Forstwirtschaft
Überraschungen im Dettinger Wald

Wider Erwarten musste sich der Revierförster mit dem Borkenkäfer herumschlagen, dafür bleibt ein Weg durch die neue Kernzone bestehen. 

Der Wald auf dem Dettinger Käppele wird auf den Lotharflächen durchforstet. Foto: Carsten Riedl

Wie geht’s dem Wald allgemein und wie sehen die Pläne für den Dettinger Wald aus? Diese und weitere Fragen beantworteten Sandra Neuwersch, stellvertretende Leiterin des Kreisforstamts, und Revierförs­ter Benjamin Fischer. „Der nasse Winter und das nasse Frühjahr waren gut für den Wald und die Kulturen. Dieses Jahr bedeutete eine Erholung für die Bäume“, ging Sandra Neuwersch auf die allgemeine Lage ein. Fichte und Buche gehe es so gut wie letztmals 2018. Bergahorn und Eiche zählt sie zu den leichten Gewinnern, Verlierer seien dagegen Weißtanne, Kiefer und Douglasie. In der Tendenz erhole sich der Wald. „Beim Preis hat die Fichte vielerorts die 100-Euro-Marke geknackt, deshalb können wir zufrieden sein“, lautete ihre Bilanz.

Schön, wenn der gesunde Menschenverstand über das Gesetz siegt.

Bürgermeister Rainer Haußmann

Die fiel von Revierförster Benjamin Fischer differenzierter aus. „Trotz regelmäßiger Kontrollen gab es einen höheren Befall von Borkenkäfern. Dieses Jahr hat es uns an zwei Stellen erwischt – wo die Tiere herkommen, weiß ich nicht. Das war nicht absehbar. Es gab ringsum keinen Befall. Das macht es schwierig, die Ursache zu finden. Ich hoffe, dass es nicht weitergeht“, sagte er. Wenig erfreut ist er auch darüber, dass die Tannen zunehmend Schäden nehmen. Durch die niedrigen Wasserstände seien sie sehr bedürftig gewesen. „Im Sommer war es zu trocken.“

Zufrieden ist er dagegen mit dem neuen Brennholz-Verkaufsportal. „Das hat problemlos funktioniert – auch bei der Ü80-Generation. Mir ist keine Meldung bekannt, dass ein Interessent nichts bekommen hat“, freut er sich über diese Möglichkeit, Brennholz zu verkaufen. Ebenso darüber, dass sich die Nachfrage nach Brennholz nach dem Hype wegen der Energiekrise wieder eingependelt hat.

Brennholz ist für alle da

Diese Aussage erfreute wiederum Bürgermeister Rainer Haußmann: „Es ist genug Holz da“, erklärte er. Benjamin Fischer konnte bestätigen, dass der größte Teil der Brennholzabnehmer aus Dettingen kommt. „Owen hat nicht viel Wald, dazu noch viel in Steillagen. Auch der Brennholzmarkt ist ein Markt – man geht auch als Dettinger mal zum Bäcker im Lenninger Tal“, warb er für nachbarschaftliches Miteinander. Sandra Neuwersch ergänzte: „Dank des Portals haben wir auch ganz neue Kunden gewonnen – sie wollen beispielsweise gezielt einen Polter kaufen.“

Im laufenden Forstjahr will Benjamin Fischer 1650 Festmeter Holz fällen. Davon beträgt der Nadelholzanteil 480, der Laubholzanteil 780 Festmeter. Wo Bäume wegfallen, sollen unter anderem Roteiche und Spitzahorn gepflanzt werden. „Wir wissen nicht, wo die Reise mit den Baumarten der Zukunft hingeht“, sagte er in Bezug auf den Klimawandel. 

Bei den Durchforstungsflächen von insgesamt 37,6 Hektar will er sich auf die Lotharflächen konzentrieren. „Das ist eine Investition in die Zukunft. Das ist zwar aufwendig, man kann dafür die Weichen in positive Richtung stellen. Dann haben wir fünf bis sechs Jahre Ruhe – und dann ist die Pflege auch nicht mehr so aufwendig“, so der Förster. 

Naturverjüngung ist im Dettinger Wald nicht ganz so einfach. Gibt es keine erwachsenen Bäume in der Nähe, können sie für keinen Samen sorgen und der Mensch muss mit aufwendiger Aufforstungen nachhelfen. Solchen Flächen müssen gemäht und das Wild für etwa zehn Jahre von den Bäumchen ferngehalten werden. „Dann kann man sie wachsen lassen“, sagte Benjamin Fischer, der seinen Plan mit einem Minus von rund 5000 Euro abschließen muss.

Weg durch den Bannwald

Künftig verfügt Dettingen über einen Bannwald, der für die Kernzone des Biosphärengebiets Schwäbische Alb ausgewiesen wird, in dem die Gemeinde künftig Mitglied ist. Ein Fünftel der Gemeindewaldfläche muss Kernzone sein. „Das ist ein kompletter Jahreseinschlag, der in der Kernzone steht – und der fehlt“, erklärte Benjamin Fischer.

„Die Wegeunterhaltung war bezüglich der Kernzone ein Schwerpunkt. Die Zusammenarbeit mit sämtlichen Beteiligten war vertrauensvoll“, urteilte der Förster. Der Weg zum Hochbehälter Nonnenbrunnen bleibt bestehen. „Er ist umgeben von Privatwald und die Besitzer stellten die Frage: Wie komme ich da hin?“, sagte Benjamin Fischer. Mit Augenmaß und praxisorientiert sei eine Lösung gefunden worden. „Es sind mehr Wege offen als angedacht, aber die Bedenken konnten ausgeräumt werden.“ Wege aufzugeben, um sie dann später womöglich wieder ertüchtigen zu müssen, würde auf wenig Verständnis stoßen. „Den Weg mitten durch die Fläche dürfen wir lassen – wir haben so für alle Seiten eine gute Lösung gefunden“, urteilte Rainer Haußmann.

Regelungsbereinigungsgesetz

Eine weitere gute Nachricht hatte Sandra Neuwersch im Gepäck: Die erhöhte Verkehrssicherungspflicht entfällt. Das Zauberwort dafür heißt Regelungsbereinigungsgesetz. „Ich mach’ das gerne und kontrolliere die Bäume, das ist wie ein Waldspaziergang mit Blick nach oben“, erklärte Benjamin Fischer mit einem Augenzwinkern. Künftig ist er der Aufgabe enthoben, alle Waldbäume, die rund um Bänke und Infoschilder stehen, regelmäßig akribisch zu kontrollieren. „Schön, wenn der gesunde Menschenverstand über das Gesetz siegt“, lautete das Urteil des Schultes.