Serie Bahnprojekt

Unter Tage ist jede Menge Musik drin

Barbarafeier: Tunnelbauer, die am Boßler- und Steinbühltunnel im Einsatz sind, danken der Schutzpatronin

Ab 2021 sollen Züge durch ihn rollen – doch am Donnerstag hat sich der Steinbühltunnel bei Hohenstadt in einen Konzertsaal verwandelt. Das Göppinger Jugendsinfonieorchester spielte dort zur Barbarafeier auf.

Gut 400 geladene Gäste haben in einer der beiden Röhren des Steinbühltunnels das Barbarafest gefeiert.Foto: db
Gut 400 geladene Gäste haben in einer der beiden Röhren des Steinbühltunnels das Barbarafest gefeiert.Foto: db

Hohenstadt. Normalerweise wird an den beiden Albaufstiegstunneln der ICE-Neubaustrecke rund um die Uhr geschuftet, gesprengt und gebaggert. Am Donnerstag blieben aber alle Räder still, die Arbeit ruhte: Gut 400 geladene Gäste, darunter 350 Tunnelbauer, haben in einer der beiden Röhren des Steinbühltunnels ihr traditionelles Barbarafest gefeiert – dieses findet immer am 4. Dezember zu Ehren der Schutzpatronin der Bergarbeiter statt.

„Wir feiern unsere Leistung, die wir im vergangenen Jahr erbracht haben“, sagte Kurt Joham von der Geschäftsführung der Arbeitsgemeinschaft Tunnel Albaufstieg. Abgesehen von kleineren Unfällen sei man 2014 von Unglücken bewahrt worden, deshalb gelte der Heiligen Barbara der Dank. Doch auf die Schutzpatronin allein dürfe man sich nicht verlassen. Joham appellierte an die Eigenverantwortung der Mitarbeiter und an die Pflicht der Firmen, ihren Beschäftigten ein sicheres Arbeitsumfeld zu bieten.

Joham gab auch einen kleinen Rückblick: So wurde der Steinbühltunnel in diesem Jahr 4 000 Meter vorgetrieben, beim Boßlertunnel waren es 1 100 Meter. Seit Beginn der Arbeiten im Juni 2013 sind damit 7,5 von 20 Kilometern Tunnel geschafft worden. Ab Januar soll es ans Eingemachte gehen. Dann wird sich die riesige Tunnelbohrmaschine „Käthchen“ von Aichelberg aus in den Boßler graben.

Nach einem Grußwort von Bahn-Projektleiter Matthias Breidenstein sowie nach der Andacht mit Betriebsseelsorger Wolfgang Herrmann und dem Weilheimer Pfarrer Hermann Ehrensperger gab es den Höhepunkt der Feier: das laut Kurt Joham weltweit erste Konzert in einer Tunnelbaustelle. Unter der Leitung von Dirigent Martin Gunkel spielte das Jugendsinfonieorchester aus Göppingen die Sinfonie Nr. 9 „Aus der Neuen Welt“ von Antonin Dvorˇák. Dank der hervorragenden Akustik in der zehn Meter breiten Tunnelröhre und dem Können der Musiker geriet das 40-minütige Stück zu einem einzigartigen Klangerlebnis. Schade nur, dass nicht alle Tunnelbauer den musikalischen Leckerbissen zu hören bekamen – viele Mineure zogen es vor, in der Küche des Containerdorfes vorzufeiern, und stießen erst später zur Festgesellschaft in den Steinbühltunnel.

Das Jugendsinfonieorchester aus Göppingen spielte das weltweit erste Konzert in einer Tunnelbaustelle.Foto: Sabrina Balzer
Das Jugendsinfonieorchester aus Göppingen spielte das weltweit erste Konzert in einer Tunnelbaustelle.Foto: Sabrina Balzer
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