Sie wollen nicht hinnehmen, was ihr Arbeitgeber plant. Deshalb haben sich einige Hundert Beschäftigte des Betonpumpenspezialisten Putzmeister am Dienstagmittag zu einer Protestaktion vor dem Firmensitz in Aichtal versammelt. Statt des Abbaus von 140 Stellen am Stammsitz im Kreis Esslingen fordern sie ein Zukunftskonzept.
Bei der „aktiven Mittagspause“, zu der die IG Metall im Anschluss an die Betriebsversammlung aufgerufen hatte, prägten Angst und Unsicherheit die Stimmung. „Schwierig ist vor allem die Ungewissheit“, findet eine langjährige Mitarbeiterin, die ihren Namen nicht nennen will. „Ich habe seit Wochen schlaflose Nächte.“ Eine klare Linie seitens der Geschäftsführung sei nicht erkennbar.
Auch Ingenieur Manuel Lutz berichtet von großer Unsicherheit. „Es ist viel Vertrauen verloren gegangen“, erzählt er mit Blick auf die Schließung von zwei Putzmeister-Standorten im vergangenen Jahr. Was sie in Aichtal erwarte, sei unklar: „Und je länger die Phase der Unsicherheit anhält, desto schlimmer wird es“, sagt Lutz.
„Die Stimmung ist sehr bedrückt, die Leute haben Existenzängste“, berichtet Betriebsrat Joscha Schaible. Sie seien aber auch wütend und wollten für ihre Anliegen kämpfen. Unter dem Motto „Zukunft statt Kahlschlag“ erarbeite der Betriebsrat gemeinsam mit den Beschäftigten Vorschläge für ein Zukunftskonzept.
Laut dem Betriebsratsvorsitzenden Jörg Löffler würde die Geschäftsleitung von Putzmeister den Stellenabbau wohl gerne noch in diesem Jahr unter Dach und Fach bringen. Doch so einfach sei das nicht. Es habe zwar ein Angebot für ein Freiwilligenprogramm seitens des Managements gegeben, doch die Rahmenbedingungen seien aus Arbeitnehmersicht nicht akzeptabel gewesen. „Unter anderem war der Zeitrahmen bis zum Jahresende viel zu eng“, so Löffler.
Im August war bekannt geworden, dass der Betonpumpenhersteller rund 140 Arbeitsplätze am Stammsitz in Aichtal ersatzlos streichen will. Grund dafür ist laut einem Unternehmenssprecher unter anderem ein sich wandelnder Markt mit verstärktem Wettbewerb und steigendem Kostendruck. „Wir haben die Situation umfassend geprüft. Leider gibt es keine tragfähige Alternative zu den geplanten Stellenanpassungen, wenn wir die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens sichern wollen“, so der Sprecher. Gleichzeitig betont er: „Aichtal ist und bleibt der Hauptsitz von Putzmeister und ein zentraler Standort für die Entwicklung und die technologisch anspruchsvolle Endmontage unserer Produkte für Premiummärkte.“
Im vergangenen Jahr hatte Putzmeister bereits die zwei deutschen Standorte in Gründau (Hessen) und Heimertingen (Bayern) mit insgesamt 280 Arbeitsplätzen geschlossen und die Aktivitäten ins Ausland verlagert. Putzmeister beschäftigt rund 1100 Mitarbeitende in Deutschland, die meisten davon in Aichtal. Weltweit zählt das Unternehmen rund 3600 Beschäftigte. Putzmeister stellt unter anderem Betonpumpen, Mörtel- und Verputzmaschinen her und gehört seit 2012 zum chinesischen Baumaschinenkonzern Sany.

