Kalt war’s am Samstag bei einstelligen Temperaturen und immer wieder öffnete der Himmel seine Schleusen. Doch das hinderte unzählige Gäste nicht an einem Besuch des Beurener Freilichtmuseums, das am Wochenende traditionell zu den Schäfertagen eingeladen hatte. Für Beatrice Frasch aus Wendlingen war das Wetter kein Grund, nicht mit Mann und Töchtern übers weitläufige Gelände zu schlendern und die vielen Attraktionen zu genießen. Im Gegenteil: Bei den vielen Angeboten konnte die Familie mangels Menschenmassen ganz nah dran sein am Geschehen und an den Mitmachaktionen musste sich niemand gedulden, bis er dran war. In aller Ruhe durften die zehnjährige Hanna und ihre acht Jahre alte Schwester Lilli in der Filzwerkstatt arbeiten. Was aus dem weißen Knäuel mal wird? „Ein Schaf, ist doch klar“, erklärt Hanna.
Fester Termin im Kalender
Logisch. Denn zwei Tage drehte sich alles ums Schaf, den Alleskönner unter den Tieren: Schafe liefern Wolle, Milch und Fleisch. Noch dazu sind sie als natürliche Rasenmäher unverzichtbar für den Naturschutz und haben die hiesige Kulturlandschaft entscheidend geprägt. Familie Frasch jedenfalls ist begeistert, was das Freilichtmuseum rund ums Thema Schaf bietet – keinem werde es langweilig, ob Jung oder Alt. „Wir überlegen uns, ob wir Mitglied des Fördervereins werden“, erklärt Beatrice Frasch, man werde im Lauf der Saison sicher wieder kommen.

Die Schäfertage sind nicht nur bei vielen Stammbesuchern eine feste Größe im Jahreslauf, auch viele Händler kehren immer wieder. Da ist zum Beispiel Georg Bläsi aus Börtlingen, der neben Nistkästen auch Schäferstecken dabeihat. Die bestehen in der Regel aus Schwarzdorn, den der Senior selbst in der Natur sucht und dann in seiner Werkstatt bearbeitet. Von den Schäfern spricht man gerne etwas verächtlich als „Schippaloiner“, weil sie sich gerne auf ihren Schippen lehnen und anscheinend sonst wenig tun würden. Wie anspruchsvoll ihre Arbeit jedoch ist, davon konnten sich die Besucher beim Schauhüten mit Hütehunden überzeugen. Bei der Fütterung der Flaschenlämmer der Familie Klaß aus Beuren ging Jung und Alt das Herz auf, für (An-)Spannung sorgte bei einigen Besuchern dagegen das Scheren der Schafe. Anja Schmid sorgte für ein ganz besonderes Erlebnis vor allem bei kleinen Mädchen: Sie ist die derzeit amtierende Lammkönigin und hatte sogar ihr Krönchen auf dem Kopf. Die junge Frau aus Owen ist sei fast drei Jahren Genussbotschafterin, ihre Eltern führen in Owen eine Schäferei. Das habe ihr erlaubt, bei den Schäferlaufen in Markrönningen, Wildbad und Bad Urach mitzumachen. „Ich habe aber noch nie gewonnen“, meint sie lachend und deshalb habe der Uracher Schäferreigen seine zwölf Minuten dauernde Krönungspolka auch noch nicht zu ihren Ehren getanzt. Am Sonntag konnte sie dennoch zuschauen, der Tanz stand gleich zwei Mal in der verkürzten Version auf dem Programm.
Schafhaltung hat Tradition
Der Schäferlauf und die Schäfermusik, am Samstag gespielt von dem Trio „O’gwiß“ aus Reutlingen, stehen neben vielem anderen für die tiefe Verwurzelung der Schafhaltung in der Region. Mit den Schäfertagen wolle man laut Florian Mittelhammer, stellvertretender Leiter des Freilichtmuseums, diesen Umstand würdigen und all denjenigen eine Plattform geben, die in irgendeiner Art und Weise damit zu tun haben. Und das sind viele: Allein fünf Züchter mit sechs Rassen hatten ihre Tiere mit nach Beuren gebracht. Da waren Hersteller von Käse und Wurst aus Schafen, aber auch von Lamm-Maultaschen. Bei der Erzeugergemeinschaft Württemberger Lamm gab‘s nicht nur Informationen zur Schafhaltung allgemein und zum Beruf des Schäfers, sondern auch Lammfleisch nach Gyrosart zum Sofortessen.
Mal kurz übers Gelände schauen, das ist bei den Schäfertagen nicht drin: Besucher müssen viel Zeit mitbringen, weil’s so viel zu erleben und zu sehen gibt. Nützliches und dekoratives aus Wolle und Filz beispielsweise, aber auch wärmendes wie Pullis oder Decken – am Samstag war’s für viele Besucher sicher eine Überlegung, sich an dem kühlen Frühlingstag schon für den Winter einzudecken. Nicht nur die Besucher blieben beim immer wieder einsetzenden Regen gelassen, dann ging’s eben in eines der Häuser. Auch die Händler zeigten keinerlei Aufregung, so räumte Claudia Philipp ihre Schaffelle erst gar nicht weg: „Das ist ein Naturprodukt und wird wieder trocken.“ Ingrid Volk-Trautwein und Bärbel Wagner von der Filzwerkstatt Metzingen-Glems verarbeiten Wolle zu Filz, unter anderem zu Hüten. Die blieben bei jedem Regenguss ganz einfach im Freien hängen – die seien so dicht, dass sie erst gar nicht durchnässen würden. Am Sonntag kam sie dann raus, die Sonne. Doch da war die Familie Frasch nach einem aufregenden Tag in Beuren längst wieder zu Hause in Wendlingen und Hanna und Lilli freuten sich über das selbstgemachte Mitbringsel aus dem Freilichtmuseum: ein Filzschaf.

