Das geplante Baugebiet Guckenrain-Ost beschäftigte den Gemeinderat gleich mehrfach. „Wir haben die erste Runde hinter uns, es kam ein richtiger Stapel raus“, erklärte Bürgermeister Rainer Haußmann bezüglich des Bebauungsplans und der dazu eingegangenen Stellungnahmen. Diesen Stapel von über 70 Seiten ging Ralf Duffner vom Büro Zoll Architekten Stadtplaner im Schnelldurchlauf durch. „Wir sind jetzt in Phase zwei“, sagte er.
Der Ortsrand ist nun nach Nabern hin endgültig ausgeformt.
Bürgermeister Rainer Haußmann
Neben Behörden konnten auch Bürger Bedenken anmelden. Einer hat beispielsweise Befürchtungen wegen des Baustellenverkehrs. Hier konnte der Schultes Entwarnung geben: „Die Baustellenfahrzeuge kommen von der Kreisstraße her. Später, wenn die Arbeiten abgeschlossen sind, ist das nicht mehr möglich.“ Eine Lärmschutzwand zur Kreisstraße hin wird nicht genehmigt, das „müssen die Gebäude bringen“. Eine kleine Besonderheit ist der Schubkarrenweg. Er verschafft den Pächtern die Möglichkeit, die Gartengrundstücke zu erreichen, ohne dass sie durchs Haus müssen. „Das war ein Kompromiss an dieser Nahtstelle“, sagte Rainer Haußmann und erklärte zum Schluss: „Der Ortsrand ist nun nach Nabern hin endgültig ausgeformt. Das ist eine vernünftige und abgerundete Entwicklung.“ Dem Entwurf und der öffentlichen Auslegung stimmte der Gemeinderat einstimmig zu.
Namensfindung
Dann ging es um die Straßennamen. „Jetzt können Sie kreativ sein“, forderte der Schultes seine Räte auf. Er seinerseits machte gleich einige Vorschläge: die bereits bestehende Reußensteinstraße einfach durchgehen zu lassen, „Anger“ wegen der entsprechenden Umlegung oder sich am Gewann-Namen zu orientieren, sprich Seeäcker, denn die „Oberen Seeäcker“ schließen an das künftige Baugebiet an. Andreas Hummel und Maria Häfele sprachen sich klar für die Reußensteinstraße aus, ebenso Ursula Kerner. Ulrike Schweizer hält es dagegen für wichtig, nicht zu vergessen, wo das Gebiet herkommt. „Ich bin für den Gewann-Namen, um ihn in Erinnerung zu behalten“, sagte sie. Auch Peter Beck findet den historischen Bezug nachvollziehbar, und auch Noah Krampultz tendierte zu den Seeäckern. Dem widersprach Andreas Hummel: „Das passt nicht zur Namensfamilie auf dem Guckenrain, der Name wäre sehr exotisch.“ Bei der Abstimmung sprachen sich elf Räte für die Reußensteinstraße aus, drei für die Seeäcker, außerdem gab es eine Enthaltung.
Erschließungsverträge
Günter Baumann von Geoteck stellte das weitere Prozedere vor. „Die Käufer sollen wissen, was auf sie zukommt“, sagte er. Die Vertragsinhalte sollten festgelegt sein, damit der Erschließungsträger später im eigenen Namen handeln könne. „Das wird jetzt juristisch auf sauberer Ebene geführt“, so der Planer. Dabei geht es beispielsweise um Pflanzgebote, Parkplätze und Entwässerung. Letztere kostet für das Gebiet nach jetzigem Stand knapp 1,7 Millionen Euro. Positiv fällt die Bodenverwertung aus. „Fast alle Massen können wir im Gebiet lassen“, erklärte Günter Baumann.
Insgesamt kostet die Maßnahme etwa 5,6 Millionen Euro, weshalb Kosten von rund 266 Euro je Quadratmeter anfallen, die umgelegt werden. Der Hausanschluss je Grundstück schlägt mit circa 16.000 Euro zu Buche. Insgesamt muss die Gemeinde bis 2028 rund 6,9 Millionen Euro vorfinanzieren. Alle Kosten können umgelegt werden, dazu zählen beispielsweise Kitaplätze. 40 Prozent der angenommenen Kosten werden auf die Eigentümer umgelegt, zu denen auch die Gemeinde zählt. Das sind knapp 950.000 Euro. „Die Kosten treffen keinen Steuerzahler. Die Folgekosten, die zulässig sind, werden umgelegt“, stellte Rainer Haußmann klar.
Voraussichtlich entfallen rund 75 Prozent der Wohnbaufläche auf die Gemeinde, das restliche Viertel auf private Eigentümer. Ende April sollen die Verträge in trockenen Tüchern, im Sommer 2028 die Erschließung fertig sein. Die Vermarktung soll ab diesem Sommer starten, sodass ab Sommer 2028 mit dem Bau der Häuser begonnen werden kann. Maria Häfele interessierte, bis wann die Eigentümer mit dem Bau beginnen müssen. Die Antwort: acht plus zwei Jahre Kulanz für diejenigen, die ein Grundstück einbringen; verkauft die Gemeinde ein Grundstück, sind es vier Jahre.
Das Gremium stimmte den Vertragsentwürfen einstimmig zu. Dabei handelt es sich um Städtebau, Erschließung, Sonderfinanzierung und andere. Außerdem beschloss der Gemeinderat, die Folgekosten für die Kinderbetreuung in Höhe von rund 950.000 Euro zu erheben. Zudem wurde der Erschließungsträger Geoteck beauftragt, die Verträge mit den Grundstückseigentümern abzuschließen. Das Gremium beauftragte auch das Büro Fischer und Partner, Landschaftsarchitekten, für die Freianlagen.

