Kirchheim. Geld regiert bekanntlich die Welt, und zu der gehört auch der Sport. Wenn sich die Knights-Verantwortlichen heute Abend mit ihren Sponsoren turnusgemäß an einen Tisch setzen, wird es neben Häppchen und Wein wohl auch flammende Plädoyers geben. Für das Entertainment-Paket Basketball, das schwäbische Erfolgsmodell oder einfach nur dafür, dass Basketball – getreu des vereinseigenen Slogans – mehr ist, als nur ein Spiel. Danach wird man zufrieden auseinander gehen, um sich in den darauffolgenden Wochen erneut zusammen zu setzen. Dann freilich dürfte es weniger um nette Atmosphäre als um harte Fakten gehen.
Der Etat für das kommende Spieljahr ist um diese Zeit das Thema, von dem alles abhängt. Im April beginnen die Rohbauarbeiten am neuen Kader. Erklärtes Ziel ist, die tragenden Säulen der bestehenden Mannschaft zu erhalten. Von positiven Signalen ist dabei die Rede, doch am Ende wird wie immer entscheidend sein, ob man in Kirchheim in der Lage ist, im Vertragspoker als konkurrenzfähiger Bieter aufzutreten. Bis auf den jungen Ivan Buntic hat kein Spieler einen Vertrag über das Frühjahr hinaus.
Die Saison 2014/15 jedenfalls wird im Profibereich die erste ohne den langjährigen Hauptsponsor EnBW sein. Der Energieversorger will sich nach dem völligen Rückzug beim Kooperationspartner in Ludwigsburg nun auch in Kirchheim auf die Förderung des Nachwuchses beschränken. Das Etatloch gilt es nicht nur zu stopfen, dass der finanzielle Status Quo den sportlichen Ansprüchen künftig nicht mehr genügen dürfte, wird allenthalben sichtbar. Die Liga entwickelt sich weiter. Mit Köln und Hamburg drängen zwei neue Mitbewerber auf die große Bühne, die nicht nur gewillt, sondern offenbar auch in der Lage sind, das große Rad zu drehen. Der Einzug in die Play-offs ist für die Knights deshalb nicht nur der Jahresbonus für die Mannschaft und gleichzeitig Gelegenheit, „das Adrenalin bis zum Schluss hoch zu halten“, wie der Trainer es ausdrückt. Er wäre vor allem ein Vorteil bei künftigen Vertragsverhandlungen. Anders ausgedrückt: Ein Argument für den Standort Kirchheim.
Dass die Finalrunde der besten Acht ein Thema bleibt, dafür hat die Mannschaft mit ihrem engagierten Auftritt am Samstag gegen Chemnitz gesorgt. Ein Spiel mit vielen Hoffnungszeichen, und dies, obwohl Max Rockmann weiterhin verletzt auf der Bank saß und USA-Rückkehrer Bryan Smithson mit Jetlag in den Gliedern und auf der ungewohnten Position des Shoting-Guards eine Halbzeit lang völlig untertauchte. Dafür setzte Mike Baumer, der als Starter einen seiner besten Auftritte in der Rolle des Spielmachers bot, ein klar formuliertes Bewerbungsschreiben für die neue Saison auf.
Ist im Mannschaftssport von Charaktertest die Rede, dann sind Spiele wie die am Samstag gemeint. Die Reaktion der Ritter nach der Halbzeitpause und einer verspielten Elf-Punkte-Führung jedenfalls war es wert, notiert zu werden. Das lässt auf Überraschungen hoffen, denn die werden nötig sein, um ab 5. April in die Saisonverlängerung zu gehen. Dass die Knights Tabellenführer Göttingen am Samstag seine vierte Saisonniederlage – dazu in dessen eigener Halle – beibringen werden, ist in etwa so wahrscheinlich wie ein Scheitern des FC Bayern auf dem Weg zur Meisterschaft in der Fußball-Bundesliga.
Doch danach wird es ernst: Mit einem Heimsieg gegen Gießen käme es zwei Tage später am letzten Spieltag in Gotha zum Showdown gegen den womöglich direkten Konkurrenten um Platz acht. Selbst bei einer Niederlage mit weniger als sieben Punkten Differenz spräche der direkte Vergleich für die Kirchheimer, die das Hinspiel am 3. November mit 83:76 für sich entschieden haben. Die größte Gefahr droht aus dem Hinterhalt: Die Baskets aus Essen – derzeit mit zwei Punkten Rückstand auf Platz zehn – sind nach fünf Siegen in Folge nicht nur die Mannschaft der Stunde. Das Team von Igor Krizanovic hat das mit Abstand leichteste Restprogramm und im direkten Vergleich mit den Knights die Nase vorn. Die Chancen, dass das Ruhrpott-Team als lachender Dritter in die Finalrunde einzieht, stehen folglich nicht schlecht. „Wir spielen zweimal auswärts und sind in allen drei Spielen nur Außenseiter,“ versucht Knights-Coach Frenkie Ignjatovic das Bild zurecht zu rücken. Mit Blick auf den bisherigen Saisonverlauf könnte das frei übersetzt heißen: beste Chancen für ein Kirchheimer Happy End.
