Serie Weihnachtsaktion

Wenn der kleine Chef das Sagen hat

Babykrise „Wellcome“ unterstützt junge Familien, bei denen sich alles nur noch um das Baby dreht. Die Teckboten-Weihnachtsaktion fördert das Projekt. Von Melissa Seitz

Wenn alles zu viel wird und man als frisch gebackene Mutter mal eine Auszeit braucht, sind die „Wellcome“-Engel zu Stelle.Foto:
Wenn alles zu viel wird und man als frisch gebackene Mutter mal eine Auszeit braucht, sind die „Wellcome“-Engel zu Stelle.Foto: pm

Alles geht so schnell. Neun Monate vergehen wie im Flug und plötzlich ist es da, das eigene Kind. Eigentlich hatte man doch genug Zeit, sich auf alles vorzubereiten, und nun steht man doch hilflos da. Für das Baby ist keine Gebrauchsanweisung zu finden, und Auszeiten stehen nicht mehr auf der Tagesordnung. Plötzlich hat der kleine Chef das Sagen. Der Tag wird bestimmt vom Windelwechseln, Fläschchengeben und nächtlichem Geschrei. Wenn junge Familien ihr erstes Baby bekommen, ist die Freude riesig, doch die Hilflosigkeit leider auch.

Jungen Familien steht das „Wellcome“-Team mit Rat und Tat zur Seite. „Nachbarschaftshilfe ist nicht mehr das, was es einmal war,“ sagt Christoph Tangl, Leiter der Familien-Bildungsstätte. „Familie und Freunde wohnen auch oft zu weit weg, um kurz vorbeizukommen und zu helfen.“ Bei „Wellcome“ greifen ehrenamtliche Mitarbeiter schon seit drei Jahren Familien unter die Arme und sorgen für die nötige Entlastung im Alltag.

Nach der Entbindungsstation und den Besuchen der Hebamme kommt dann auf Wunsch das „Wellcome“-Team ins Spiel. „Unsere ehrenamtlichen Mitarbeiter sind drei Monate in einer Familie, die Unterstützung benötigt“, erklärt Gabriele Schäfer, „in Ausnahmefällen sogar länger.“ Gabriele Schäfer ist die Koordinatorin von „Well­come“. Sie bringt Familien und „Wellcome-­Engel“, wie die ehrenamtlichen Helfer genannt werden, zusammen.

Doch wer glaubt, die Damen machen den Abwasch, saugen durch die Wohnung und stauben ab, der täuscht sich. Gemeinsam Kaffee trinken oder für ein paar Minuten das Baby auf den Arm nehmen, reichen oft schon aus. Gabriele Schäfer erklärt: „Es geht manchmal nur darum, jemanden zum Reden zu haben und sich auszutauschen.“ Sicherheit ist das, was die ehrenamtlichen Mitarbeiter den Eltern geben sollen. In einer komplett neuen Situation als Mama und Papa ist die Sicherheit nämlich eher Mangelware. Nächtliche Schreianfälle, über die sich die Eltern zuvor den Kopf zerbrochen haben, entpuppen sich in Gesprächen mit dem „Wellcome-Engel“ dann plötzlich als völlig normal.

Bewusst begleiten die Mitarbeiter von „Wellcome“ die Familien nur für drei Monate. Denn, wie Christoph Tangl erklärt, hat das Projekt eine „Lotsenfunktion“. Es soll Menschen in ihrer neuen Rolle als Eltern begleiten. „Manchmal stellte sich auch heraus, dass die Familien wirklich professionelle Hilfe brauchen,“ stellt Gabriele Schäfer fest, „und darauf sind wir nicht ausgelegt.“ Doch in der Regel besucht der „Wellcome-Engel“ ein- bis zweimal in der Woche seine zugeteilte Familie in den ersten Wochen und Monaten nach der Geburt. Für jeden Besuch nimmt er sich zwei bis drei Stunden Zeit.

Zu einer stabilen und funktionierenden Familie gehört aber auch ein intaktes soziales Umfeld. Die Familien-Bildungsstätte leistet auch hier ihren Beitrag: „Natürlich ist es umso besser, wenn die Familien auch an Eltern-Kind-Kursen, pädagogischen Vorträgen oder Ähnlichem teilnehmen.“ Denn nur so kommt man mit anderen Eltern in Kontakt, tauscht sich aus und merkt, dass man nicht alleine ist mit seinen Problemen.

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