Serie Bahnprojekt

Studie soll Tunnelbau untersuchen

Verkehr Der Lenninger Gemeinderat verspricht sich von einer neuen Idee eine enorme Entlastung der Bürger. Die Behörden sollen prüfen, was überhaupt möglich ist. Von Anke Kirsammer

Dicht an dicht fahren Autos und Laster über die B 465. Lenningen plant nun eine Verkehrszählung, um aktuelle Daten zu haben. Fot
Dicht an dicht fahren Autos und Laster über die B 465. Lenningen plant nun eine Verkehrszählung, um aktuelle Daten zu haben. Foto: Jean-Luc Jacques

Muldenkipper, die in Kolonnen über Schachtdeckel donnern und durchs Tal dröhnende Motorräder - die Anwohner der B 465 in Owen und Lenningen leben durch die Bundesstraße mit einer erheblichen Geräuschkulisse. Eine leichte Entlastung bringen durch den Lärmaktionsplan angeschobene Maßnahmen wie ein Reduzieren des Tempos zwischen den Ortschaften, nivellierte Schächte und ein lärmmindernder Asphalt, doch verschwinden Schwerlaster und Autos deshalb nicht von der Durchgangsstraße. Lenningens Bürgermeister Michael Schlecht und der Gemeinderat drängen nun auf eine ganz andere Lösung: Eine Machbarkeitsstudie soll zeigen, ob ein Tunnel die vom Verkehr gebeutelte Kommune entlasten könnte. Die Gemeinde will das Regierungspräsidium Stuttgart und das Bundesverkehrsministerium bitten, eine entsprechende Studie zu erstellen. „Wir wollen Klarheit“, sagt Schlecht.

Anlass für den Vorstoß Lenningens ist die Fortschreibung des Regionalverkehrsplans. Das Papier setzt in Lenningen ausschließlich auf die seit Jahrzehnten freigehaltene, westlich der Ortschaften verlaufende Trasse. Die Begründung hält Schlecht für erstaunlich, denn das Planwerk stuft die Umfahrung als verkehrlich hoch wirksam ein. Zudem würde sie Schadstoffe und Lärm vermeiden. Gegen die Umgehung sprechen den Verfassern des Plans zufolge jedoch die topografische und landschaftliche Situation, das Durchschneiden von Schutzgebieten und der von der Owener Adlerkreuzung an deutlich abnehmende Verkehr. „Man vergisst die Länge der Ortsdurchfahrten von über vier Kilometern und die Anzahl der betroffenen Menschen“, gibt der Bürgermeister zu bedenken. Er weist darauf hin, dass die Wohnbebauung inzwischen längst an die Trasse herangerückt ist und das Verkehrsproblem bei einer oberirdischen Umfahrung nur verlagert würde.

Die Tunnelidee hält Schlecht nicht für aussichtslos. Auch der Albvorlandtunnel sei einmal kürzer geplant gewesen. „Wir müssen beginnen, das Brett zu bohren, auch wenn es ein dickes Brett ist. Nur hinstehen und nichts tun, können wir unseren Nachfahren nicht zumuten.“ Der Rathauschef ist von einer weiteren Zunahme des Individual- und des Schwerlastverkehrs überzeugt. Die reine Trassenfreihaltung bezeichnet er als „Schlaftablette“. Die Gemeinde sei es den Anwohnern der B 465 schuldig, fordernd aufzutreten.

TB-Grafik David Hofmann
TB-Grafik David Hofmann

In einem ersten Schritt soll zwischen Pfingsten und den Sommerferien eine Woche lang gezählt werden, wie viel Transit- beziehungsweise Zielverkehr zwischen dem Ortseingang von Brucken und dem Ortsausgang von Oberlenningen unterwegs ist. Dafür rechnet der Verwaltungschef mit Kosten in Höhe von rund 6 000 Euro.

Einstimmig stellte sich das Ratsgremium hinter das Ansinnen Schlechts: Armin Diez würde sich von einer Tunnel-Umfahrung unter anderem eine verbesserte Wohnqualität und eine bessere Anbindung an die Autobahn versprechen. „Eidechsen, Schmetterlinge - alles wird geschützt. Aber wer schützt den Menschen?“, fragte Wolfgang Tröscher provokativ. Ein Tunnel sei zwar eine Vision. Man habe aber auch gegenüber den nachfolgenden Generationen eine Verantwortung. Ulrich Jaudas gab indes zu bedenken, man müsse auch sehen, welche Ströme ein besserer Verkehrsfluss anziehe. Karl Boßler, der schon länger angemahnt hatte, den Bau eines Tunnels zu fordern, meinte, das sei der einzige Weg, Lenningen attraktiver zu machen. Jürgen Rau bezeichnete es als riesigen Fehler, dass das Thema Umfahrung vor 35 Jahren nicht weiterverfolgt wurde. Georg Zwingmann trat auch für den Verwaltungsvorschlag ein, warnte allerdings vor zu viel Euphorie und erinnerte an frühere Verkehrszählungen. „Wir waren hell entsetzt darüber, wie viel Quellverkehr in Lenningen bleibt.“

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