Fussball
Wie weit kommt die deutsche Elf?

Die Europameisterschaft der Frauen ist in vollem Gange. Am Samstagabend steht die deutsche Elf gegen Frankreich im Viertelfinale vor einer schweren Aufgabe. Wie schätzen lokale Fußballfachleute die Chancen ein?

Die DFB-Elf nach ihrem Tor gegen Schweden. Wie weit die Mannschaft kommt, zeigt sich im Viertelfinale gegen Frankreich. Foto: Eibner-Pressefoto/Michael Memmler

Die deutschen Fans hatten es während dieser Europameisterschaft nicht immer ganz einfach. Schon im ersten Spiel gegen Polen (2:0 für Deutschland) kam gleich der Schreckmoment, als sich Kapitänin Giulia Gwinn am linken Knie verletzte und somit das Turnier-Aus klar war. Es folgte ein 2:1-Sieg gegen Dänemark, ehe die Gruppenphase mit der 1:4-Niederlage gegen Schweden endete. 

Das Viertelfinale am Samstag um 21 Uhr gegen Frankreich ist gleichzeitig die Revanche für das Semifinale bei der Europameisterschaft vor drei Jahren in England. Damals gewann das DFB-Team durch zwei Treffer von Alexandra Popp mit 2:1 gegen „Les Bleues“. Die deutsche Startelf sieht mittlerweile komplett anders aus. Gleich acht Spielerinnen werden beim erneuten Aufeinandertreffen fehlen. Wie stehen nun die Chancen der deutschen Frauen?

Serafina Juen, Schiedsrichterin in der Gruppe Nürtingen, hat zwei Herzen in ihrer Brust schlagen. Einmal das für Deutschland, einmal das für Italien. „Ich habe ehrlich gesagt auch beide Trikots“, verrät die 34-Jährige lachend. Sofern es die Zeit zulässt, schaut sie alle Spiele, auch das 1:4 der Deutschen zuletzt gegen Schweden. „Ich finde Deutschland defensiv stark, aber die Schwedinnen waren einfach kreativer, ihr Umschaltspiel war schneller und sie waren einfach effektiv“, so ihr Urteil. Deutschland müsse vor allem im Angriff stärker werden, insbesondere heute Abend. „Gegen die Französinnen würde ich voll auf die Offensive setzen“, betont die Schiedsrichter-Beobachterin, die in dieser Funktion bis zu dreimal die Woche auf den Sportplätzen in der Region unterwegs ist. 

Frank Münchinger, lange Jahre Trainer bei den Frauen der SGM Wendlingen/Ötlingen und jetzt Betreuer bei den Kirchheimer Männern, ist begeisterter Fan. „Jeder, der über Frauenfußball lästert, hat keine Ahnung vom Fußball“, betont der Kirchheimer, der so gut wie alle EM-Spiele schaut. „Vor allem das letzte England-Spiel fand ich sehr interessant“, erzählt der Kirchheimer. Für die DFB-Elf wird es seiner Meinung nach schwer gegen Frankreich weiterzukommen. „Wenn sie das gewinnen, dann ist es glücklich. In der Mannschaft stimmt es nicht“, ist sich Münchinger sicher. „Ich finde im Gegensatz zur allgemeinen Kritik die Torhüterin gut, allerdings ist die Abwehr schwach. Es fehlt einfach eine Leaderin auf dem Platz, die die Mannschaft führt. Deshalb denke ich, dass Deutschland ausscheiden wird am Samstag. Favorit auf den Titel sind für mich die Engländerinnen.“ Ein großes Lob zollt er den Unparteiischen. „Die Schiedsrichterinnen haben eine klare Linie, und die ziehen sie auch durch. Es gibt viel weniger Diskussionen.“

Elena Zaiser, die beim TSV Weilheim kickt und trainiert, verfolgt nahezu alle Spiele der Frauen-EM, sofern es sich zeitlich einrichten lässt. Die Partien der deutschen Nationalmannschaft hat sie alle gesehen. „Für das kommende Spiel gegen Frank-
reich sehe ich durchaus gute Chancen, vorausgesetzt, die Defensive kann sich nach der Verletzung von Giulia Gwinn noch einmal stabilisieren. Das Mindset der Mannschaft stimmt, deswegen stehen die Chancen meiner Meinung nach gut.“

Auch Armin Sigler, Spielleiter im Fußball-Bezirk Neckar/Fils, glaubt daran, dass die deutschen Frauen eine Chance haben. „Das 2:0 im ersten Spiel gegen Polen habe ich ganz gesehen. Bei den anderen beiden Spielen war ich zeitlich verhindert. Das Viertelfinale gegen Frankreich werde ich mir auf jeden Fall anschauen. Das wird fürs deutsche Team natürlich eine sehr schwere Aufgabe werden. Aber ich bin überzeugt, dass die Mädels das mit dem nötigen Teamgeist, den sie haben, schaffen werden.“

Andrea Uebele, die bei der Fußballabteilung des VfL Kirchheim den Mädchen- und Frauenbereich koordiniert, hält große Stücke auf das deutsche Team. „Für mich sind sie der Favorit.“ Wichtig sei, dass die Mannschaft in der Lage ist, sich wieder zu fokussieren. „Man kann nicht aufgrund einer Niederlage gleich alles in Frage stellen. Die Grundfunktionen im deutschen Spiel stimmen, und die werden das gewinnen.“

Angelo Docimo verfolgt die Spiele ebenfalls gespannt. „Gegen Frankreich sollte eine deutlich bessere Leistung gezeigt werden als im letzten Spiel gegen Schweden. Ein Fußballspiel geht 90 Minuten, es reicht nicht, nur die ersten zehn Minuten on fire zu sein“, sagt der Frauen-Trainer des TSV Weilheim. 

Alexandre Azevedo, Fußballer in der U21 des VfB Stuttgart, verfolgt den Frauen-Fußball an sich nicht intensiv. „Für mich ist das ein ganz anderer Wettbewerb, den man nicht mit dem Männerfußball vergleichen sollte, und das tun aber leider viele. Von der Ausführung ist das ganz anders. Männer sind dynamischer, Frauen dafür eher technischer. Für die deutsche Nationalmannschaft wird es gegen die Französischen schon schwer, aber ich hoffe und gehe davon aus, dass sie es schaffen und weiterkommen.