Wegen der Fusion mussten wir am Ende nicht lange überlegen. Lose Gespräche gab es immer wieder, aber lange Zeit haben wir es nicht konkretisiert“, sagt Wolfgang Tröscher. Völlig geräuschlos verlief deshalb der Zusammenschluss der zwei Albvereine Oberlenningen und Unterlenningen-Brucken. „Wir haben relativ viele Gemeinsamkeiten. Den Weg zum Schroffelfels vom Tal bis nach Hochwang haben wir je zur Hälfte zusammen gepflegt. Gemeinsame Ein-Tages-Wanderung mit wechselnder Führung fanden ebenfalls immer wieder statt, und die Vier-Tages-Ausflüge hat Oberlenningen organisiert und Unterlenningen kam dazu“, beschreibt Wolfgang Tröscher das gelebte Miteinander. Mit am Tisch sitzt Freddy Klaus. Er war Vorsitzender der Ortsgruppe Unterlenningen-Brucken mit Wohnsitz in Oberlenningen. Wolfgang Tröscher hatte den Vorsitz in Oberlenningen inne und wohnt in Unterlenningen – somit ist auch hier eine bodenständige Vermischung gegeben. „Der neue Name war schnell gefunden: Schwäbischer Albverein Ortsgruppe Lenningen“, sagen beide unisono.
Zusammenschluss auf Augenhöhe
Beide Vereine haben klar ihre Schwierigkeiten gesehen. „Coronabedingt ist der Boden voll durchgebrochen“, sagt Wolfgang Tröscher. In Oberlenningen gab es keinen Vorsitzenden. „Wir sind Vorstand, aber nicht führungslos, wir machen eine Teamlösung – das war unsere Devise. Ingrid Diez war die Ansprechpartnerin für den Hauptverein in Stuttgart“, sagt er. Von Anfang an stand fest, dass Unterlenningen von Oberlenningen nicht vereinnahmt wird. „Es sollte ein Zusammenschluss auf Augenhöhe sein.“ Deshalb gab es eine komplett neue Gruppe, die den Neuanfang markiert – auch wenn es „a Gschäft“ war, denn allein mit einer neuen Steuernummer war es nicht getan.
„Wir waren nicht mehr viele Mitglieder – auch bei den Wanderungen – und dann kam Corona. Der Ausschuss war personell nicht besetzt und ist dann weggebrochen. Kassier Hans Schott hat den Verein soweit geleitet“, beschreibt Freddy Klaus die Situation. Allen sei klar gewesen, dass es so nicht weitergehen kann. Einige (Vorstands-) Mitglieder waren über 80 Jahre alt. Da mit Oberlenningen ein offenes Verhältnis herrschte, wollte auch der Unterlenninger Verein den Zusammenschluss in Angriff nehmen. „Es wäre schade gewesen, wenn so etwas Gewachsenes stirbt, schließlich sind wir ein Lenningen. In heutiger Zeit hätte der Verein keine Zukunft mehr gehabt“, sagt Freddy Klaus.
Coronabedingt ist der Boden voll durchgebrochen.
Wolfgang Tröscher
Ende Juli versammelten sich deshalb 38 Mitglieder der zwei Ortsgruppen zur gemeinsamen außerordentlichen Mitgliederversammlung im Gasthaus Krone in Brucken. Zuvor hatten sie in getrennten Versammlungen die Auflösung der jeweiligen Ortsgruppe und die Fusion beschlossen. „Die Abstimmung über die Fusion erfolgte einstimmig ohne Enthaltungen und per Handzeichen, nachdem keine geheime Wahl gewünscht wurde“, berichtet Wolfgang Tröscher. Die Wahlen gingen schnell über die Bühne, alle fielen einstimmig aus. Sprecher des Verstandsteams ist Wolfgang Tröscher, weiteres Mitglied des Vorstandteams ist Freddy Klaus. Als Schriftführer gewählt wurde Klaus Kazmaier, als Kassiererin Ingrid Diez. Beisitzer beziehungsweise Beisitzerin sind Markus Schlenk, Karin Schott und Anita Tichy. Auch die beiden Kassenprüfer Wilhelm Schott und Karl Boßler wurden einstimmig gewählt. Die Funktion des Wegewarts hat Wolfgang Tröscher inne, sein Stellvertreter ist Hermann Rauscher, Wanderwart ist Otto Leitner.
Fusion nicht selbstverständlich
Lenningens Bürgermeister Michael Schlecht war bei der historischen Sitzung dabei und lobte die disziplinierte Vorbereitung der Versammlung. „Der Verein hat die Notwendigkeit für die neue Entwicklung erkannt und verstanden, dass auch kleine Gruppen sich Veränderungen stellen müssen“, sagte er und hofft, dass sich die Mitglieder in dieser „Heimatgruppe“ wiederfinden und ein tolles Miteinander stattfinden wird. Zu Gast war auch Norbert Rumberger aus Owen in seiner Funktion als stellvertretender Gauvorsitzender. „Eine solche Fusion ist in der heutigen Zeit keine Selbstverständlichkeit mehr“, freut er sich über den gelungenen Neustart.
Familiengruppe gründen
Ziele haben sich die „Neu-Lenninger“ schon gesetzt: „Wir wollen rührige Leute für uns gewinnen, insbesondere wollen wir eine Familiengruppe gründen und junge Leute zum Wandern in der Gruppe bringen“, sagt Wolfgang Tröscher, und Freddy Klaus ergänzt: „Angesprochen werden sollen auch Menschen im Alter zwischen 50 und 60 Jahren – wenn die Kinder außer Haus sind – und solche, die in den Ruhestand gekommen sind. Die Gemeinschaft ist immer sehr schön. Man redet miteinander und lernt plötzlich die Leute kennen, denen man bislang nur beim Einkaufen begegnet ist“, berichtet er aus eigenen Erfahrung.
Das laufende Programm kann sich sehen lassen. Nahezu durch das ganze Jahr 2024 hat die einstige Ortsgruppe Oberlenningen Wanderungen geplant. Start war im Januar mit der Winterwanderung auf der Schopflocher Alb, die Weihnachtlichen Klänge auf dem Oberlenninger Marktplatz bilden den Abschluss, die Abschlusswanderung führt bereits im November nach Dottingen rund um den Eisenrüttel. An der Märzenbecherwanderung nahmen 34 Leute teil, der Tagesausflug im Juni führte an den Bodensee und auf den Pfänder. „Wir haben auch eine sehr starke Seniorengruppe, die sich regelmäßig zu kleineren Wanderungen trifft“, sagt Wolfgang Tröscher. Die Frauengruppe kommt nicht nur einmal im Monat zusammen, sondern macht auch alle paar Wochen einen Ausflug und nimmt auch ältere Mitglieder mit, die sich über solch einen Tag besonders freuen.
Beide Vereine haben eine lange Geschichte
Der neu gegründete Albverein Lenningen hat 204 Mitglieder. Davon kommen 138 aus Oberlenningen und 66 aus Unterlenningen und Brucken.
Gegründet wurde der Albverein Oberlenningen im Jahr 1892 mit den „Honoratioren Scheufelen und Sigel“, wie Wolfgang Tröscher sagt. Zehn Jahre später, 1902, folgte der Albverein Unterlenningen-Brucken dem Beispiel.
2017 feierte Oberlenningen „nicht groß“ sein 125-jähriges Bestehen.
2025 besteht die Gemeinde Lenningen 50 Jahre. Mit einer Lenninger
Wanderung will sich der Albverein daran beteiligen. ih

