Das Konsumklima in Deutschland sinkt, das Geld sitzt angesichts vieler Unsicherheiten nicht sonderlich locker in der Tasche. Zukunftsängste prägen die Atmosphäre – viele wundern sich über hohe Preise und drehen den Cent zweimal um, bevor sie ihn ausgeben. Aber vielleicht ist der Weihnachtsmarkt in Esslingen eine rühmliche Ausnahme. Vor Ort zeigt sich: Was kostet der Spaß in der Esslinger Altstadt?
Preise sind relativ, deshalb lohnt sich ein Blick ins Archiv. 4,50 Euro war die bestimmende Zahl im vergangenen Jahr, als Probandin Melanie Csernak mit Freunden und Kindern über den Markt schlenderte. Viele Glühweine hatten diesen Preis, Kinderpunsch ebenfalls, und auch ein Crêpe mit Nutella hatten den Gegenwert von 4,50 Euro. 4,50 Euro kostete außerdem ein Stockbrot. Gegessen wurde zudem eine Deie für acht Euro.
Auch in diesem Jahr kostet der Glühwein an vielen Ständen 4,50 Euro, einige Händler nehmen aber auch fünf oder sogar sechs Euro. Die Preisspanne ist also gewaltig – der teuerste Wein kostet 33 Prozent mehr als die günstigeren. Möglicherweise sind auch Qualität oder Herstellungskosten unterschiedlich, denn einige Weine werben mit dem Zusatz „Bio“. Kinderpunsch ist nach wie vor für 4,50 Euro zu haben, je nach Stand gibt es aber sowohl preisgünstigere (drei Euro) als auch teurere Angebote (fünf Euro). Ein Crêpe mit Nutella konnte ebenfalls ausfindig gemacht werden – einmal für 4,50 Euro, ein andermal für fünf Euro, was einen Unterschied von immerhin elf Prozent ausmacht. Das Stockbrot ist weiterhin für 4,50 Euro zu haben.
„Leicht“ erhöht hat das Deie-Backhaus seine Preise. Tobias Mast begründet den Anstieg mit den erhöhten Kosten – was die Ware betrifft, aber auch die Standgebühren. Er glaubt, dass unter anderem die verstärkten Sicherheitsmaßnahmen diese Gebühren nach oben getrieben haben. Eine Deie kostet bei ihm zwischen sechs und elf Euro, je nach Belag. Es sei „aber nur wenig“ erhöht worden, man wolle den Leuten ja nicht die Vorfreude „auf die schöne Vorweihnachtszeit“ nehmen, sagt er.
Insgesamt verhielten sich die Kunden eher zurückhaltend. Wurden früher fünf bis sechs Gläser Glühwein am Stand getrunken, seien es heute oftmals nur noch zwei. „Es herrscht so eine Stimmung – nicht Unsicherheit, aber es ist verhalten.“
Ein bis zwei statt fünf bis sechs
Ausweichen auf den Stuttgarter Weihnachtsmarkt, wo das Deie-Backhaus ebenfalls einen Stand hat, bringt allerdings nichts, jedenfalls nicht finanziell: Die Preise sind dort zumindest bei Tobias Mast dieselben. Wer also das besondere Ambiente des Esslinger Weihnachtsmarktes schätzt, bleibt am besten dort.
Das Fazit: Es lohnt sich allemal, etwas genauer hinzusehen, wo man was einkauft. Aber natürlich entscheidet auch der Geschmack – hier kann es kein Fehler sein, sich bei Freunden, Bekannten und Verwandten zu erkunden, ob sie etwas Besonderes auf dem Esslinger Weihnachtsmarkt entdeckt haben. Die Wahrscheinlichkeit, dass dies der Fall ist, dürfte auch in diesem Jahr wieder groß sein.

