Nun steht es fest: Bei der Heller Maschinenfabrik fallen ab April 224 Arbeitsplätze dauerhaft weg. Dies teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Die Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern über einen Personalabbau sowie einen Interessenausgleich und Sozialplan seien nach vier Monaten abgeschlossen. Für rund 150 Beschäftigte werde eine Transfergesellschaft eingerichtet, in die sie ab April wechseln könnten. Damit soll die Arbeitslosigkeit für einen gewissen Zeitraum vermieden werden, und den Betroffenen sollen neue berufliche Perspektiven eröffnet werden. Von dem Stellenabbau seien alle Bereiche der Maschinenfabrik betroffen.
Unternehmen will sich dezentraler aufstellen
Die weiteren Arbeitsplätze seien durch Maßnahmen wie ein Programm für freiwilliges Ausscheiden, die Kündigung von 40-Stunden-Verträgen oder interne Wechsel innerhalb der Gruppe abgebaut worden, heißt es weiter. Bei der Heller Maschinenfabrik in Nürtingen arbeiteten vor diesen Schritten 1115 Personen, bei der Heller-Gruppe insgesamt in Nürtingen gut 1400 Beschäftigte.
„Diese Entscheidungen sind uns nicht leichtgefallen“, so Thorsten Schmidt, Vorstandsvorsitzender der Heller Maschinenfabrik, in einer Stellungnahme: „Gemeinsam mit den Arbeitnehmervertretern haben wir intensiv daran gearbeitet, sozialverträgliche Lösungen zu finden und den betroffenen Kolleginnen und Kollegen Unterstützung anzubieten. Der nun vereinbarte Sozialplan stellt sicher, dass wirtschaftliche Nachteile bestmöglich ausgeglichen werden.“ Der Sozialplan regelt unter anderem den Abfindungsanspruch sowie die Einrichtung der Transfergesellschaft.
Schmidt hatte im November vergangenen Jahres von rund 240 Arbeitsplätzen gesprochen, die auf der Kippe stünden. Der Nürtinger Maschinenbauer richtet sich aufgrund eines massiven Einbruchs beim stark automobillastigen Projektgeschäft neu aus und legt den Fokus verstärkt auf Universalmaschinen. Heller müsse sich deshalb dezentraler ausrichten, begründete Schmidt. Dies erfordere einen Umbau des Unternehmens und das Aufbrechen eingefahrener Strukturen: „Wir müssen insgesamt schneller werden.“ Es gelte, mit innovativen Produkten neue Kunden in neuen Branchen zu gewinnen.
Anfang Februar hatte Heller verkündet, dass der US-Finanzinvestor H.I.G. Capital bei dem Maschinenbauer einsteigt und die Mehrheit der Anteile übernimmt. Davon erhofft man sich neue finanzielle Spielräume, um die strategischen Ziele schneller umzusetzen.
Die nun beschlossenen Maßnahmen zum Stellenabbau seien das Ergebnis intensiver Abstimmungen zwischen den Betriebsparteien und der Gewerkschaft während der vergangenen vier Monate, so Schmidt. Heller bleibe sich der sozialen Verantwortung gegenüber seinen Beschäftigten bewusst und setze weiterhin auf konstruktive Zusammenarbeit mit den Sozialpartnern. Betriebsratsvorsitzender Stefan Haag ist auf unsere Nachfrage, wie er das Verhandlungsergebnis bewertet, zwiegespalten. Es sei immer schmerzlich, wenn Jobs wegfielen, doch aufgrund des Einbruchs des Projektgeschäfts seien strukturelle Anpassungen notwendig. Vor diesem Hintergrund habe man das Möglichste getan, um die Auswirkungen für die Betroffenen abzumildern.
Transformationsprojekt wird gestartet
Ein mit dem Betriebsrat und der IG Metall initiiertes Transformationsprojekt werde nun parallel gestartet, teilt das Unternehmen weiter mit. Dabei will man auch auf die wissenschaftliche Expertise des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) zurückgreifen, das Unternehmen bei der Entwicklung neuer und zukunftsfähiger Arbeits- und Organisationsstrukturen unterstützt. Aus Sicht der Arbeitnehmervertreter ist ein wesentlicher Punkt dabei, den Prozess der Transformation für die Mitarbeiter nachvollziehbar zu machen.

