OB-Wahl 2019

„Es war erfrischend“

Wählerstimmen Das Podiumsgespräch des Teckboten in der Kirchheimer Stadthalle kam bei den Besuchern gut an. Mancher weiß nun, wo er am kommenden Sonntag sein Kreuzchen macht.

Nach der Podiumsdiskussion am Dienstag gab es reichlich Gelegenheit, den Abend Revue passieren zu lassen. Viele Besucher lobten
Nach der Podiumsdiskussion am Dienstag gab es reichlich Gelegenheit, den Abend Revue passieren zu lassen. Viele Besucher lobten im Gespräch mit den Redakteuren (im Bild Anke Kirsammer) den offenen Schlagabtausch. Fotos: Carsten Riedl

Haben die Bürger bereits entschieden, wem sie bei der Oberbürgermeisterwahl am Sonntag ihre Stimme geben, und wer konnte an dem Abend mehr überzeugen? Anke Kirsammer, Bianca Lütz-Holoch und Iris Häfner haben nach dem Podiumsgespräch in der Stadthalle Stimmen eingefangen. Die Aussagen sind nicht repräsentativ.

Die Veranstaltung sei gut aufgemacht und der Schlagabtausch zwischen den beiden Kontrahenten weitestgehend fair gewesen, so Elke und Klaus Gaiser. Die Redebeiträge mithilfe einer für alle sichtbaren digitalen Zeitanzeige auf zwei Minuten zu begrenzen, kam bei ihnen gut an. Dr. Pascal Bader hatten sie vorher noch nicht gehört. „Die Sympathien lagen bei ihm. Das hat mich überrascht“, sagt Klaus Gaiser. Es sei der Vorteil des Herausforderers, Kritik zu üben.

Über die Stimmung unter den Zuhörern wundert sich Andreas Pflüger. Er hatte auch die Kandidatenvorstellung am Abend zuvor in der Stadthalle besucht und erlebt, dass Angelika Matt-Heidecker da mehr Beifall für sich verbuchen konnte. „Heute war es andersherum.“ Er und Nadja Krauss hatten mit mehr Fragen aus dem Publikum gerechnet. „Es wäre dann aber wahrscheinlich unruhiger geworden“, meint die Kirchheimerin. Angelika Matt-Heidecker und Pascal Bader beantworteten zwei Stunden lang Fragen, die Teckboten-Leser vorab eingesandt hatten. Die Besucher konnten der Amtsinhaberin und dem Bewerber anschließend noch eine halbe Stunde direkt auf den Zahn fühlen. Die Diskussion fand Nadja Krauss „relativ aufschlussreich“. Sie hatte jedoch bereits vorher entschieden, wen sie am Sonntag wählt.

Fotos: Carsten Riedl
Fotos: Carsten Riedl

Eine „Tendenz“ für die Wahl habe sie, sagt Mathilde Maier. Sie hatte vor der Teckboten-Veranstaltung bereits zwei Kandidatenvorstellungen besucht. Für Angelika Matt-Heidecker spreche die lange Erfahrung. Bei Pascal Bader fragt sie sich dagegen, wie lange er zur Einarbeitung braucht und ob das, was er ankündigt, umsetzbar ist. „Ich dachte, das Thema Bildung auch vor der Schule würde im Wahlkampf eine größere Rolle spielen“, gibt Mathilde Maier außerdem zu bedenken. Sie wisse, dass es an Ganztagesangeboten für Unter-Dreijährige und für Über-Dreijährige fehle und viele Kindergärten genauso wie die Schulen Sanierungsbedarf hätten.

Bei wem er sein Kreuzchen macht, steht für Dietmar Rotter auch nach dem Schlagabtausch der beiden Kandidaten in der Stadthalle nicht fest. „Endgültig entscheide ich mich erst kurz vor der Wahl“, sagt er. Dennoch hat ihn der Abend ein gutes Stück vorangebracht: „Die Veranstaltung des Teckboten hat mir geholfen, die beiden Kandidaten besser einschätzen zu können.“ Pascal Bader habe er vor dessen Bewerbung gar nicht gekannt. „Über ihn habe ich zum ersten Mal etwas aus dem Flyer erfahren.“ Spannend fand Dietmar Rotter die Frage, ob politische Ämter zeitlich begrenzt werden sollten, sodass beispielsweise für Oberbürgermeister nach 16 Jahren Schluss wäre. „Nach so langer Zeit läuft man Gefahr, betriebsblind zu werden“, ist er überzeugt. Festgestellt hat er aber auch: „Viele Amtsinhaber kleben an ihrem Sessel und tun alles, nur um im Amt bleiben zu können.“

Für Dario Müller ist das Podiumsgespräch bereits die dritte Wahlkampfveranstaltung, die er besucht. „Ich war schon bei den Kandidatenvorstellungen in Jesingen und Kirchheim“, sagt er. Das persönliche Aufeinandertreffen von Angelika Matt-Heidecker und Pascal Bader hat ihm dabei mit Abstand am besten gefallen. „Das Format war sehr gut und die Veranstaltung äußerst erfrischend“, lautet sein Urteil. Noch lieber hätte er es aber gesehen, wenn die Kandidaten die Fragen nicht schon am Abend zuvor, sondern erst zwei Stunden vor der Veranstaltung bekommen hätten. „Es ist sehr aufschlussreich, wenn sich die Bewerber auch mal außerhalb ihrer Komfortzone bewegen.“ Aus seiner Sicht hat das Podiumsgespräch zur Meinungsbildung beigetragen. „Ich bin sicher, dass dieser Abend die Entscheidung vieler Wähler noch einmal beeinflusst hat.“

Marianne Wiesenfarth lobt die Veranstaltung ebenfalls. „Sie war gut vorbereitet und super gemacht. Die Struktur mit den Fragen hat prima gepasst“, sagt sie. Damit sei Abwechslung in die Kandidatenvorstellung gekommen. „Die Stimmung war in Ordnung, die Resonanz gut. Man will bei solchen Veranstaltungen schließlich spüren, wie die anderen Leute ticken“, freut sie sich über die Reaktionen im Publikum. Mit dem Rad ist sie aus Jesingen in die Stadthalle gekommen und hat es nicht bereut. Pascal Bader hat sie in der Stadt erlebt, jetzt wollte sie beide Kandidaten live auf der Bühne erleben, um sich ein abschließendes Bild machen zu können. „Mir hat die Diskussion was gebracht. Meine schon getroffene Entscheidung wurde heute Abend abgesichert“, sagt sie.

Super interessant fand Leo Diel die Präsentation der Kandidaten und das ganze Drumrum. Der 22-Jährige wollte beide Bewerber für den Oberbürgermeister-Posten im Dialog erleben, um sich ein klares Bild machen zu können, wo er sein Kreuzchen setzt. „Nach 16 Jahren ist es mal Zeit für frischen Wind und neue Ideen“, sagt er. Allerdings bedauert er die Undankbarkeit gegenüber Amtsinhaberin Angelika Matt-Heidecker, die seinem Empfinden nach während des Abends immer wieder von den Zuhörern zu bemerken war. Schließlich habe sie gute Arbeit geleistet. „Beide Kandidaten waren heute Abend auf Augenhöhe“, ist seine Einschätzung.

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