Für Tobias Unger sind die WM in Südkorea und Olympia 2012 die Motivationspillen schlechthin
Ziele klar, Zukunft offen

Früh den Startplatz in der DLV-Staffel sichern, um dann entspannt an die Einzelnormen heranzugehen: Tobias Unger hat die Leichtathletik-WM in Südkorea im September fest im Visier. Spätestens dann soll auch feststehen, für welchen Club der 31-jährige Kirchheimer in Zukunft starten wird.

Kirchheim. Aus dem Flieger, in den Flieger – kaum war Tobias Unger vom einwöchigen Trainingslager auf Teneriffa mit der Kirchheimer Gruppe um Coach Micky Corucle zurück, ging‘s auch schon wieder weiter mit dem DLV-Tross nach Monte Gordo (Portugal). „Da holen wir uns den Feinschliff vor dem Saisonstart“, verrät der 31-Jährige, der allerdings noch nicht weiß, wann und wo er seinen ersten Freiluftwettkampf 2011 absolvieren wird. Entweder am 26. Mai beim Diamond Legaue Meeting in Rom mit der deutschen 4x100-Meter-Staffel oder am 28. Mai beim Sportfest in Weinheim über 100 oder 200 Meter. „Das entscheiden wir kurzfristig“, so Unger, „aber beide Wettkämpfe werde ich nicht laufen.“

Für einen Start in Rom spricht die Gelegenheit, sich für das DLV-Quartett zu empfehlen, das bei der WM im südkoreanischen Daegu (27. August bis 4. September) an die guten Leistungen 2010 mit EM-Bronze anknüpfen soll. Kein Wunder also, dass in Monte Gordo in erster Linie die Staffelwechsel geübt werden, schließlich soll in Rom alles klappen. Dabei stellt Unger, Startläufer der EM-Bronzestaffel, bereits Ansprüche. „Als Ersatzmann werde ich ganz bestimmt nicht nach Rom fahren.“

So redet einer, der keine Zeit (mehr) zu vergeuden hat. Im Herbst seiner Karriere muss Unger gewappnet sein für das Ende derselben, investiert entsprechend viel in sein Studium der Sport- und Gesundheitsförderung, das ihm nach Ende der beruflichen Zeitenhatz ein Auskommen sichern soll.

Wann aber will der „Schwabenpfeil“ die Spikes an den Nagel hängen? „Geplant ist, in den nächsten zwei Jahren einen möglichst fließenden Übergang hinzubekommen“, räsoniert er, der auf der Karrierezielgeraden aber noch die ganz große Motivationspille geschluckt hat: Olympia 2012 in London. „Diesem Ziel ist alles andere untergeordnet“, so Unger, „darum wäre es auch nicht schlimm, wenn es dieses Jahr nicht ganz so gut laufen sollte.“

Anzeichen dafür gibt es allerdings nicht, der Körper des 31-Jährigen wird den Anforderungen an den Profisport offenbar noch vollauf gerecht. „Ich fühle mich gut, die Achillessehnen haben die harten Trainingseinheiten auf Teneriffa gut mitgemacht.“ Der Hunger auf Erfolg(e) ist für 2011 deshalb nicht kleiner. Neben einem Staffeleinsatz spekuliert Unger auf einen Einzelstart bei der WM. Die Normen (10,18 Sekunden über 100 Meter/20,54 über 200) traut er sich dabei durchaus zu.

So klar die Ziele, so unklar die zukünftige Vereinszugehörigkeit des 15-maligen Deutschen Meisters. Der Vertrag mit der LG Stadtwerke München, für die Unger seit Dezember 2009 startet, läuft im Herbst aus. Ob und unter welchen Bedingungen er verlängert wird, steht derzeit noch in den Sternen, was den 31-Jährigen zum Nachdenken bringt. „Ich kann mir durchaus vorstellen, meine Karriere woanders zu beenden und bin nach allen Seiten offen“, sagt er bedeutungsschwanger – eine Rückkehr ins Schwabenländle ist offenbar nicht ausgeschlossen.