Serie Bahnprojekt

Koloss wird neu zusammengepuzzelt

Neubautrasse Die Tunnelbohrmaschine „Käthchen“ wird derzeit bei Aichelberg wieder aufgestellt. Ab Jahresmitte macht sie sich an die Arbeit: Der Bahntunnel in Richtung Ulm steht an. Von Jürgen Schäfer

Die Tunnelbohrmaschine „Käthchen“ wird bei Aichelberg wieder zusammengesetzt. Foto: Markus Brändli
Die Tunnelbohrmaschine „Käthchen“ wird bei Aichelberg wieder zusammengesetzt. Foto: Markus Brändli

Sie ist wieder da. Zwar noch nicht mit Herzstück, aber in fast voller Länge. Tunnelbohrmaschine „Käthchen“ präsentiert sich an der Basis-Baustelle bei Aichelberg als Zug mit 100 Metern Länge. Der Logistikzug, Nachläufer hinter dem Bohrer, steht aufgereiht am Westportal. Die langen Wagen, die die Nachschub- und Versorgungssysteme tragen, sind zurück aus der Oströhre, die in anderthalbjähriger Bauzeit durch die Filsalb getrieben wurde. Zurück aus der ersten Röhre des Boßlertunnels mit 8 800 Metern Länge, die Richtung Stuttgart führen soll. Im November war der Durchbruch geschafft. Jetzt kommt der Tunnel Richtung Ulm.

Aber das braucht seine Zeit. „Käthchen“ ist geschlaucht von ihrem 8 000 Meter langen Marsch durch den Berg und vom Rück­transport auch. Da müssen die Systeme erst wieder eingerichtet werden, sagt ein Bahnsprecher. Die Energieversorgung, Trafos, Tanks, die Betriebsstoffe, die Förderbänder für den Abraum und den Nachschub von Tunnelwand. Gleich hinter dem Bohrer wurden die sogenannten Tübbinge an die Röhrenwand gedrückt und verbaut, in Ringen aus je sieben großen Betonschalen, im Takt von zwei Metern.

Als Fragment kam Käthchen wieder in Aichelberg an. In Tausende Teile wurde sie zerlegt und zerschnitten. Nur so kam sie aus dem Tunnel wieder heraus, den sie selbst gegraben hatte. Der Bohrer vor allem, für sich schon ein Ungetüm von 11,39 Metern Durchmesser, war ein Fall für das Ingenieurs-Puzzle. Das Schneidrad ging nur vorwärts, weil sich hinter ihm die Tunnelwand schloss. Der Betonring verengt die Röhre, die Käthchen herausfräst. Und mit ein bisschen Abschrauben des Zylinders, der hinter dem Schneidrad steckt, dem sogenannten Bohrschildmantel, ist es eben nicht getan, sagt der Bahnsprecher. Komplette Demontage musste sein.

Am Portal in Aichelberg wächst das Kernstück langsam wieder zusammen. Der Bohrkopf ist aufgerichtet, Mechaniker arbeiten Tag und Nacht. Er hat noch einen V-förmigen Einschnitt am Scheitel. Vom Schneidrad ist noch nichts zu sehen.

Drei Monate muss man für den (Wieder-)Aufbau von Käthchen rechnen, sagt ein Bahnsprecher. Nicht anders als beim ersten Antritt. Da kam die Maschine auch in Teilen. Und wenn Käthchen wieder auf festen Beinen steht, ein Koloss von 2 500 Tonnen, braucht es noch mal Zeit, um sie startklar zu machen. Bis gegen Jahresmitte dürfte das dauern, sagt der Bahnsprecher. Den Tag des Neustarts kenne man heute noch nicht.

Einen Tag der offenen Baustelle wird es dazu nach jetzigem Stand eher nicht geben. Denn: Fast zeitgleich und nur zehn Kilometer entfernt soll bei Kirchheim der Baustart für den Albvorland-Tunnel erfolgen, sagt der Bahnsprecher. Dort sind gleich zwei Maschinen im Einsatz, für jede Röhre eine. Für die Bahn ist Kirchheim „nebendran“, es gibt dort traditionell eine Tunneltaufe, und so werde man wohl auf ein paralleles Baustellenfest in Aichelberg verzichten.

Viel Tunnelstrecke auf der Neubautrasse

Länge Der Boßlertunnel ist der längste Tunnel zwischen Wendlingen und Ulm. Länger auf der Gesamtstrecke ist nur der Fildertunnel mit 9 468 Metern. Der Albvorlandtunnel zwischen Kirchheim und Wendlingen hat 8 176 Meter, der Albabstiegstunnel Richtung Ulm 5 940 Meter.

Durchmesser Das Schneidrad von Käthchen ist mit 11,39 Metern Durchmesser das derzeit größte im Bereich der Deutschen Bahn, sagt ein Bahnsprecher. Das dürften ihr auch die beiden Maschinen für den Albvorlandtunnel nicht streitig machen. Die haben Presseberichten zufolge rund zehn Meter.js

Anzeige