Weilheim. „Die Schwachstelle der Eislinger ist die Defensive“, kommt es wie aus der Pistole geschossen. Carmelo Scaffidi muss nicht lange überlegen, um seinen Ex-Club einzuschätzen. Bis Ende vergangener Saison schnürte der 33-Jährige bekanntlich die Kickstiefel für die Filstäler, ehe er nach Weilheim wechselte. „Wir sind vom Potenzial insgesamt stärker besetzt“, glaubt er, „wenn wir hinten gut stehen, sollten uns vorne die entscheidenden Treffer gelingen.“
Hinten gut stehen müssen seine Weilheimer Kollegen übermorgen jedoch ohne ihn – Scaffidi fällt wegen eines Muskelfaserrisses („zuerst dachte ich, das sei nur eine Zerrung“) die nächsten zwei Wochen aus. Das Daumendrücken an der Seitenlinie lässt er sich deswegen aber noch lange nicht nehmen. „Ich bin bei jedem Spiel dabei, auch weil Thomas mein bester Freund ist.“ Mit Thomas ist der zweite Ex-Eislinger in den Weilheimer Reihen gemeint: Thomas Edelmann, mit dem Scaffidi einst beim VfL Kirchheim in der Regionalliga Teil der bombensicheren Abwehrkette war, die durch Markus Gabriel und Archontis Siopidis ergänzt wurde. „Eigentlich wollten wir zu viert unsere Laufbahn irgendwo ausklingen lassen“, lacht Scaffidi, „aber das kriegen wohl nur Thomas und ich hin.“ Siopidis hat bereits mit dem Kicken aufgehört und Gabriel spielt in Boll.
Vor dem Wiedersehen des Ex-VfL-Trios beim Weilheimer Heimspiel gegen Boll in drei Wochen, steht für den TSVW übermorgen in Eislingen also das nächste Endspiel im Kampf um den Klassenerhalt an. Vom mittlerweile fünf Punkte entfernten Nicht-Abstiegsplatz redet dabei kaum noch jemand unter der Limburg. Als offizielles Ziel gilt inzwischen der Relegationsplatz, von dem die Weilheimer nur durch ein Pünktchen getrennt sind. „Wenn alles normal läuft und mit ein bisschen Glück, schaffen wir das“, glaubt Scaffidi.
Angesichts des knüppelharten Restprogramms (siehe Infobox) ist ein Weilheimer Sieg in Eislingen fast schon Pflicht. Carmelo Scaffidi setzt sogar noch einen drauf. „Wir dürfen die nächsten beiden Spiele nicht verlieren.“ Leichter gesagt, als getan. Immerhin geht‘s nach dem Spiel beim Tabellenelften Eislingen übernächsten Sonntag zu Hause gegen den Zweiten, TSV Essingen.
Der musste im Titelrennen übrigens unlängst Federn lassen. Am Ostermontag gab‘s für die Essinger nur ein mageres 0:0 – ausgerechnet gegen Eislingen. „Das ist natürlich ein Achtungserfolg für die“, zollt Weilheims Spielleiter Günther Friess dem kommenden Gegner Respekt, „aber wir gucken nicht nach anderen, sondern nach uns.“ Immerhin stimmt dieser Blick zumindest in Teilen optmistisch. So könnte der zuletzt durch eine Augenverletzung gehandicapte Marcel Mettang in Eislingen im Sturm auflaufen und auch Kai Hörsting scheint für einen weiteren Kurzeinsatz wie zuletzt gegen Hoffeld und Ulm fit genug. Letzte Aufschlüsse über die Startelf soll das Abschlusstraining am heutigen Freitagabend liefern. Nach dem Doppelspieltag über Ostern hatte Trainer Alexander Hübbe den Spielern am Dienstag frei-gegeben – auch als Belohnung für die Leistung beim so wichtigen 4:3-Erfolg über Hoffeld, der laut Hübbe nicht zuletzt dank der richtigen Einstellung gelang.
Die scheint auch der SV Ebersbach, Weilheims ärgster Konkurrent im Kampf um den Relegationsplatz, wiedergefunden zu haben. Zur Winterpause mit drei Punkten noch abgeschlagener Tabellenvorletzter (die aus der Wertung genommene Spvgg Au mitgerechnet) hat der SVE aus den bisherigen neun Rückrundenspielen stolze 21 Punkte geholt, dabei nur zwei Mal verloren – eine dritte am Sonntag in Bad Boll käme den Weilheimern gerade recht, würden sie bei einem eigenen Erfolg in Eislingen doch an den Ebersbachern vorbeiziehen. Es wäre ein wichtiger Schritt Richtung Relegation und damit einem möglichen weiteren Jahr in der Landesliga. Carmelo Scaffidi will seine Laufbahn übrigens unabhängig vom sportlichen Abschneiden ausklingen lassen. „Ich hänge noch ein Jahr in Weilheim dran. Das ist ein bodenständiger Verein, das gefällt mir.“
