Weilheim · Lenningen · Umland
Beurener Freilichtmuseum entpuppt sich als Fundgrube für Sammler

Verkaufstag Bei der Aktion „Das Museum räumt auf“ im Beurener Freilichtmuseum kamen Sammler und Liebhaber alter Gegenstände voll auf ihre Kosten. Von Angela Steidle

Das Freilichtmuseum war am Sonntag sehr gut besucht.  Foto: Angela Steidle

Mit den ersten Sonnenstrahlen am Sonntag erinnert die Aktion „Das Museum räumt auf!“ an einen gut besuchten Sommerschlussverkauf. Die Preise sind sehr moderat – das Publikum begeistert. „Überwiegend private Leute mit guten Ideen“, freute sich Christine Reinhold, die den Kehraus und Depot-Umzug im Freilichtmuseum Beuren betreut.

Die alten Gerätschaften werden als Dekostücke benutzt

Florentine, die zuckersüße Nicht-Schlafpuppe aus den Fünfzigerjahren mit Häubchen und rosa verbrämtem Schlafkleid wird ihren Ehrenplatz im Schaufenster einer Orthopädie-Werkstatt in Ditzingen finden. Dort steht schon ein alter Puppenwagen mit Gesellschaft bereit. Ordentlich zugelangt hat eine junge Familie aus Ehingen beim Verkaufstag im alten Schafstall: Im Leiterwagen versammeln sich alte Blechwannen, Beschläge, ein Schlitten und zwei Kinder im Alter von vier und sechs Jahren. „Wir waren rein zufällig hier“, erklärt der Familienvater. „Wir haben zu Hause einen großen Bauerngarten mit alten Sorten. Die Gerätschaften aus Beuren dienen zum Einpflanzen und als Dekoration.“

Veronika und Michael Fuchs provozieren einen Augenaufschlag: Undercut, flächendeckende Tattoos und doch Retro-Junkie von der Scholle? „Wir haben einen Hof mit Eseln, Pferden und viel Gelände drumherum. Außerdem eine Hundeschule in Nürtingen. Unsere Hoftiere werden beim Coaching eingesetzt“, erzählt Veronika Fuchs. Auf der eigenen Landwirtschaft gibt es bereits viele alte Wagenräder, Pfannen und Schalen als Deko bei den selbst restaurierten Haus- und Wirtschaftsgebäuden. Beuren ist für beide Nostalgie pur.

Fasziniert vom Einfachen und Genialen

Caroline Hepperle vom gleichnamigen Vollerwerbshof in Kirchheim zeigt Bilder von ihren beiden Söhnen Heinrich (16 Jahre) und Ferdinand (14 Jahre) bei der Arbeit mit prächtigen Schwarzwälder Kaltblütern im Geschirr. Zum Stall- und Grünlandbetrieb mit Pferdezucht gehören zehn Kühe und hundert Ziegen. Selbstverständlich hat die Technisierung vor der eigenen Landwirtschaft nicht Halt gemacht, aber wo es ums Daheimsein geht, bekommt die bäuerliche Tradition viel Platz eingeräumt: „Wir haben eine riesige Freude an alten landwirtschaftlichen Geräten und wie damals damit geschafft wurde“, erzählt die Landwirtin. Am „Lernort Bauernhof“ geben die Hepperles ihr Wissen auch an Schulklassen und Kindergärten weiter. Fasziniert sind die Traditionslandwirte vom „Einfachen und Genialen, von der Ästhetik, vom Kulturgut und der Technik, die oft aus der Not geboren wurde und spezifisch für unsere Region ist“. Der „Tüftlergeist“, so Hartmut Hepperle, „hatte oft mit dem Überleben der Familien zu tun.“ „Und mit Genügsamkeit“, ergänzt seine Frau. „Hinter dem verklärten Vintage-Style steckt knallharte Arbeit. Das ist noch gar nicht so lange her.“

Als passionierte Flohmarktgänger sind die Brüder Bernd und Uwe Brödner von den Fildern auf der Suche nach einer alten Küchenhexe fürs Gartenhaus. Zum Heizen, Kochen und Backen. Uwe Brödner ist Modellbauer und kennt sich bestens mit Schamott-Verkleidungen von Brennräumen aus. „Wir waren im Frühjahr schon mal hier“, berichtet der IT-ler Bernd Brödner, „zum Kochkurs und zur Baumveredelung. Bei der Museumspädagogik stand genau der Ofen, den ich mir vorgestellt habe. Den wollten die aber partout nicht hergeben.“

Ein buntes Sammelsurium wartete auf Abnehmer

Beim Verkaufstag sind sie fündig geworden. Obendrein gab’s noch eine wunderschöne gusseiserne Ofenplatte. Davon waren im Verkaufsraum etliche Exemplare ausgestellt. Außerdem gusseiserne Metallsockel und kunstvolle Ofenkränze, ein alter Eisschrank, Schlittentechnik von der Einzelkufe bis zum Pferdegespann, Schwungräder für die Transmission, eine tragbare Obstmühle und eine Honigschleuder, Waschbottiche, Geschirr und Ballongläser, Schubkarren, Getreideschütten, Schuhspanner aus einer alten Schusterei und ein paar uralte Holzskier. Großgeräte konnten anhand von Fotos reserviert, später besichtigt und abtransportiert werden nach dem Prinzip: Wer zuerst kommt, hat die größte Auswahl.

Alles Einzelteile, mit denen das Museum nicht mehr wirklich was anfangen kann. Dr. Petra Naumann, stellvertretende Museumsleiterin, erklärt, warum: „Die Objekte stammen aus unserer passiven Sammlung. Bevor ein Stück in den Verkauf geht, schauen wir es genau an, passt es in unser Konzept, können wir’s verwenden, ist es beschädigt oder belastet und muss entsorgt werden?“ Manche Teile sind mehrere dutzendmal vorhanden. Erst nach Inventur, Qualifizierung und Begutachtung durch ein Expertengremium wird „entsammelt“.

Zahlreiche Liebhaberstücke werden an andere Museen abgegeben

Mit der Massenproduktion und der Vollversorgung nach dem Zweiten Weltkrieg verschwanden viele tägliche Gebrauchsgüter auf dem Dachboden. „Zu schade zum Wegwerfen. Jetzt regelt die Erbengeneration ihren Nachlass“, erklärt Naumann die große Zahl an größeren und kleineren Liebhaberstücken, die seit einiger Zeit auch auf online-Marktplätzen zu recht geringen Preisen ihre Besitzer wechseln. Vieles davon wird auch an Museen weitergegeben und beginnt dort sein zweites Leben. Im dritten Leben, als Kunstobjekt oder Dekoware, wandern die alten Dinge wieder wertgeschätzt in die Kreislaufwirtschaft zurück. Manche Sichel oder handwerkliches Kleingerät dient als Muster oder wird tatsächlich wieder in Gebrauch genommen.