Rathaus
100 Tage im Amt: Wie war der Start für Jens Fritz in Bissingen?

Seit April ist Jens Fritz Bürgermeister in Bissingen. Der frühere Fachbereichsleiter Liegenschaften in Wendlingen hat eine engagierte und aufgeschlossene Gemeinde vorgefunden.

Bürgermeister Jens Fritz ist in Bissingen angekommen. Foto: Ralf Just

Mit einem überwältigenden Wahlergebnis und großem Vertrauensvorschuss startete Jens Fritz in seine erste Amtszeit als Bürgermeister in Bissingen. Zuletzt leitete der studierte Verwaltungsfachmann den Fachbereich Liegenschaften im Wendlinger Rathaus. Jetzt lenkt er mit viel Engagement und neuen Ideen die Geschicke der rund 3500 Einwohner zählenden Gemeinde an der Teck mit dem Ortsteil Ochsenwang auf der Schwäbischen Alb. Genau heute hat er die symbolträchtige Marke von 100 Tagen erreicht. Zeit für eine erste Bilanz.

Das Interesse an der Bürgermeisterwahl war groß

„Es war für mich ein sehr positiver Start“, sagt Jens Fritz im Gespräch mit unserer Zeitung im Bissinger Rathaus. „Ich wurde bereits im Wahlkampf von der Bevölkerung gut aufgenommen.“ Das habe den Start deutlich erleichtert. Und schon seien drei Monate herum, „das ging ganz schnell“, blickt der 32-Jährige auf „gute Kontakte und gute Gespräche“ mit den Bissinger Bürgerinnen und Bürgern zurück. In viele Themen habe er sich relativ schnell einarbeiten können.

Der erste Wahldurchgang, als der Gemeinderat Siegfried Nägele knapp über 50 Prozent der Stimmen gegen zwei Kandidaten errang, obwohl er gar nicht auf dem Wahlzettel stand, hatte der kleinen Gemeinde am Fuße der Alb kurzfristig ein mediales Medienecho beschert. Selbst ins Fernsehen schaffte es die schwäbische Kommune. In der Sendung „Wer weiß denn so was?“ im Ersten war die Bissinger Bürgermeisterwahl aufgegriffen worden. Bis in die USA sei die Gemeinde berühmt geworden, schmunzelt Fritz und erzählt, dass dort ein Radiosender die kuriose Geschichte aus Germany zum Besten gegeben habe. Manche hätten ihn angesprochen, ob die Leute in Bissingen „ein bissle spezieller“ seien, aufgrund dieser Vorgeschichte. Da habe er beruhigen können, die Bissinger seien „nicht rebellisch, sondern es habe an der Sondersituation bei der Wahl gelegen, dass sie sich mit ihrem Votum zusammengeschlossen“ hätten, verteidigt er die Bissinger Wähler, „aber die Leute sind jetzt froh, dass alles wieder in ruhigeren und geregelten Bahnen läuft.“

Fritz, der – nachdem Nägele die Wahl nicht angenommen hatte, sich erst beim zweiten Wahlgang als einziger Bürgermeisterkandidat beworben hatte und mit 97,74 Prozent der Stimmen gewählt wurde, hat sich rasch in Bissingen eingelebt. Angesichts der Größe der kleinen Gemeinde ist das Bauamt mit Liegenschaften beim Bürgermeister angesiedelt. Das ist natürlich von Vorteil, sagt Fritz, dass er seine Erfahrungen als Fachbereichsleiter für Liegenschaften auch hier sich zunutze machen kann. Dennoch, so Fritz auf Nachfrage, sei nun seine Aufgabe eine ganz andere, auch wenn er vorher bereits in einer Führungsposition war. Als Bürgermeister habe man am Ende natürlich die Gesamtverantwortung für eine Gemeinde. „Ich habe mir das ja gut überlegt und mich entsprechend darauf vorbereitet“, sagt er.

Was waren die ersten Herausforderungen im Amt?

Jens Fritz hat die Zeit nach der Wahl, neben all den Aufgaben eines Verwaltungschefs, dafür genutzt, die Gemeinde mit ihren Bewohnern und handelnden Akteuren, mit den verschiedenen Themen und Zusammenhängen im Detail kennenzulernen. Denn obwohl er sich im Vorfeld bereits viel informiert hatte, bis zur Wahl und bis zum Amtsantritt mindestens einmal die Woche in Bissingen war, sei es nochmals etwas ganz anderes, „wenn man die persönlichen und spezifischen Begebenheiten vor Ort kennenlernt“, sagt er. Das sei sicherlich etwas, was über diese 100 Tage hinausgehe. Da sei er auch dankbar für die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in der Verwaltung und für die Vertreter im Gemeinderat, die ihm dabei behilflich seien und ihm gute Hinweise und Informationen an die Hand geben. Auch mit seinem Vorgänger Marcel Musolf, dem Landrat, habe er sich ein paar Mal getroffen. Daher sei er schon relativ gut informiert gewesen, aber kleine Überraschungen im positiven wie negativen Sinne gebe es natürlich immer wieder. „Das ist auch gut so“, schätzt Fritz an seinem abwechslungsreichen Amt. „Es sind die unterschiedlichen Themen, die anstehen und sich unterschiedlich entwickeln. Es gibt immer wieder etwas Neues.“

Fritz spricht ein Thema an, das in vielen Kommunen bekannt sein dürfte: Ganz plötzlich taucht ein akutes Problem in einer Kindertageseinrichtung auf. Gleich am zweiten Tag als Bürgermeister sei er in die Teambesprechungen gegangen, um sich ein Bild davon zu machen, wie die Kommune als Träger unterstützen könne. „Wir haben uns dann gemeinsam auf einen guten Weg begeben“, gibt er sich positiv gestimmt angesichts der Erfahrung, die er bislang in Bissingen gemacht hat: Hier wolle man an einem Strang ziehen, um Probleme und Herausforderungen positiv zu lösen.

Mitten im Gespräch mit unserer Zeitung klopft es an der Tür und die Hauptamtsleiterin steckt den Kopf in den Raum: „Der Naturkindergarten ist da.“ Die Kinder kommen nicht ganz überraschend. Bei der großen Hitze war Fritz am Vortag in Bissinger und Ochsenwanger Kindergärten unterwegs, um jedem Kind eine kühle Überraschung vorbeizubringen. Natürlich keine Dauereinrichtung, aber angesichts der ungewöhnlich hohen Temperaturen eine besondere Geste des Bürgermeisters. Und weil die Kinder des Naturkindergartens tags zuvor im Wald unterwegs waren, wollte Fritz die Kleinsten selbstverständlich nicht übergehen und hat sie stattdessen ins Rathaus zum Eisessen eingeladen.

Konnte er schon neue Projekte anstoßen?

Durch die Arbeit seines Vorgängers in der Vergangenheit ist schon viel in der Gemeinde passiert. Jens Fritz freut sich, bereits angestoßene Projekte fortzuführen oder entsprechend weiterentwickeln zu können. Wie beispielsweise die Sportplatzsanierung, aber auch die Entwicklung des Gewerbegebiets Fürhaupten. „Ich habe eine Gemeinde vorgefunden, die sehr aktiv ist“, freut er sich. „Mein Arbeitsanteil an diesen Projekten ist daher eher gering.“ Aber es gibt weitere Projekte, wie die Ortskernsanierung, die weitergeführt werden sollen. Und auch ein Anbau an die Gemeindehalle wurde schon im Zusammenhang des Rechtsanspruchs auf Ganztagsbetreuung in der Grundschule diskutiert, bevor er Bürgermeister geworden ist, vor allem angesichts einer nicht leichten Haushaltslage. Dies werde ihn und den Gemeinderat weiterhin beschäftigen, wie bereits in der jüngst stattgefundenen Klausurtagung, wo sie sich gemeinsam überlegt hätten, wie sich solche Großprojekte künftig stemmen ließen. „Denn da sind wir uns alle einig, es ist wichtig, Investitionen in die Zukunft zu tätigen. Wir müssen uns aber gleichzeitig fragen, wo man ohne größere Verluste finanzielle Abstriche machen kann“, sagt Fritz.

Umso zuversichtlicher ist der neue Bürgermeister, dass er ein „sehr konstruktives und positives Gemeinderatsgremium vorgefunden“ hat. Genauso wie die Gemeindeverwaltung, wo er mit jedem Mitarbeiter und jeder Mitarbeiterin Einzelgespräche zum besseren Kennenlernen geführt hat. Einige Kontakte habe es auch im Vorfeld der Kandidatur bereits gegeben. Nach mehreren Gemeinderatssitzungen, einer Sondersitzung und einer Klausurtagung fühlt sich Fritz vom Gemeinderat sehr gut aufgenommen. „Man ist hier sehr an der Sache interessiert.“ Fritz ist daher überzeugt, dass Projekte oder schwierige Themen konstruktiv bearbeitet werden. „Ich habe einen sehr guten Eindruck“, meint Fritz, „und das ist nicht nur so dahingesagt, es zieht sich einfach so durch. Mir scheint, es interessiert die Menschen, dass in ihrem Bissingen alles gut funktioniert.“

Zwei Ortsteile, wovon einer auf der Alb liegt

Und das sei im Ortsteil Ochsenwang nicht anders. Fritz hat das Gefühl, dass „es ein gutes Zusammengehörigkeitsgefühl zwischen Bissingen und Ochsenwang gibt“. 50 Jahre nach der Gemeindereform wird am 16. August das besondere Jubiläum der Eingemeindung Ochsenwangs nach Bissingen gefeiert. Gerade ist man an den Vorbereitungen zum Festakt, der im Rahmen des jährlichen Hülenhocks stattfinden wird. „Kein riesiges oder rauschendes Fest ist geplant, sondern ein Heimatabend. Wir wollen uns das Ganze nochmals historisch bewusst machen und dann gemütlich essen und trinken mit Musik. Die Leute sind froh, dass es damals so gekommen ist“, weiß Fritz. Und es wird eine gemeinsame Wanderung von Bissingen auf die Alb nach Ochsenwang geben, an der der neue Bürgermeister selbstverständlich teilnehmen wird. Dabei wird Fritz viele Gespräche führen und viele neue Gesichter kennenlernen, worauf er sich schon freut.

Dass dabei auch junge Familien und Jugendliche nicht vergessen werden, das scheint sich auch an den vielen im Ortskern sanierten Bauernhöfen und Häusern widerzuspiegeln. Bissingen ist auch beliebt als Wohnort. Und das liegt nach Fritz’ Auffassung auch am hervorragenden Vereinsangebot und an der Sport- und Freizeitanlage, nicht zu vergessen am Badesee mitten im Ort. Wo gibt es noch so was? Ohne sich auf ein bestimmtes Datum festzulegen, will der 32-Jährige den Social Media Auftritt der Kommune forcieren, den es bis dato noch nicht gibt. Und freilich will er auch die Bürger in den Prozess der Beteiligung einbinden. Das sei abhängig vom Thema, sagt er. Da gebe es nicht das Patentrezept, das sich einfach überstülpen ließe. Man müsse projekt- und themenbezogen schauen, wie man die Leute beteiligen könne. Das könnten auch bestimmte Personengruppen oder Betroffene sein. „Wichtig ist, dass man die Leute mitnimmt“, sagt Fritz. Unabhängig davon will er den Bürgern jederzeit die Möglichkeit geben, mit ihrem Anliegen zum Bürgermeister zu kommen. „Ich habe sowohl eine Bürgersprechstunde in Bissingen als auch in Ochsenwang.“

Ein großer Vertrauensvorschuss

Jetzt noch ganz am Anfang – an was will sich Bürgermeister Fritz in ein paar Jahren messen lassen? Er hoffe, dass die Leute, die ihn gewählt haben, auch dann noch sagen: „Ja, das war die richtige Entscheidung, den Fritz zu wählen.“ Er wolle das ihm entgegengebrachte Vertrauen der Bevölkerung mit guten Entscheidungen wieder zurückgeben. „Das ist mein Ziel, und dafür arbeite ich.“