden Jahr ein Loch von 14 000 Euro in die Kasse. Für die Handballabteilung, als größter Hallennutzer mit 13 Jugendmannschaften, wären es immerhin noch 4 000 Euro. Andere Sportarten wie die Sparten Tennis oder Ski nutzen städtische Hallen wenig oder überhaupt nicht.

Im Hauptausschuss des VfL, der am Montagabend tagte, ging es folglich um die Frage: Wie die Gesamtkosten gerecht verteilen? Kommt die Solidargemeinschaft zum Tragen oder gilt das Verursacher-Prinzip? Schon jetzt zeigt sich: Geräuschlos verläuft diese Diskussion nicht. Doris Imrich, die Vorsitzende des Gesamtvereins, sorgt sich nicht nur um den sozialen Frieden in der Kirchheimer Vereinslandschaft. Die VfL-Chefin sieht auch keinen Weg, den Fehlbetrag im kommenden Jahr zu decken. Für eine Beitragserhöhung ist es zu spät. Höhere Beiträge träfen zudem sozial Schwächere am härtesten. „Wir werden uns im kommenden Jahr mit der Stadt intensiv über das Thema Sportförderung unterhalten müssen“, sagt Imrich. Schließlich seien die Sätze dort seit drei Jahren unverändert. Dass der Gemeinderat heute Abend noch einknicken könnte, glaubt Imrich nicht. „Der Beitrag wird kommen.“ Das Thema werde bereits zu lange diskutiert, auch wenn die SPD-Fraktion beantragt hat, den Posten auszusetzen und neu zu diskutieren.

Klare Worte findet Marc Eisenmann. Der streitbare Abteilungsleiter der VfL-Handballer spricht von einer „scheinheiligen Kostendiskussion,“ wirft der Verwaltung vor, sich auf ein Stimmungsbild unter wenigen Vereinsvertretern bei der traditionellen Kanzelwand-Tagung zu stützen, anstatt sämtliche Vereine an den Tisch zu holen. „Verwaltung und Gemeinderat zündelt am sozialen Frieden für einen Betrag, der im städtischen Etat im Promillebereich liegt.“ Die Handballer, die an allen städtischen Grundschulen ehrenamtlich im Sportunterricht im Einsatz sind, einmal im Jahr ihr Grundschul-Spielfest veranstalten und nun am stärksten zur Kasse gebeten werden sollen, sehen darin eine Schieflage. „Wenn uns Hallenbeiträge in anderen Gemeinden vorgehalten werden“, sagt Eisenmann, „dann müssen wir uns auch über das dortige Zuschuss-System unterhalten.“

Ähnlich reagiert Ulrich Tangl, Jugendleiter bei den Basketballern des VfL, die mit ihren AGs an der Alleenschule und im Freihof das Ganztagesangebot der Schule mittragen und mit 2 200 Euro Kostenbeteiligung dabei wären. Geld, das 2013 dafür vorgesehen war, den seit April laufenden 400-Euro-Vertrag eines Jugend-Koordinators auf eine halbe Stelle aufzustocken. „Das können wir damit vergessen“, sagt Tangl, für den das Thema Kostenbeteiligung freilich nicht überraschend kommt: „Das wird seit 30 Jahren diskutiert“, sagt er. „Wir sollten uns darüber unterhalten, wie man es sinnvoll gestalten kann.“

Kirchheims Oberbürgermeisterin dagegen versteht die ganze Aufregung nicht: „Jedem war klar, dass diese Entscheidung fallen wird“, sagt Angelika Matt-Heidecker, nachdem man mit den Vereinen seit drei Jahren darüber im Gespräch sei und bei der Tagung im Oktober im Kanzelwandhaus mit den Vereinsvertretern übereingekommen sei. 2009 stand gar eine Kostenbeteiligung in Höhe von 180 000 Euro im Raum. Ein Vorhaben, das im Folgejahr am Widerstand der Vereine scheiterte. Gleichzeitig war klar, dass die Sache damit nicht vom Tisch sein würde. „30 000 Euro sind jetzt die unterste Grenze“, sagt Matt-Heidecker. „Uns geht es um den Einstieg.“