Basketball 2. Liga
Zukunft von Harris beschäftigt die Knights

In der Länderspielpause geht es für Kirchheims Basketballer nicht nur darum, neue Kraft zu schöpfen. Es geht auch um das künftige Gesicht der Mannschaft.

Geht er oder bleibt er? Chuck Harris hat sich in sechs Spielen zum zweitbesten Scorer der Mannschaft entwickelt. Mit der Rückkehr von Tyrel Morgan ist der 24-Jährige wieder auf dem Markt. Foto: Nina Sander

Vier Siege nach zehn Spielen – Kirchheims Basketballer sind Ende November noch einen Erfolg von dem entfernt, was nach landläufiger Rechnung auf dem Weg zum Klassenerhalt als Halbdistanz gilt. Eine „O.k-Bilanz“ fragt man Mannschaftsverantwortliche wie den Sportlichen Leiter Chris Schmidt nach einem Zwischenfazit zu Beginn der zweiwöchigen Länderspielpause. Schmidt ist einer, der sich um Statistiken nicht schert, und dessen Blick auf das, was man Entwicklung nennt, sich nicht selten gravierend von dem unterscheidet, was dem Durschnitts-Gucker auf der Tribüne ins Auge sticht. Und davon bietet die Mannschaft, die in schöner Regelmäßigkeit zwischen Genie und Wahnsinn operiert, zweifellos genug.

Wollte man mit einem der jüngsten und unerfahrensten Teams der Liga streng ins Gericht gehen, genügen Rankings, an denen im Basketball bekanntlich kein Mangel herrscht: die mit Abstand schlechteste Freiwurfquote, die zweitmeisten Ballverluste, die drittschlechteste Dreierquote aller Teams in der Pro A. An diesem Punkt führt Schmidt gerne ins Feld, was man den zweiten Blick nennen könnte. Etwa den auf eine Mannschaft, deren Kämpferherz am rechten Fleck zu sitzen scheint, die bedingungslos verteidigt und von Kräften angetrieben wird, die – wie ein Gian Aydinoglu oder Aeneas Jung, 22 und 23 Jahre alt – rein statistisch betrachtet eher durchfallen. „Gute Verteidiger, die gleichzeitig gnadenlos gute Shooter sind“, sagt Schmidt, „muss man sich leisten können“. In anderen Worten: „Wir wollten eine intensive Defense spielen, und das tun wir“. Gelegentlich auch durchaus unterhaltsam: Spielt der Gameplan der Rookie-Truppe in die Karten, kann es schon mal vorkommen, dass prominente Gegner wie Nürnberg oder Tübingen kaum Land sehen.

Das ist ein ernstes Thema und ein mentales Problem.

Igor Perovic, der Head Coach der Knights, über die miserable Freiwurfquote seiner Mannschaft.

Für die nötige Balance zu sorgen, ist Aufgabe von Igor Perovic, dem am Samstag im Heimspiel gegen die Baskets aus Wolmirstedt gelungen ist, worauf es letztlich ankommt: gegen einen erschreckend schwachen Aufsteiger zwei glanzlose Punkte einzufahren. Trotz eines diskussionswürdigen Schlussviertels, in dem man dem Gegner fast die Hälfte aller erzielten Punkte gestattete. Ein lange Zeit äußerst komfortabler Vorsprung schmolz auf diese Weise beunruhigend rasch dahin, ehe die Mannschaft die Gefahr rechtzeitig erkannte. Für Perovic ein Thema, das ihn dauerhaft beschäftigt: Zu viele Wurfchancen, die seine Mannschaft liegen lässt, zu viele leichte Ballverluste. Selbst gegen einen Gegner, den man, wie am Samstag, sicher im Griff hatte, waren es am Ende 15 Turnover. Das entspricht exakt dem seitherigen Durchschnitt pro Spiel und ist der zweitschlechteste Wert in der Liga – gemeinsam mit Leverkusen und Wolmirstedt. Zugegeben: Am Samstag mit einer Formation, in der ein Großteil unter der Woche verletzungs- und krankheitsbedingt wenig oder gar nicht trainiert hatte.

Harris und Bretzel im Fokus

In den zwei spielfreien Wochen bis zum Auswärtsspiel am 6. Dezember in Quakenbrück ist neben Feinjustierung auch Verhandlungsgeschick gefragt. Tyrel Morgan soll nach sechs Spielen verletzungsbedingter Pause zurückkehren und die erwartete Schlüsselrolle einnehmen. Chuck Harris, der als kurzfristiger Ersatz aus Crailsheim kam und sich klammheimlich zum zweitbesten Scorer entwickelt hat, soll nach dem Willen des Trainers bleiben. Das sieht auch der Teammanager so. „Wir prüfen im Moment, was möglich ist“, sagt Chris Schmidt zu den laufenden Gesprächen mit Spieler und Berater. Klar ist: Harris ist zurück auf dem Markt. Die Karten werden also neu gemischt. Auch was die Zukunft von Center Nico Bretzel angeht, steht bis Anfang kommenden Jahres eine Entscheidung im Raum. Allein auf eine Rückkehr des verletzten Lukas Zerner zu setzen, ist ein Risiko, das mit Blick auf die Rückrunde niemand eingehen möchte. „Wir haben verschiedene Szenarien im Kopf“, hält Schmidt sich im Moment bedeckt. „Nico ist eines davon“.

Mehr Qualität im Kader ist derweil nicht immer eine Frage neuer Namen oder verlockender Angebote. Für erfolgreiche Innenentwicklung steht nicht erst seit Samstag der Name Nil Failenschmid, der mit 14 Punkten und drei Rebounds einen persönlichen Bestwert ablieferte. Mehr noch als das zählt in den Augen der Teamverantwortlichen seine konstant starke Defensivleistung. Aus dem schmächtigen Teenager, der gut war für ein paar Minuten Garbage-Time, ist eine feste Größe an beiden Enden des Feldes geworden. In den bisherigen zehn Begegnungen stand das 20-jährige Eigengewächs im Schnitt 20 Minuten auf dem Parkett und zahlt dieses Vertrauen mit konstant guten Leistungen zurück. Ganz nach dem Geschmack von Igor Perovic, der die Hand über seinen Schützling hält: „Nil ist ein toller Junge“, sagt er. „Er hat sich diesen Erfolg im Moment absolut verdient“.