Sportstätten in Kirchheim
Wie Vereine, Schulen und Stadt um die Zukunft des Sports ringen

Die Finanznot der Kommune überlagert die Diskussionen bei der Klausurtagung des SfL.

Die Stoßrichtung in Kirchheim ist klar. Symbolbild

Sanierung vor Neubau – mit diesem Credo hat sich die Verwaltungsspitze in der Diskussion um die Sportstätten in Kirchheim auch im Rahmen der Klausurtagung des Stadtverbands für Leibesübungen (SfL) im Sportvereinszentrum positioniert. „Damit keine Hallen geschlossen werden müssen, liegt der Schwerpunkt auf Sanierung“, betonte Oberbürgermeister Pascal Bader im Hinblick auf die bereits beschlossenen Arbeiten an der Tecksporthalle, deren Dach undicht ist, und der Eduard-Mörike-Halle in Ötlingen, die nicht mehr den Brandschutzbestimmungen entspricht. Von den sanierungsbedürftigen Hallen an der KW-Schule und dem Ludwig-Uhland-Gymnasium ganz zu schweigen.

Dass Instandhaltungsmaßnahmen aktuell so geballt aufgetreten – in den Jesinger Lehenäckern muss außerdem die Rasenbewässerung erneuert werden – ist allerdings kein Zufall. „Zugunsten der schwarzen Null ist jahrzehntelang nicht so renoviert und saniert worden, wie es nötig gewesen wäre“, erklärte Bürgermeister Achim Rapp den rund 40 Vertretern aus Vereinen, Schulen und Gemeinderat, die drei Stunden lang über Belange, Bedarfe und Befindlichkeiten der Kirchheimer Sportwelt diskutierten.

Im Zentrum dabei: Geld. Pascal Bader verwies zum wiederholten Male auf die finanziellen Nöte der Stadt, die in den kommenden Jahren 90 Millionen Euro Schulden anhäufen werde und damit keinen Spielraum für Neubauten habe – also auch nicht für solche, die den bereits vor Jahren ermittelten Mangel an Kapazitäten von rechnerisch zwei Hallen für den Schulsport im Stadtgebiet zumindest in Teilen beheben könnten.

Bürgermeister Rapp überraschte bei diesem Thema mit Gedankenspielen zum Vereinsheim der Schützengesellschaft Kirchheim auf dem Wollmarktgelände, dessen Fläche im Zuge der geplanten Erweiterung des Freihof-Areals für den Sportunterricht der dortigen Grundschule genutzt werden könnte. „In dem Fall“, so Rapp, „müssten die Schützen umziehen.“

Bevor dies so weit ist, bleibt Schulen und Vereinen nichts anderes übrig, als (noch) enger zusammenrücken. Pia Hantsch vom Tanzsportclub Kirchheim regte eine sinnvollere Nutzung der vorhandenen Hallenkapazitäten an, bei denen ihrer Meinung nach noch Luft nach oben sei. Wie viel genau, fragt die Stadt in Person von Marco Wanzke vom Sachgebiet Schulen und Sport im Rathaus aktuell zum zweiten Mal bei allen Nutzern ab. Ergebnisse sollen noch in diesem Jahr vorliegen.

Unabhängig davon wird sich die Situation kommendes Jahr verschärfen: Im Zug der zwischen Februar und September geplanten Sanierung an und in der Mörike-Halle in Ötlingen können dort keine Veranstaltungen und Wettkämpfe stattfinden. „Das ist eigentlich unsere erste Ausweichhalle“, machte Marco Wanzke deutlich, auf welch dünnes Eis Hallensport in Kirchheim gebaut ist.

Klarer gestaltet sich die Situation im Dettinger Hallenbad, das in Ermangelung einer Alternative zum überwiegenden Teil von Kirchheimer Vereinen und Schulen genutzt wird. „Da gibt es wenig Spielraum“, konnte Marco Wanzke lediglich auf freie Randzeiten frühmorgens und spätabends an den Wochenenden sowie eine Lücke am Freitagnachmittag verweisen.

Citylauf im Stadion?

Ein weiteres Thema war der traditionsreiche Kirchheimer Citylauf, den die ausrichtende LG Teck vor dem Hintergrund einer unklaren Finanzierung und zusätzlicher organisatorischer Probleme nach 34 Jahren zu Grabe getragen hat. Wie Marc Eisenmann in seiner Funktion als SfL-Vorstandsmitglied mitteilte, hat der Stadtverband Kontakt zur LG Teck aufgenommen, um über eine Neuauflage des Staffellaufs zu sprechen. „Die Frage ist, ob man das in den Tag des Sports beim VfL integrieren kann“, so Eisenmann, der den Verein für Leibesübungen bekanntlich als Vorsitzender anführt. Statt in der Fußgängerzone könne das Ganze im Stadion stattfinden, „woanders wäre zu aufwendig“, wie Eisenmann anmerkte. Eine Abfrage bei den Kirchheimer Schulen soll klären, ob und wie die Idee umsetzbar ist. „Außerhalb der Fußgängerzone geht die Atmosphäre verloren und wird der Sache nicht gerecht“, stellte Sebastian Rohrbach als Stellvertreter des Schlossgymnasiums schon mal fest.

Rohrbach war es auch, der zum Abschluss der SfL-Klausur anregte, einen Online-Veranstaltungskalender für Schulen einzuführen, mit dem Doppelbelegungen im Stadion wie zwischen Abiturprüfungen und Bundesjugendspielen verhindert werden sollen.