Jubiläumskonzert
30 Jahre „anima musica“ Neidlingen: Ein Hammer in Dur und Moll

Stimmgewaltig und eindrucksvoll feiern die Neidlinger Chöre „30 Jahre anima musica“ – gleichfalls grandios Pianist Peter Grabinger, Moderator Martin Seidler und Sängerin Regina Stegmüller.

Auch ein Abba-Medley gehörte zum Programm des Jubiläumskonzerts. Foto: Sabine Ackermann

Ein Onkel, der Gutes mitbringt, ist manchmal besser als die Tante, die am Klavier spielt“, eröffnet Neidlingens Bürgermeister Jürgen Ebler das Jubiläumskonzert und bedankt sich im Namen des Gemeinderats bei Gabriele Grabinger und dem Chor für: „30 Jahre Arbeit, wunderbare Musikstücke und Darbietungen“ mit einem Gutschein über 300 Euro. Auch Vereinsvertreter Dietmar Brendel hatte einen Obolus im Gepäck. „Das können wir brauchen, damit schaffen wir neue Noten an“, verrät die Chorleiterin, die seit 15 Jahren alles aus ihren aktuell 23 Sängerinnen herausholt.

Neidlingen ist die heimliche Chormetropole der Schwäbischen Alb.

Martin Seidler, Moderator des Jubiläumskonzerts

Und der Chor „Anima Musica“ traut sich was, zeigt mit der Titel-Auswahl, dass sie jedes Genre exzellent bedienen können. Kaum drücken sie mit „Sing Songs of Joy“ die Freude am Gesang aus, beweisen sie in Johannes Brahms Komposition „Da unten im Tale“, dass es zwischen den Liebenden um 1860 nicht immer ehrlich zuging: „Sprichst allweil von Lieb‘, sprichst allweil von Treu‘ und a bissele Falschheit is au wohl dabei!“, heißt es in einer Strophe, heute eher bekannt im Reality-TV. Noch beseelter, das alpenländische Dialekt-Stück „Is scho still uman See“, in dem es ums „Verlieben und Verlassen werden“, geht.

Dann wird es laut SWR-Moderator Martin Seidler offiziell: „Neidlingen ist die heimliche Chormetropole der Schwäbischen Alb. Aus dem Liederkranz entwickelten sich Anima Musica, die Ladies und die Sweet Cherries“. Passend folgte darauf das gemeinsam gesungene Stück „Brücke aus Stein“, welches wie jede Darbietung „beflügelt von Peter Grabinger, dem Zauberer der 88 Tasten“ perfekt begleitet wurde.

1 von 19
Neidlingens Bürgermeister Jürgen Ebler überreicht Gabriele Grabinger einen Jubiläumsscheck
Der Chor Anima Musica
Sängerin, Schauspielerin und Solistin Regina Steegmüller
Chorleiterin Katharina mit dem Neidliner Kinderchor Sweet Cherries
Das Ehepaar Gabi und Pianist Peter Grabinger (SWR Pop und Poesie) lauscht dem SWR-Moderator Martin Seidler (Landesschau / Kaffee oder Tee)

Dann waren die Süßkirschen dran, brachten das Publikum unter der Leitung von Katharina Siegel mit „Unstoppable“ (Sia), „Wunderfinder“ (Alexa Feser) sowie Beethovens „Freude schöner Götter funken“ zum Toben. „Ihr seid super! Wirklich, ich mein das so“, haut Martin Seidler raus. Kaum auf der Bühne, imitierte er sprachlich gekonnt den Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki sowie Panikrocker Udo Lindenberg, die einen launigen Dialog über „Anima Musica“ hielten. Sympathisch, bodenständig und schlagfertig stellt er sich nie, wie manch andere Kollegen, in den Vordergrund, vielmehr stellte er am Anfang rein optisch gesehen das Gründungsalter des Jubiläum-Chors in Frage, bat die Sängerinnen, ihr Dabeisein per Handzeichen bei 30, 20, und 10 Jahren zu verraten. Schon da beweist sich der 61-Jährige Bochumer als smarter Menschenfreund – so wie Regina Steegmüller, die Wunderwaffe mit Wumms. Die von „Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellte“ Sängerin entführte das begeisterte Publikum in die Zeit der Schlager. „Benjamin, ich hab‘ nichts anzuziehn“, haut sie jammernd raus, bevor sie wie einst Georg Kreisler zusammen mit dem „Schönen Siegesmund“ in den „Park zum Tauben vergiften“ geht. Plötzlich stoppt das Klavierspiel, was ist passiert? Finger verknackst, Brille angelaufen, Text vergessen? Dann wird’s offensichtlich, die zusammengehefteten Notenblätter gingen buchstäblich flöten. Doch Gabi und eine Besucherin reagierten schnell, gemeinsam wurde alles Seite für Seite zusammengefaltet. „Ich muss ja alles selber umblättern“, verrät Peter Grabinger und bekommt zu Recht dafür noch mehr Beifall.

Ein grandioses abwechslungsreiches Konzert, in das sich die leidenschaftliche Chorleiterin zwischen den Klassikern „Amate“ und „Adiemus“ mit Bette Midlers „The Rose“ reinfuchste und am Ende mit Sahnehäubchen wie „You raise me up“, „We believe“, „Cantate Domino“, „Seal Lullabye“ sowie ein „ABBA-Medley“ überzeugte.