Fußball-Landesliga: Ferdi Er und Emrah Polat führen den TSV Weilheim zum 3:1-Sieg gegen wacker kämpfende Kirchheimer
Zwei Ex-Kirchheimer besiegeln VfL-Niederlage

Der TSV Weilheim hat das erste Landesliga-Derby der lokalen Kontrahenten beim VfL Kirchheim erwartungsgemäß und schlussendlich verdient mit 3:1 (0:1) gewonnen. Für die favorisierte Hübbe-Elf war es vor gut 500 Besuchern im Stadion an der Jesinger Allee jedoch ein hartes Stück Arbeit in einem vor allem in der zweiten Halbzeit rassigen Spiel gegen einen aufopferungsvoll kämpfenden VfL. Ausgerechnet die ehemaligen Oberliga-Spieler der Kirchheimer, Ferdi Er und Emrah Polat, drehten die Partie kurz nach der Halbzeit zugunsten des Tabellenfünften.

Kirchheim. Bei strömendem Dauerregen entwickelte sich auf tiefem Geläuf von Beginn an ein intensives Spiel. „Uns war klar, dass es hier und heute nur über den Kampf entschieden werden kann, aber wir haben uns trotzdem gefreut auf Rasen im Stadion zu spielen“, sagte TSVW-Coach Alexander Hübbe nach der Partie. Seine Truppe kontrollierte die Anfangsphase ohne sich zunächst Chancen zu erspielen. Eine erste Schrecksekunde musste der VfL in der elften Minute überstehen, als Max Köber nach einem Foulspiel am Sprunggelenk behandelt werden musste. Er biss jedoch auf die Zähne, musste jedoch später in der zweiten Halbzeit wegen einer Bänderdehnung ausgewechselt werden.

In der 16. Minute rutschte Kirchheims Abwehrchef Sören Mende weg, Ferdi Er schnappte sich das Leder und steckte auf Michael Schweizer durch, der völlig frei stehend am langen Pfosten vorbeischoss. Bereits fünf Zeigerumdrehungen später folgte der nächste Aufreger. Zumindest dürften sich die zahlreichen Weilheimer Anhänger die Haare gerauft haben. Erneut spielte Er dieses Mal Kai Hörsting frei, dessen Schuss blieb jedoch an VfL-Keeper Marco Joos hängen, den Richtung des leeren Tors trudelnden Ball kratzte Max Köber aber noch von der Linie.

Die Gastgeber taten sich zunächst schwer ins Spiel zu finden. Weilheim legte die reifere Spielanlage an den Tag mit einem überzeugenden Ferdi Er als Strippenzieher. Überhaupt agierten die Gäste mit den Flügelspielern Lennart Zaglauer und Michael Schweizer sehr offensiv. In der 32. Minute landete eine verunglückte Flanke von Nick Strohmaier auf der Latte. Spielerische Highlights blieben zuvor dennoch Mangelware.

Just als sich der VfL erholt hatte, markierte er mit seiner ersten guten Aktion auf das gegnerische Gehäuse die schmeichelhafte Führung. Fatih Özge zeichnete mit dem Hinterkopf nach einem Freistoß von Nebih Kadrija verantwortlich (36.) – der Spielverlauf war zur Halbzeit sprichwörtlich auf den Kopf gestellt.

Nach dem Seitenwechsel sollte die Partie nochmals richtig an Fahrt aufnehmen. Dabei spielten ausgerechnet die ehemaligen VfL-Kicker Emrah Polat und Ferdi Er eine zentrale Rolle. Was aus dem Spiel nicht klappte, funktionierte durch eine Standardsituation – und wie. Mit einem fulminanten 35-Meter-Freistoß in den Winkel – Marke Tor des Monats – sorgte Polat für den Ausgleichstreffer (48.). Die Blauen, am Sonntagvormittag in gelb spielend, zeigten jedoch eine gute Reaktion und hätten beinahe postwendend die erneute Führung erzielt. Doch TSVW-Keeper Bastian Treiber parierte gegen den von Kadrija frei gespielten Fatih Özkahraman (49.).

Weitere vier Minuten später wurden die Hausherren für eine Unkonzentriertheit bestraft. Erneut leitete eine Standardsituation die Weilheimer Führung ein, und erneut waren Polat und Er beteiligt. Ein Freistoß von Polat landete bei Er, der am langen Pfosten frei stand und nur noch einkicken musste. In der anschließenden Jubelszenerie kam es zu einer unübersichtlichen Rangelei zwischen Strohmaier und Kirchheims Daniel Cisternino, welche der Unparteiische nach Aufklärung mit seinem Assistenten jeweils mit Rot bestrafte.

Mehr Platz also auf dem Spielfeld, den zunächst die Gäste besser nutzten. Er passte quer auf Lennart Zaglauer, der nur noch ins leere Tor einzuschieben brauchte, jedoch zu lange zögerte, sodass Köber ihm den Ball noch vom Schlappen stehlen konnte (57.). Zehn Minuten später setzte der aufgerückte Daniel Heisig einen Schuss aus 20 Metern an die Latte.

Mit einem Kopfball-Aufsetzer von Özge, den Treiber parieren konnte, läutete der VfL seine Schlussoffensive ein. Die Kirchheimer erspielten sich fortan ein Übergewicht und kämpften noch um den möglichen Punktgewinn. Vor allem Nebih Kadrija als Dreh- und Angelpunkt kurbelte das Kirchheimer Spiel lauffreudig immer wieder an. Es dauerte jedoch bis zur 81. Minute, ehe das Weilheimer Tor das nächste Mal ernsthaft in Gefahr geriet. Ein verunglückter Schuss des eingewechselten Emre Yildirim landete bei Özkahraman, der an diesem Tag zu wenig Zielwasser getrunken hatte, und den Ball aus acht Metern über das Tor drosch. Nicht besser machte es sein Teamkollege Julian Wagner, der nach einem überraschend flach ausgeführten Freistoß von Sascha Beck frei stehend von der Strafraumgrenze den Ball übers Gehäuse jagte (85.).

Und so war es dem Weilheimer Aktivposten und besten Mann auf dem Platz, Ferdi Er, vorbehalten für die Entscheidung zu sorgen. Nach einem Kirchheimer Ballverlust im Mittelfeld hatte Felix Hummel gegen die aufgerückte VfL-Abwehr leichtes Spiel, und Er musste nur noch ins leere Tor zum umjubelten 3:1 einschieben (89.). „Wir haben am Ende alles riskiert und gut gekämpft, aber heute hat sich die individuelle Klasse letztlich durchgesetzt“, resümierte VfL-Coach Erol Sarikoc.

Während Weilheim sich mit dem Dreier in der Spitzengruppe festgespielt hat, verpassten die Blauen im Abstiegskampf einen weiteren Befreiungsschlag und liegen nun auf dem ersten Abstiegsplatz.wr

VfL Kirchheim: Joos – Köber (59. Wagner), Özge , Mende, Hilger – Beck, Szabics (72. Yildirim), Bezler, Cisternino, Kadrija – Özkahrman

TSV Weilheim: Treiber – Heisig, Strohmaier, Kirschmann, Gabriel – Polat, Elsässer, Zaglauer, Schweizer (46. Latte), Er – Hörsting (66. Hummel).

Tore: 1:0 Özge (36.), 1:1 Polat (49.), 1:2, 1:3 Er (53., 89.)

Gelbe Karten: Özge, Kadrija – Kirschmann, Zaglauer, Hummel.

Gelb-Rote Karte: Kirschmann (90.)

Rote Karten: Cisternino und Strohmaier (54., nach Rangelei)

Schiedsrichter: Alexander Paul (Illertal)

Zuschauer: 500