Kirchheim. Als Uwe Hamann am vergangenen Samstag in der Jesinger Gemeindehalle die Weihnachtsfeier der VfL-Handballer moderierte, hätte der Abteilungsleiter der Kirchheimer Ballwerfer seiner ersten Männermannschaft am liebsten einen schön verpackten Konjunktiv unter den Christbaum gelegt – würden Handballspiele statt 60 nur 50 Minuten dauern, der VfL stünde in der Landesliga vermutlich weitaus besser da als auf dem letzten Tabellenplatz. „Wir haben die Punkte zu oft in den letzten zehn Minuten verschenkt“, so Hamanns bittere Erkenntis, dass der VfL zwar durchaus konkurrenzfähig ist, in entscheidenden Momenten aber zu oft an Selbstzweifeln scheitert. Ob‘s daran liegt, dass die Mannschaft mit einem Durchschnittsalter von 22 Jahren eine der jüngsten der Liga ist? Coach Engelbert Eisenbeil spricht in diesem Zusammenhang von „fehlender Cleverness“, wohl wissend, dass man diese Tugend unter der Woche nicht trainieren kann.
Hoffnung macht da die Kunde von der baldigen Rückkehr der langzeitverletzten Routiniers Roman Keller (Fußbruch) und Matthias Mikolaj (Knieprobleme). „Roman wird Mitte Januar wieder mitspielen können, Matthias etwas später“, so Eisenbeil, der darüber hinaus hofft, dass Marco Castello in der Rückrunde voll einsatzfähig sein wird. Der Neuzugang vom HC Wernau konnte nach Ablauf seiner Sperre Mitte November infolge einer Bänderverletzung nur mit angezogener Handbremse spielen.
Kein Wunder, dass Eisenbeil von „relativ schweren Umständen“ spricht, wenn er die Hinrunde Revue passieren lässt. Allerdings nagte die Negativserie zwischenzeitlich offenbar so stark am 33-Jährigen aus Unterensingen, dass er sich und seine Arbeit offen in Frage stellte. „Er hat die Rückendeckung der Abteilungsleiter. Die sportliche Situation ist zu großen Teilen großem Pech geschuldet“, betont Uwe Hamann, der sich dennoch im Januar mit Eisenbeil zusammensetzen will.
Verbinden dürfte beide dabei die Überzeugung, dass der VfL am Saisonende die Klasse halten wird. Während der Abstieg in Eisenbeils Denke erst gar nicht stattfindet („Ich mache mir nie Sorgen“), schöpft Hamann seine Hoffnung aus einem Blick auf die Tabelle. „Wir sind bei Weitem nicht abgeschlagen Letzter, das Feld liegt eng beieinander.“ In Zahlen ausgedrückt haben die Teckstädter zur Saisonhalbzeit drei Punkte Rückstand aufs rettende Ufer, sprich: Mit zwei, drei Siegen sähe die Kirchheimer Handballwelt wieder ganz anders aus. „In der Liga kann jeder jeden schlagen“, hat Hamann nicht erst seit dem ersten Spieltag erkannt – da gelang dem VfL der bis dato einzige Saisonsieg gegen die HSG Fridingen/Mühlheim, die nun als Tabellenführer in die Weihnachtspause geht.
In selbige haben sich die Kirchheimer vorgestern übrigens mit einem Erfolgserlebnis verabschiedet: In der dritten Runde des Bezirkspokals gelang am späten Dienstagabend bei Kreisligist SV Vaihingen II ein 30:26-Erfolg, dank dem der VfL ins Viertelfinale eingezogen ist.
Ihren nächsten Einsatz unter Wettkampfbedingungen haben die Kirchheimer bereits am 4. Januar beim Albert-Bader-Turnier in Gingen. Dort soll der Motor für die Aufholjagd in der Landesligarückrunde warmlaufen, die mit der Auswärtspartie bei der HSG Fridingen/Mühlheim am 11. Januar beginnt. „Ich bin überzeugt, dass die Mannschaft den Hebel umlegen kann“, betont Uwe Hamann. Und Engelbert Eisenbeil weiß auch schon, wie: „Alle Spieler sollen sich über Weihnachten die Tabelle anschauen. Dann weiß jeder, um was es geht.“