Vortrag zum Thema Ernährung mit Sprinter Tobias Unger im Kirchheimer Körperwerk
„Werbung ist Lüge“

Morgens Kohlehydrate, abends Eiweiß, mittags beides – wie man die allgemein gültige Ernährungsformel im Alltag mit Leben füllt und dabei noch mit Spaß essen kann, das verriet Sprint-Ass Tobias Unger bei einem Vortrag im Kirchheimer Körperwerk rund 50 interessierten Zuhörern.

Kirchheim. Essen soll Spaß machen – oft gelesen, oft gehört und eigentlich ein alter Hut. Doch bei zu vielen Menschen wird aus Spaß schnell riskanter Ernst, da ihnen nur jene Mahlzeiten Spaß machen, die sich mit Wucht an Bauch und Hüfte legen. Wie es anders geht, verdeutlicht einer, der Kraft seines Berufs gar nicht anders kann, als sich sinnvoll zu ernähren. Kaum vorstellbar, dass ein Tobias Unger 16 Mal Deutscher Meister auf verschiedenen Sprint­strecken geworden wäre, hätte er seinen Essensalltag nicht gewissen Regeln unterworfen.

Wie die genau aussehen, wollten knapp 50 Zuhörer wissen, die im Kirchheimer Körperwerk einem Vortrag des 31-jährigen Leistungssportlers zum Thema Ernährung lauschten. Der rote Faden seines rund 70-minütigen Vortrags war die Alltagstauglichkeit all der Tipps, Tricks und Trends, die tagtäglich durch Gazetten, Fernsehen und Internet geistern. Ungers Fazit: „Werbung ist Lüge!“ Am Beispiel Margarine verdeutlichte er, wie viel Geld hinter vermeintlich gesundheitsfördernden Produkten steht, die werbewirksam angepriesen werden. „Mit dem Thema Cholesterin lässt sich viel Geld verdienen, der Markt wird hier auf drei bis vier Milliarden Euro geschätzt“, so Unger, der stattdessen der in Verruf geratenen Butter eine Lanze brach. „Bei der gleichen Menge an Fett schmeckt sie einfach besser.“

Nicht die einzig überraschende Einsicht in den Essensalltag des Spitzensportlers („Ein Omelette darf ruhig mal aus sechs Eiern gemacht werden“), der jedoch auf die richtige Verteilung der vier Markonährstoffe Kohlehydrate, Eiweiße, Fette und Ballaststoffe Wert legt. Zum Frühstück Kohlehydrate mit ein wenig Eiweiß (Müsli mit Quark), mittags Kohlehydrate mit etwas Fett (Vollkornnudeln mit Fleisch und abends Eiweiß mit Fett (besagtes Omelette oder ein mageres Steak). Wichtig dabei: abends keine Kohlehydrate mehr essen, da der Körper diese über Nacht nicht verbrennen kann und sie so direkt auf die Hüften gehen. „Die Tüte Chips am Samstagabend sollte man sich daher verkneifen“, so Unger.

Und im stressigen Berufsalltag? „Wichtig ist, keinen Heißhunger entstehen zu lassen“, betonte Unger, der dafür als Vorsorge eine Packung Studentenfutter oder einen Müsliriegel für die Büroschublade empfiehlt und darüber hinaus zum regelmäßigen Trinken auffordert – doch auch hier bitte genau hingeschaut: Das vermeintliche gesunde Glas O-Saft entpuppt sich als wahre Zucker- und damit Kalorienfalle. „Lieber kalten Tee oder das klassische Wasser“, so Unger, der noch einen speziellen Kniff parat hatte: Vor dem Frühstück knapp einen halben Liter warmes Wasser, am besten mit ein wenig Salz angereichert. „Das gleicht den Flüssigkeitverlust der Nacht aus, bringt den Kreislauf richtig in Schwung und sorgt für eine gewisse Vorsättigung“, versichert er.