Im Alten Testament beim „Prediger Salomo“ heißt es: „Alles hat seine Zeit“. Was da so alles seine bestimmte Zeit hat, wird auch noch näher ausgeführt. Unter anderem steht geschrieben: „Abbrechen hat seine Zeit, Bauen hat seine Zeit; Suchen hat seine Zeit, Verlieren hat seine Zeit; Behalten hat seine Zeit, Wegwerfen hat seine Zeit“. Zu ergänzen wäre, in Bezug auf die Kreuzkirche: „Loslassen hat seine Zeit“.
Ans Loslassen müssen sich die Mitglieder der Kreuzkirchengemeinde jetzt endgültig gewöhnen. Sie müssen sich bis Ende Oktober von ihrer Kirche verabschieden. Aber so ist eben der Lauf der Welt: Auch bei Kirchen hat das Bauen neuer Kirchen seine Zeit. Das waren die Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg, als es in Kirchheim einen ungeheuren Bevölkerungszuwachs gab. Jetzt ist eher die Zeit gekommen, sich von Kirchengebäuden zu trennen.
Im Gegensatz zum Bibelzitat gibt es auch Tröstliches für die Gemeindemitglieder: Sie haben gesucht und gefunden – einen Käufer. Und wenn sie schon keine neue Kirche bauen und auch die vorhandene nicht behalten können, ist es doch nicht so, dass sie die Kirche verlieren oder gar abbrechen müssen. Im ökumenischen Miteinander lassen sich sicher Möglichkeiten finden, dass die griechisch-orthodoxe Gemeinde ihr Haus öffnet. So wird es für die Gemeindemitglieder der Kreuzkirche immer wieder auch eine Zeit für die Rückkehr in ihre alte Kirche geben. Es ist also kein Abschied für immer.ANDREAS VOLZ
