Sagen der Region
Auf den Spuren der Sibylle

Schon seit vielen Jahrhunderten rankt sich die Sage der wohltätigen Seherin Sibylle um den Teckberg. Eine etwa dreistündige Rundwanderung verbindet die Schauplätze der Geschichte mit idyllischen Landschaften.

Blickt man zur richtigen Zeit von der Teck ins Tal, kann man zwischen Dettingen und Owen die Sibyllenspur entdecken. Foto: Fiona Peter

Saftig grüne Wälder, traumhafte Talblicke und einen Abstecher in uraltes Felsgestein bietet die rund dreistündige Rundwandertour, die den Spuren der Sibylle von der Teck folgt.

Los geht es am Parkplatz Teckstraße am östlichen Ortsrand von Owen. Bereits wenige Meter oberhalb des Parkplatzes verlässt man die Straße und schlägt den ersten Weg ein, der sich nach rechts abspaltet. An der darauffolgenden Gabelung geht es bei der Bank nach rechts, dann kann man erst einmal eine Zeit lang ganz gemütlich dem Weg folgen, der die malerischen Streuobstwiesen durchquert. Auf der rechten Seite hat man einen tollen Blick auf das Lautertal. Am Horizont heben sich die zwei Vulkanembryonen Engelberg und Spitzenberg aus der Landschaft – junge Vulkane, die sich nicht voll entwickeln konnten. Auf der linken Seite bietet sich indes die Sicht auf den Gelben Felsen am Rücken des Teckbergs.

Der Weg durch die Streuobstwiesen erlaubt die Sicht auf die Bassgeige, die sich aus der Landschaft erhebt. Foto: Fiona Peter

Etwa eine halbe Stunde nach Abmarsch erreicht man den Ostrand von Brucken. Am Ende des kurzen Veronikawegs geht es nach links, an der darauffolgenden Weggabelung ebenso, immer der weißroten Markierung hinterher. Die ers­ten mögen jetzt ein wenig ins Schwitzen kommen, denn es geht aufwärts – zum Teil im Schatten der umliegenden Wälder – bis hoch zum Sattelbogen. Dort angekommen lohnt sich ein kleiner Umweg vorbei an dem Strommasten. Nur ein paar Meter weiter laden Bänke inklusive Grillstelle mit schöner Aussicht in Richtung Bissingen zu einer Verschnaufpause ein. Läuft man in normalem Tempo, sollte seit dem Beginn der Tour etwa eine Stunde vergangen sein.

Wer die Pause überspringen und direkt weitertraben möchte, kann bei der Ankunft am Sattelbogen links abbiegen und nach den gelben Schildern des Schwäbischen Albvereins Ausschau halten. Die Route verläuft ab hier für rund zwei Kilometer entlang des Hauptwanderweg 1 des Albvereins. Dieser führt über einen schmalen, unebenen Pfad durch den Wald und ist durch ein rotes Dreieck markiert.

Im Wald ist es angenehm schattig und ruhig. Foto: Fiona Peter

Nach einiger Zeit erreicht man eine hölzerne Schutzhütte. Dort krümmt sich der Weg schräg nach links. Noch immer stapft man durch den Wald; unter dem Blätterdach lassen sich die Höhenmeter gut bewältigen. Etwa 1,4 Kilometer nach dem Sattelbogen wartet der Gelbe Fels mit atemberaubender Panoramaaussicht über das Lenninger Tal. Wer möchte, kann bei dieser Gelegenheit noch die Veronikahöhle und das Verena-Beutlins-Loch am Fuße des Felsens besichtigen.

Der Weg geht weiter in Richtung Burg Teck. Etwa 250 Meter nach dem Aussichtspunkt steht eine Infotafel rechts des Wegs. Dahinter befinden sich die Überreste der historischen Flugzeughalle und des Startplatzes, an dem bis Anfang 1945 noch Kleinflugzeuge abhoben.

Der wunderbare Ausblick vom Gelben Felsen ist natürlich längst kein Geheimtipp mehr. Foto: Fiona Peter

Folgt man dem Pfad weiter, trifft dieser schließlich auf einen deutlich breiteren Weg. Er führt auf die Spitze des Bergs direkt zur Burg Teck. Von hier aus ist es nur noch ein Katzensprung. Bei der Burg angekommen bietet sich die Möglichkeit zur Einkehr. Nicht entgehen lassen sollte man sich den Blick von der Aussichtsplattform, die über eine kleine Treppe am hinteren Ende des Hofs erreichbar ist. Kurz vor der Getreideernte kann man von hier aus die Sibyllenspur erkennen, die in den Feldern zwischen Owen und Dettingen verläuft. Diese geradlinige Verfärbung, die bereits vor Jahrhunderten mit der Sage in Verbindung gebracht wurde, wurde in der Zwischenzeit als Teil des Lautertallimes identifiziert.

Weiter geht es zum Mittelpunkt der Erzählung, dem Sibyllenloch. Die Höhle ist ausgeschildert und lässt sich über einen schmalen Pfad mit Geländer erreichen, der sich kurz vor dem Burgtor vom Weg abspaltet. Eine Infotafel markiert den nicht übersehbaren Eingang; eine steile Treppe führt hinauf. Das Sibyllenloch ist insgesamt 23 Meter lang und besteht aus einer vorderen und einer hinteren Halle. Es wird jedoch angenommen, dass die Karsthöhle früher einmal größer war und Teile des Inneren durch einen Einsturz verschüttet wurden.

Obwohl das Sibyllenloch nicht besonders groß ist, lohnt es sich, einen Blick hineinzuwerfen. Innen wird es jedoch schnell etwas kühl. Foto: Fiona Peter

Von der Höhle aus führt der Weg weiter am Felsen entlang und trifft nach kurzer Zeit wieder auf den breiten Hauptweg zur Teck. Von dort an startet der Marsch bergab. Statt wieder Richtung Gelber Fels zu gehen, folgt man dem Weg für rund einen Kilometer und biegt nach der kleinen Schutzhütte links ab. Von hier aus schlängelt sich ein Pfad hinab ins Tal – immer dem roten Dreieck folgend.

Am Fuß des Berges wird man von der Lindenallee begrüßt, die den Weg bis zur Kreisstraße K1248 markiert. Am Straßenrand geht man ein kurzes Stück abwärts und stößt dort auf einen Steinweg, der sich kurz darauf spaltet. Folgt man dem rechten Weg Richtung Owen, trifft man nach rund 10 Minuten erneut auf die Straße. Sie führt direkt bis zum Parkplatz, dem Start- und dem Endpunkt dieses idyllischen Rundwanderwegs.

Eine detailgenaue Karte der Route gibt es unter https://www.komoot.com/de-de/invite-tour/2530966760?code=ompxki-YMqV1eiu0iRrXWHz8hJjtTeHirBqWZbl—zaPfGlRhc&participant=70432343&utm_medium=email&utm_campaign=invite&utm_source=planned_tour_invitation&utm_content=tour

Sagen der Region, Folge 9: Die Sibylle von der Teck 

Tief im Teckberg lebte einst eine bezaubernde Frau mit weißem Gewand und wallendem Haar, die sich Sibylle nannte. Sie war nicht nur unermesslich reich, sondern verfügte auch über die Gabe der Weissagung. Oft stiegen die Menschen den Berg hinauf, um ihre Hilfe zu ersuchen. Sibylle, die für ihr gutes Herz bekannt war, half, wo sie nur konnte.

Doch ihre drei Söhne waren von anderem Schlag. Weil sie untereinander verfeindet waren, lebte der eine auf dem Teckberg, der andere auf dem Wielandstein und der letzte in der Diepoldsburg. Von dort aus plagten, beraubten und quälten sie das Volk, von dem die Brüder wegen ihrer Grausamkeit und Habgier gefürchtet wurden.

Aus Kummer darüber, dass ihre Söhne derart missraten waren, beschloss Sibylle, das Land zu verlassen. In einem goldenen Wagen, der von zwei riesigen, geflügelten Katzen gezogen wurde, rauschte sie durch das Lenninger Tal Richtung Beuren, wo sie auf einem Hügel zum letzten Mal gesehen wurde.

Die Spur ihres Wagens, so sagt man, ist bis heute sichtbar. Um sie herum soll die Saat besonders fruchtbar sein. Die Höhle im Teckberg, die den Eingang zu ihrer unterirdischen Behausung markierte, ist heute unter dem Namen „Sibyllenloch“ bekannt.